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LKR Bad Kissingen
Besuchsverbot

Kontakt mit Opa via Skype

Seit Samstag gilt ein verschärftes Besuchsverbot in Seniorenzentren. Sterbeprozesse sind ausgenommen. Welche Lösungen gibt es, um in Kontakt zu bleiben?
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Das Team vom Seniorenzentrum Waldenfels in Bad Brückenau verbreitet Hoffnung. "Gemeinsam sind wir stark" notieren sie auf Zettel.Anja Elm
Das Team vom Seniorenzentrum Waldenfels in Bad Brückenau verbreitet Hoffnung. "Gemeinsam sind wir stark" notieren sie auf Zettel.Anja Elm

"Bei uns ist zu!", sagte Sibel Linz, Heimleitung des Seniorenzentrums Waldenfels in Bad Brückenau am Freitag, schon bevor Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangsbeschränkung ausrief. Sie nennt eine Ausnahme: "Sollte jemand in den Sterbeprozess gehen, dann würden wir die Angehörigen anrufen, dann kann immer eine Person zu dem Sterbenden. Das wird auch dokumentiert", sagt Linz.

"Die Not macht erfinderisch!", ist sie überzeugt. Sie berichtet davon, dass sich Angehörige und Bewohner verabreden, um sich durch die Glasscheibe im Eingangsbereich des Seniorenzentrums Waldenfels zu sehen, wenn Angehörige frische Wäsche bringen. "Sie winken und dann ist die Stimmung auf beiden Seiten gleich besser", beschreibt Linz ihre Eindrücke.

Um auch miteinander zu sprechen, bieten sich Telefonate oder Videoanrufe an. "Whatsapp hat mittlerweile fast jeder", sagt Volker Göbel, Mitglied der Diakonie-Geschäftsleitung für den Bereich stationäre und teilstationäre Altenpflege. Er ist neben zahlreichen Schweinfurter Seniorenzentren auch für das Bad Kissinger Diakonie-Pflegezentrum Theresienstift zuständig ist. Mit seiner Aussage bezieht er sich auch auf ältere Menschen. "Wir sind sehr überrascht über die Whatsapp-Kenntnisse."

Tablets für die Heimbewohner

Hausinterne Tablets, die die Einrichtungen den Senioren zur Verfügung stellen, sind meist eine Ausnahme. Noch, denn durch die Corona-Krise scheint etwas in Gang zu kommen.

Im Pflegezentrum Maininsel in Schweinfurt gebe es zu Testzwecken ein Tablet. "Das wird sehr gut angenommen, wir versuchen, ob wir das ausweiten können." Eine genaue Angabe über die Anschaffungsdauer will Göbel nicht machen. Er hofft, dass sich die Bereitstellung von Tablets schnell ausweiten lässt. "Eine besondere Zeit erfordert unkonventionelle Lösungen. Es wird nicht lange dauern, bis es Tablets gibt."

Ähnlich äußert sich Claudia Scholz, Pflege-Teamleitung des Haus Elisabeth in Bad Kissingen: "Ja, etwas soll kommen. Das muss aber erst noch mit der Geschäftsleitung besprochen werden." Sibel Linz berichtet, sie plane mit Angehörigen Termine auszumachen, damit Angehörige und Bewohner sich über Video unterhalten. "Da sind dann auch Mitarbeiter dabei, die mithelfen, das alles läuft." Das Wlan sei frei zugänglich.

"Bisher haben wir keine Nachfragen von Senioren, Skype oder andere Formen der Videotelefonie zu nutzen", sagt Annegret Metz, Verwaltungsangestellte beim Azurit Seniorenzentrum in Bad Bocklet.

Reaktionen auf Besuchsverbot

Über das Besuchsverbot und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit seien Bewohner "schon traurig". "Es gibt geteilte Reaktionen. Gerade für die, die sonst Besuch bekommen, ist es schwer. Mit der Zeit gibt es immer mehr Akzeptanz." Teilweise hätten Bewohner wenig Verständnis geäußert, wenn Behandlungen ausgefallen sein, sagt Metz. Als Beispiel nennt sie Diabetiker, die auf podologische Fußpflege angewiesen sind.

Da das Azurit Pflegezentrum in Bad Bocklet am Waldrand gelegen ist, könnten sich fitte Bewohner noch dorthin begeben. "Aber wenn sie nicht ins Dorf können, da gibt es Rumoren!", sagt sie.

"Die große Maße verhält sich einsichtig", sagt Göbel. Auch Linz beschreibt die Stimmung im Bad Brückenauer Seniorenzentrum als ruhig und gelassen. Es gebe Bewohner, die sagen: "Wir haben den Krieg geschafft, das schaffen wir jetzt auch."

Zusammenhalt durch Krise

"Eine Garantie hat man nicht, dass man nicht auch von einem Corona-Fall betroffen wird", sagt Linz. "Ich bin stolz auf meine Truppe! Meine Mitarbeiter sind heute singend losmarschiert. Das war total süß. Es gibt einen Zusammenhalt, ohne den würde es gar nicht gehen. Jeder versucht sein Bestmögliches. Durch die Krise ist der Zusammenhalt nochmal größer. Wir wuppen das zusammen!"

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