Als Attraktion für die Jugend der Region feierte die Bad Kissinger Sektion des Deutschen Alpenvereins am Samstag ihren neuen, völlig in Eigenleistung gestalteten Boulderbereich. Etwa 70 000 Euro und 1000 Arbeitsstunden investierte der DAV in diese knapp 50 Quadratmeter große und 3,60 Meter hohe Halle, die mit ihrer Wandfläche von 75 Quadratmetern und fünf Kletterrouten Sportlern aller Alters- und Leistungsstufen mit dem Bouldern eine zeitgemäße Ergänzung zum herkömmlichen Klettersport bietet.
Zwar ist Bouldern, also das Klettern ohne jegliche Sicherung, schon seit den Siebziger Jahren als eigene Disziplin des Sportklettern anerkannt und hat sich seit den Neunzigern rasant verbreitet. Doch wird diese Sportart erst in zwei Jahren erstmals als olympische Disziplin ausgetragen. "Bouldern ist wie Klettern, nur etwas anders", erklärte Vorsitzender Bernd Eisenmann den Gästen zur Einweihung. "Bouldern bedingt Mut und Kraft, Konzentration und das Erkennen persönlicher Leistungsgrenzen." Sollten diese doch einmal überschritten sein, kann sich der Kletterer bedenkenlos sogar aus 3,60 Metern Höhe in die extrem weiche, 30 Zentimeter dicke Bouldermatte fallen lassen, mit der die gesamte Bodenfläche der kleinen Halle ausgelegt ist.
"Bouldern ist die coolste Variante des Klettersports", meinte Eisenmann, weshalb die neue Halle auch eine Anregung der Vereinsjugend war, die in Teamarbeit innerhalb eines Jahres in 1000
Freizeitstunden diese Halle eigenhändig umgebaut und eingerichtet hat. Zunächst musste die dort angebrachte Kletterausrüstung entfernt und der Raum entkernt werden. Was noch verwertbar war, wurde in dem vorgelagerten Trainingsraum eingebaut oder an anderer Stelle neuer Verwendung zugeführt. "Als Alpenverein sind wir dem Umweltschutz verpflichtet und werfen nichts weg, was noch verwertbar ist." Anschließend wurden durch Anbringen von 500 farblich unterschiedlichen Griffen auf engem Raum 35 Routen für ungesichertes Klettern in verschiedenen Schwierigkeitsgraden eingerichtet. So kann man recht einfach eine senkrechte Wand emporklettern oder aber wie an einem Felsvorsprung kopfüber klettern, wie es jugendliche DAV-Mitglieder später den Gästen zeigten.
Die beiden Pfarrer Marcus Döbert (evangelisch) und Gerd Greier (katholisch) waren sich allerdings einig, "den Herrn nicht in Versuchung zu führen", verzichteten deshalb auf eigene Kletterversuche und beschränkten sich auf ihre ökumenische Amtshandlung der Hallensegnung. Passend zum Thema hatten beide die Bibel nach Sportarten durchsucht und brachten im humorvollen Dialog ein Dutzend passender Zitate - vom schwierigsten Sport ("Über den eigenen Schatten springen") über die soziale Variante ("Einer trägt des anderen Last") bis hin zur sichersten Sportart ("Auf dem Weg der Gebote Gottes laufen").
Bouldern ist geselliger und kommunikativer als herkömmliches Klettern. Es ist nicht schwer, man braucht auch kein Training. "Man kann einfach reingehen und sofort loslegen", wurden die Eröffnungsgäste zum Probeklettern eingeladen, was einige wie Bad Kissingens Bürgermeister Thomas Leiner auch taten. Er hatte zuvor dem Alpenverein, mit 2000 Mitgliedern der größte Verein Bad Kissingens, für dessen Initiative gedankt. Einen kleinen Anteil an der neuen Boulderhalle habe auch die Stadt, merkte er an. Schließlich habe die Stadt seit 2009 den Verein mit 50 000 Euro über die Vereinsförderung bezuschusst. Umso erfreulicher sei, dass der Alpenverein kürzlich den Pachtvertrag für die große Kletterhalle um weitere zehn Jahre bis 2044 verlängert habe.