Bad Kissingen
Jazz

Klassiker und Neues im Bismarck-Keller

"Echoes of Swing" spielten zum Auftakt der diesjährigen Jazz-Reihe in "Bismarcks Basement".
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"Echoes of Swing" gastierte zum Start ihrer Jubiläumstournee in der Oberen Saline. Foto: Ralf Ruppert
"Echoes of Swing" gastierte zum Start ihrer Jubiläumstournee in der Oberen Saline. Foto: Ralf Ruppert
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In den 20 Jahren ihres Bestehens gastierten "Echoes of Swing" immer wieder in Bad Kissingen. "Wir waren hier im Bismarcks Basement damals als ganz junge Band", erinnert sich Chris Hopkins. Immer wieder kehrten die vier Jazz-Musiker in die Obere Saline zurück, jetzt starteten sie dort ihre Jubiläumstournee zum 20-jährigen Bestehen: Gut hundert Konzerte stehen heuer an. "Wir sind selbst überrascht, dass wir so lange zusammen geblieben sind", witzelte Hopkins im Rückblick auf die 20 Jahre.


Seit den Anfängen 1999 dabei

2016 hatte die Staatsbad GmbH Echoes of Swing für den Rossini-Saal gebucht, jetzt war es wieder der Keller unter dem Bismarck-Museum. "Ich mag solche Jazz-Keller, in denen man ganz nah beim Publikum sitzt, auch wenn es nicht ganz einfach ist, dort zu spielen", erzählt Drummer Oliver Mewes. Im Publikum saßen etliche Bekannte, die die kleine Jazz-Reihe in der Oberen Saline seit den Anfängen 1999 begleiten. Allen voran Helena Scharf, die am Tag des Konzerts ihren letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand hatte und der die vier Musiker ganz besonders für die Zusammenarbeit in all den Jahren dankten. Auch für sie galt, was Band-Leader Chris Hopkins zur Begrüßung sagte: "Schön, dass Sie uns treu geblieben sind, wir sind uns auch treu geblieben."
Im Mittelpunkt des Abends stand aber natürlich die unverwechselbare Musik von Saxophonist Hopkins, Pianist Bernd Lhotzky, Trompeter Colin T. Dawson und Drummer Mewes. Die ausgefeilten Arrangements kitzeln die Stärken aller Band-Mitglieder heraus. Der "Original Dixieland One Step" etwa gehört zu den faszinierenden Stücken, die Echoes of Swing aus der Mottenkiste holen und so richtig entstauben. Von der neuen CD "Travelin" stammt die jazzige Version des Klassikers "Volare", bei der Bernd Lhotzky immer wieder das Thema variierte und auflöste.
Die Fans hörten aber auch etliche Klassiker der Band wie "Ballet of the Dunes", eine Eigen-Komposition von Chris Hopkins, die nicht nur durch den Saxophon-Part, sondern auch die gedämpften Töne der Trompete und den meditativen Rhythmus des Schlagzeugs begeistert. Da ziehen vor dem geistigen Auge Beduinen auf Kamelen an den Zuhörern vorbei. Melancholisch ist die Stimme von Trompeter Colin T. Dawson bei der Cole-Porter-Hommage "Dream Dancing" oder beim wehmütigen "The Old Country", in dem der Engländer Dawson seinen ganzen Schmerz über den Brexit steckte.


Bach und Chopin neu interpretiert

Auch wenn die vier Ausnahme-Musiker von Echoes of Swing wie aus einem Guss spielen und sich gekonnt die Bälle zuwerfen, sticht einer heraus: Pianist Bernd Lhotzky gilt als einer der bekanntesten Solo-Pianisten der Jazz-Szene, was er bei seiner Version von Richard Wagners "Marsch der Pilger" aus dem Tannhäuser oder der Schmetterlings-Ettude von Frederic Chopin bewies. Bei seiner Bearbeitung einer Bachschen Gavotte können sich dagegen alle vier gleichermaßen einbringen.
Immer gibt es bei der Jubiläumstour unbekannte Juwelen der Jazz-Geschichte zu hören. "The Entertainer können die anderen spielen", sagt Dawson und kündigt stattdessen Scott Joplins "Ragtime Dance" an. Drummer Oliver Mewes holt bei den Soli aus dem Schlagzeug alles heraus, was vier Felle und drei Becken hergeben. Am Saxophon überzeugt Chris Hopkins mit Ideenreichtum und einem unerschöpflichen Repertoire. Dazu jubelte er seinen Band-Mitgliedern zum ersten Mal nach 20 Jahren sogar einen Boogie-Woogie unter, auch wenn der bei "Orient Express" lediglich am Piano durchschien.
Echoes of Swing verbinden die Ehrfurcht vor Jazz-Klassikern mit der Lust an der Improvisation. Sie präsentieren keinen bloßen Widerhall, sondern veredeln die Stücke, die sie in den Jazz-Archiven auskramen, verpassen ihnen eine Frischzellen-Kur und spielen sie mit einer Bühnenpräsenz, wie sie nur selten von vier Musikern ausgeht. Auch "Premier Ball" des Sopran-Saxophonisten Sidney Bechet oder "Disorder at the Border" von Coleman Hawkins gehören zu den zahlreichen Entdeckungen. Und das ganze angereichert mit einer gehörigen Portion Humor und Sprüchen wie "Wenn der Oli auf einer Pickelhaube trommeln darf, dann darf ich auch ein bisschen Wagner spielen" von Bernd Lhotzky.

Konzerte: Das nächste Jazz-Konzert in Bismarcks Basement ist mit "Jazz à la flute - The Good Life" überschrieben. Am Samstag, 24. Februar, spielen ab 20 Uhr Isabelle Bodenseh (Querflöte), Lorenzo Petrocca (Gitarre), Lindy Huppertsberg (Bass) und Armin Fischer (Schlagzeug).
Fünf weitere Termine stehen danach noch im Jahrprogramm: Am 24. März kommen "Gruberich" mit Cello, Hackbrett und Harfe, am 28. April folgen die "New Orleans Shakers" um Torsten Zwingenberger, am 21. September Anne Czichowsky- Quintett "Keepers of the flame". Am 19. Oktober präsentiert die Band von Schlagzeuger Dirik Schilgen "Acoustic-Groove-Jazz" und den Abschluss macht am 16. November Franz Dannerbauers "Music Liberation Unit-Sextet"
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