Bad Brückenau
Virtuos

Klarinettenquintett mit Streichorchester bei Neujahrskonzert in Bad Brückenau

Der Klarinettist Sebastian Manz war der Solist beim "Neujahrskonzert" des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau.
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Sebastian Manz war der Solist bei Webers Klarinettenquintett. Fotos: Thomas Ahnert
Sebastian Manz war der Solist bei Webers Klarinettenquintett. Fotos: Thomas Ahnert
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Nach dem Wagner-und-Verdi-Jahr 2013 nun also das Richard-Strauss-Jahr 2014. Am 11. Juni könnte der Münchner Komponist seinen 150. Geburtstag begehen. Da liegt es durchaus nahe, ihn mit der Aufführung seiner Werke ein bisschen mehr zu feiern als sonst. Für das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau keine kleine Herausforderung, denn was sollten sie nehmen außer der Urfassung der "Metamorphosen"? Aber sie fanden die Lösung: In der Kleinoper "Capriccio" spielt zu Beginn im Nebenzimmer ein Streichsextett.

"Capriccio" ist Strauss' letzte und merkwürdigste Oper. Es gehört schon eine ganze Menge an Realitätsverdrängung dazu, in einer Zeit (1942), in der jeden Tag tausende Menschen unsinnigerweise sterben und die Umgebung in Schutt und Asche zu versinken beginnt, ein einaktiges "Konversationsstück für Musik" zu schreiben, das die Diskussion der Vorklassik etwa eines Christoph Willibald Gluck aufgreift, ob das Wort oder die Musik in der Oper wichtiger sind. Das erinnert schon sehr stark an die Ablenkungs- und Durchhaltefilme, die die Nazis damals in Babelsberg produzieren ließen. Die Reaktion des Münchner Publikums nach der Uraufführung unter Clemens Krauss war ähnlich begeistert.

Aber auch wenn man heute selbst den Hintergrund ausblendet, bleibt der zehnminütige Satz trotzdem seltsam genug. Denn Strauss setzt mit der Stilistik des späten Brahms die Musik des späten 18. Jahrhunderts in Töne - kein leichtes Unterfangen, diesen Spagat zu realisieren. Aber die Brückenauer schafften es ausgezeichnet, indem sie die weiche, spätromantische Klangsprache in eine durchaus spannende Beziehung den den vorklassischen Strukturen setzten und die Musik so interessant machten.

Quintett für Orchester

Neugierig machen konnte das Klarinettenquintett op. 34 von Carl Maria von Weber, denn die Brückenauer spielten es nicht in der Originalbesetzung mit vier Streichern, sondern mit Streichorchester - ein legitimes Verfahren, auch wenn dadurch ein völlig neues Werk entsteht. Denn was wegfällt, ist die individualisierte, direkte Auseinandersetzung der Klarinette mit den einzelnen Spielern und Instrumenten in ihrer speziellen Klanglichkeit, in ihrem speziellen Zugriff. Was dazu kommt, ist eine Konzertsituation, in der sich die Klarinette mit dem gesamten Streicherapparat auseinandersetzen muss, in dem die Strukturen zugunsten eines homogenen, ein bisschen nivellierenden Klangs in den Hintergrund treten. Und dieser Klang bekommt dadurch mehr Gewicht, dass der 16-Fuß-Bereich, also der Kontrabass, den Bass verstärkt. Der Solist ist in seiner Durchsetzungsfähigkeit stärker gefordert - bei gleich bleibenden virtuosen Anforderungen. Und die sind enorm, denn Weber ging bewusst an die Grenzen der damals modernen Instrumente.

Für Sebastian Manz war das kein Problem. Der ARD-Wettbewerb-Gewinner von 2008, der über die Titulierung "Junger Wilder" vermutlich geschmunzelt hat, gehört zu den Musikern, die umso lieber spielen, je verzwickter die Sache ist. Er genoss die schnellen Läufe und aberwitzigen Koloraturen und Sprünge, die mitreißende, tänzerische Rhythmik und das Spiel mit den Klangfarben. Und er bezauberte mit seinem weichen vollkommen ansatzlosen Spiel im langsamen Satz, in dem er die Luft nur vorsichtig durch sein Instrument zu schieben schien. Das Orchester, vom Partner ein bisschen in Richtung Begleiter gerückt, ließ sich von dieser musikantischen Kraft inspierieren und wurde zum schlagfertigen Gesprächspartner.

Antonin Dvoraks Serenade für Streichorchester op. 22, ein melodienseliges Werk, war ein schöner Abschluss. Mit einer starken, aber unaufdringlichen Agogik und sehr gut vorbereiteten Übergängen steuerte Johannes Moesus das Orchester durch die fünf Sätze und machte deutlich, dass man auch aus einem homogenen Streicherklang eine Impulse setz ende Rhythmik herausarbeiten kann.

Aber bei allem artikulierten Wohlklang konnte man doch ein bisschen unruhig werden. Was man sich etwas mehr gewünscht hätte - und vor allem der dritte Satz, das Scherzo, hätte das durchaus hergegeben: auch einmal ein beherztes, durchaus derbes Hinlangen. Das hätte der Musik noch mehr Lebendigkeit und ein bisschen Bodenhaftung geben können.

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