Bad Kissingen
Klage

Kostenstreit um Krebstherapie beschäftigt Sozialgericht Würzburg

Seit Jahren streitet Richard Freibott mit seiner Krankenkasse, wer die Kosten für die überlebenswichtige Krebstherapie zahlt. Am Dienstag ist der Prozess.
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Das Sozialgericht Würzburg beschäftigt sich  mit der Klage von Richard Freibott und Ulrike Dempsey. Benedikt Borst
Das Sozialgericht Würzburg beschäftigt sich mit der Klage von Richard Freibott und Ulrike Dempsey. Benedikt Borst

Für den Krebspatienten Richard Freibott und seine Lebensgefährtin Ulrike Dempsey wird der Dienstag ein entscheidender Tag. Das Sozialgericht Würzburg verhandelt den Rechtsstreit, den der 68-Jährige gegen seine Krankenkasse, die AOK Bayern, führt. "Wir haben Angst. Gerade Richard ist sehr negativ", sagt Dempsey. Bei dem Verfahren geht es um die Frage, ob die Krankenkasse die Kosten für Freibotts Krebstherapie zahlen muss.

Vor sechs Jahren wurde eine weit fortgeschrittene und aggressive Form von Prostatakrebs bei dem Steinacher diagnostiziert. Die Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate und leiteten eine palliative Standardbehandlung ein. Wie Dempsey und Freibott sagen, wurden andere leitliniengerechte Behandlungen, wie zum Beispiel eine Chemotheraphie, in seinem Krankheitsstadium abgelehnt. Freibott unterzog sich daraufhin Behandlungen, die nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen gehören: Zunächst einer Thermo-Chemotherapie, später der Radioligandentherapie mit Lutetium 177.

Gute Nachrichten aus der Klinik

Eine Kasse muss solche Behandlungen nur in Ausnahmefällen übernehmen. Das Bundesverfassungsgericht hat dafür im sogenannten Nikolausurteil drei Kriterien formuliert: Es muss sich um eine lebensbedrohliche oder regelmäßig tödlich verlaufende Erkrankung handeln, die alternative Behandlung muss sich spürbar positiv auswirken, und die Möglichkeiten der anerkannten Schulmedizin müssen ausgeschöpft, der Patient muss also austherapiert sein. Die AOK weigert sich, zu zahlen. Sie stützt sich auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, wonach Freibott noch leitliniengerechte Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.

Gesundheitlich geht es Freibott besser, die vormals weit im Körper gestreuten Metastasen sind aktuell nicht vorhanden. "In Anbetracht der Lebenserwartung, die wir zu Beginn hatten, haben wir einen Wanhsinnserfolg erreicht", fasst Dempsey die Ergebnisse der letzten Untersuchung zusammen. "Die Behandlung (mit Lutetium 177, Anm. d. Red.) hat sein Leben gerettet, auch wenn wir deshalb den Ärger mit der Krankenkasse haben", sagt sie.

Auf dem Weg zur Regelleistung

Im Fall der Thermo-Chemo haben sowohl das Sozialgericht Würzburg, als auch in der Berufung das Landessozialgericht in Schweinfurt der AOK Recht gegeben. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Wirksamkeit dieser Methode nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Anders ist die Situation bei der Therapie mit Lutetium 177. Das Medikament hat einen anderen medizinischen und rechtlichen Status und ist auf dem besten Weg, als Regelleistung anerkannt zu werden. Der Gemeinsame Bundesausschusses hat den Wirkstoff im Oktober 2017 von der Nutzenbewertung freigestellt.

Freibotts behandelnder Chefarzt aus Bad Berka, Professor Richard Baum, untermauert in einer Stellungnahme den Nutzen der Methode. Es handle sich um eine innovative Therapie, "die inzwischen weltweit in zahlreichen Universitätskliniken und onkologischen Zentren mit großem Erfolg angewandt wird." Dass Freibott 3,5 Jahre nach Beginn der Behandlung noch lebt, "ist an sich Beweis genug für den positiven Effekt, da die mediane Überlebenszeit im Stadium IV trotz Chemotherapie, Zytiga und Xtandi bei weniger als zwölf Monaten liegt."

Das Paar aus Steinach hofft jetzt, dass den guten medizinischen Nachrichten auch gute Nachrichten aus dem Gerichtssaal folgen. "Wir hoffen, dass wir jetzt einfach Mal eine Glückssträhne haben", sagt Dempsey.

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