Bad Kissingen
Kreistagsfahrt 2

Kommunalpolitiker aus dem Kreis Bad Kissinger begutachten Waldsterben im Harz

Durch Klimawandel und Borkenkäfer sind im Harz schon 5000 Hektar Fichtenwald abgestorben. Touristen sind verschreckt, Naturschützer sehen das gelassen.
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Pressesprecher Friedhart Knolle vom Naturpark Harz machte an mehreren Stationen während einer Wanderungen auf die Besonderheiten des Nationalparks Harz aufmerksam.Ralf Ruppert
Pressesprecher Friedhart Knolle vom Naturpark Harz machte an mehreren Stationen während einer Wanderungen auf die Besonderheiten des Nationalparks Harz aufmerksam.Ralf Ruppert
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Neben touristischen Fragen zog sich vor allem ein Thema durch alle Vorträge und Begegnungen der Kreistagsfahrt in den Harz: das Sterben der Fichte. "Der Anblick vor allem im Oberharz ist gerade wirklich sehr gruselig", bereitete Regine Breyther, 1. Kreisrätin des Landkreises Goslar, die Kreisräte und Bürgermeister aus der Rhön gleich am ersten Tag vor, und: "Wir müssen Aufklärung leisten und den Menschen zeigen, was passiert." Aus ihrer Sicht werde im Harz gerade im Zeitraffer deutlich, wie Klimawandel, Waldsterben und Wiedergeburt zusammen hängen: "Ich gehe davon aus, dass die Plantagen-Wirtschaft mit Fichten auf vielen Flächen keine Zukunft hat", sagte Breyther.

Nah am Thema ist auch Peter Gaffert, Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode: Der ehemalige Förster leitete zehn Jahre lang den Nationalpark. "Wir haben jetzt in zwei Jahren 5000 Hektar verloren", sagte er. Umso wichtiger sei ihm seit zwölf Jahren die nachhaltige und ökologische Stadt-Entwicklung. Als Beispiel nannte er die Einführung eines kostenlosen Personen-Nahverkehrs: Dadurch sei die Zahl der Fahrgäste von 130 000 auf 700 000 gesteigert worden. Zudem müsse sich die Stadt auch Gedanken über das schnelle Wachstum seit der Landesgarten-Schau 2006 im Tourismus machen: "Die ersten Anwohner der Altstadt beschweren sich schon, dass es an den Wochenenden zu viel ist", nannte Gaffert als Beispiel. Außerdem gebe es in Wernigerode längst Vollbeschäftigung und deshalb einen Mangel nicht nur an Fachkräften. Und schließlich steigen die Mieten durch Investoren von außerhalb: "Ich habe in der Stadt rund 650 Mitarbeiter, und die können sich die Mieten oft nicht mehr leisten."

Der östliche Teil des Nationalparks Harz sei mit dem Einigungsvertrag 1990 ausgewiesen worden, berichtete Gaffert. "Wir hatten damals extreme Akzeptanzprobleme", berichtete der ehemalige Nationalpark-Direktor: Das Grenz-Sperrgebiet sei aufgehoben worden, aber dafür erlebten die Einwohner den Naturschutz als Einschränkung. "Wir haben das gut aufgefangen, aber jetzt eskaliert alles durch den absterbenden Wald und den Borkenkäfer wieder", sagte der OB. Seine Prognose: "Der Borkenkäfer frisst jetzt so lange, bis keine Fichte mehr steht." Umso wichtiger sei, dass alle Beteiligten im Harz die Veränderungen den Touristen erläutern.

Katastrophe als Chance?

Das ist das tägliche Geschäft von Friedhart Knolle, Pressesprecher des Nationalparks. Sein Credo: "Es stirbt nicht der Wald, es sterben die über-60-jährigen Fichten." Außerdem sei das Problem nicht auf den Nationalpark Harz beschränkt, auch die Landesforsten hätten den Kampf gegen den Borkenkäfer zum Teil aufgegeben. Laut Knolle passiert im Harz jetzt das, was im Bayerischen Wald in den 1990er Jahren passierte. Aber auch im Harz habe es vor zehn Jahren Probleme mit dem Borkenkäfer gegeben. "Mittlerweile ist alles wieder grün", sagte Knolle und deutete auf den betroffenen Berg.

Die Fichte benötige viele Niederschläge und kalte Winter. Deshalb werde sie den Klimawandel mit immer trockeneren Sommern auf den meisten Flächen vermutlich nicht überstehen. "Wir werden den Wald so nie wieder sehen", sagt Knolle, fügt aber gleich an: "Der Wald regeneriert sich selbst." In der jetzigen Katastrophe sieht er vor allem die Chance: "Der Klimawandel wird uns zeigen, welche Bäume in der Zukunft zum Harz passen." Auf diese Antworten sind auch die Kommunalpolitiker aus der Rhön gespannt.

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