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Bad Kissingen
Natur

Knospen und Blüten statt Schnee

Im Datum geirrt? Die Blüten eines Kirschbaums im Luitpoldpark sind einige Wochen zu früh dran. Schuld daran ist der milde Winter, meint Hildegard Alefeld vom Obst- und Gartenbauverein Reiterswiesen.
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Die Blüten an den Zweigen des Kirschbaums sollten sich eigentlich erst im Februar und März öffnen. Mit der verfrühten Blüte verliert der Baum Energie und wird anfälliger, sagt Hildegard Alefeld. Foto: Carmen Schmitt
Die Blüten an den Zweigen des Kirschbaums sollten sich eigentlich erst im Februar und März öffnen. Mit der verfrühten Blüte verliert der Baum Energie und wird anfälliger, sagt Hildegard Alefeld. Foto: Carmen Schmitt
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Die Baumkronen im Bad Kissinger Luitpoldparks sind Labyrinthe aus kahlen Ästen und Zweigen. Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Ein paar Regentropfen rieseln herab. In den Ästen einiger Bäume leuchten helle Punkte. Anfang Januar sind das nicht etwa Schneeflocken, sondern Blüten.

Viel zu früh haben die Knospen der Japanischen Zierkirsche ausgetrieben.
Normal sei das für diesen Baum erst von Februar bis März, sagt Hildegard Alefeld. Die 64-Jährige ist Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Reiterswiesen. "Das hängt mit den verwirrenden Witterungsverhältnissen zusammen. Die Natur ist jetzt eigentlich auf Winterruhe eingestellt." Die Pflanzen sparen ihre Energie, um später ihre volle Kraft in die Knospen zu stecken, erklärt sie. Sie vermutet, dass "die prachtvolle Blüte" der Japanischen Zierkirsche heuer kürzer ausfallen könnte. "Sie haben schon sehr viel Kraft vergeben. Darunter haben sie ein Leben lang zu leiden", sagt Hildegard Alefeld. Das mache sie später anfälliger. Außerdem erfriere mit dem folgenden Frost zu viel der Pflanze, die sich davon nicht mehr wirklich erhole.


Mit Handykameras festgehalten

Klaus Speyer spaziert im Winter oft durch den Luitpoldpark. Dass sich die Blüten der beiden Kirschbäume an dem Steg jetzt schon öffnen, hat der Bad Kissinger noch nie beobachtet. "Sonst haben wir um diese Zeit Schnee." Die außergewöhnliche Blütenpracht nahm er vor ein paar Tagen mit seiner Kamera auf. "Ich habe immer meinen Fotoapparat dabei, wenn ich unterwegs bin", sagt er und lacht. Auch einige andere waren so verwundert über die Blüten, dass sie den Baum mit ihren Handy kameras festhielten, erzählt Klaus Speyer.

Hildegard Alefeld beobachtet diese "Frühgeburten" seit vielen Jahren. "Heuer fällt das extrem auf." In ihrem Garten hat sie selbst eine Japanische Zierkirsche, die schon seit drei Wochen blüht. "Es hat sich alles verschoben", so schnell könne sich die Natur aber nicht umstellen. "Wir haben jetzt schon seit einigen Jahren Biergartenwetter zu Weihnachten." Die Hobbygärtnerin vermutet, dass viele Pflanzen in Zukunft nicht mehr zur gewohnten Zeit blühen werden. Sie rechnet sogar damit, dass die Tulpen und Osterglöckchen bald aus der Erde spitzen.

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