Bad Kissingen
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KJR Bad Kissingen: Wo sind die familienfreundlichen Gaststätten?

Wo können Eltern gut mit Kindern Essen gehen? Der Kreisjugendring Bad Kissingen will einen Überblick über familiengerechte Angebote geben.
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Christoph Stürmer (links) und Christian Fenn vom Kreisjugendring wollen einen Überblick über familienfreundliche Gaststätten geben. Foto: Benedikt Borst
Christoph Stürmer (links) und Christian Fenn vom Kreisjugendring wollen einen Überblick über familienfreundliche Gaststätten geben. Foto: Benedikt Borst
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Mittagessen im Hotel Sonnenhügel. Während manche Eltern sich gerade erst den Hauptgang vom Buffet geholt haben, sind die ersten Kinder schon wieder fertig und stürmen aus dem Restaurant. Dass die Eltern in Ruhe weiter essen können, liegt daran, dass sich die Kinder an der Spiel eecke beschäftigen. "Es ist wichtig, eine Beschäftigungsmöglichkeit zu haben, die die Kinder fesselt", sagt der Direktor des Familienhotels, Hans Markwalder. Mit Malsachen und vor allem an den Spielemonitoren mit Touchscreen vertreiben die sich die Zeit, bis die Erwachsenen fertig sind. "Es kommt natürlich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Eltern an. Die Kinder müssen aber nicht am Tisch sitzen bleiben, wenn sie nicht wollen", erklärt der Hotelier.

Früher hat das Hotel Sonnenhügel stärker auf ein älteres Klientel, Busreisen und Tagungen gesetzt. Das Geschäft wurde allerdings schwieriger. Vor sieben Jahren hat es sich dann von Kopf bis Fuß auf Familien eingestellt. Ein Teil der Tennishalle wurde zum Indoorspielplatz, das Schwimmbad wurde modernisiert und kindgerecht gestaltet, das Restaurant an die Bedürfnisse von Familien angepasst. 60 Hochstühle stehen bereit, damit die Kleinsten bei ihren Eltern am Tisch sitzen können. "Für die Kinder haben wir ein eigenes Buffet", erklärt Markwalder. Dort stehen Kindergerichte, -geschirr sowie -besteck bereit. An den Esstischen decken die Restaurantmitarbeiter standardmäßig Kindersets ein. Dazu gehören Malunterlagen, die die Kinder ausfüllen können. Wichtigste Regel im Restaurant: "Grundprinzip ist, dass Kinder zuerst bedient werden, einfach damit Ruhe ist", sagt er.

In welchen Gaststätten im Landkreis sind Familien mit Kindern willkommen, wo sind die Restaurants gut auf deren Bedürfnisse eingestellt, wo können Familien Essen gehen, ohne schräg von anderen Gästen angeschaut zu werden? Diese Fragen will der Kreisjugendring (KJR), also die Dachorganisation aller Jugendverbände im Landkreis, beantworten.

Zuletzt 2011 hatte der KJR eine Broschüre aufgelegt, die einen Überblick über familienfreundliche Gaststätten im Landkreis gibt. 18 Betriebe vom Wittelsbacher Turm in Arnshausen bis zum Rhönstübchen in Bad Brückenau sind dort aufgeführt. Das Problem: "Der Flyer ist nicht mehr aktuell und es fehlen einige Betriebe", erklärt KJR-Geschäftsführer Christoph Stürmer. Deshalb soll die Übersicht dieses Jahr überarbeitet und vor allem umfassender werden. "Ich glaube, dass es viele kinderfreundliche Restaurants gibt", sagt er.


Zertifikat für Gaststätten

Rund 400 Restaurants will der KJR deshalb in den nächsten Wochen anschreiben. Die Betriebe erhalten einen Fragebogen, mit dem sie sich offiziell für die nächsten fünf Jahre um das Zertifikat als familienfreundliche Gaststätte bewerben können. "Abgefragt werden Kann- und Mussbestimmungen", erläutert KJR-Vorstandsmitglied Christian Fenn. "Ein Malblock zur Begrüßung ist zwar schön, macht Familienfreundlichkeit allein nicht aus." Von Restaurants könne auch nicht verlangt werden, dass sie einen großen Spielplatz vorhalten - wenn es allerdings einen gibt, ist das ein Pluspunkt.

Die Mussbestimmungen sind dagegen zu erfüllen. "Der wichtigste Punkt ist, dass es ein eigenes Speiseangebot für Kinder gibt ", erklärt Fenn. Kinderportionen, Spiel- und Malsachen, kindertaugliches Besteck, Teller und Besteck zum Mitessen bei den Eltern, pro 30 Sitzplätze mindestens ein Hochstuhl, außer Mineralwasser noch ein nichtalkoholisches Getränk, das günstiger ist als Bier, sowie gesicherte Steckdosen im Kriechbereich des Gastraums: All das haben die Gastronomen vorzuhalten, wenn sie vom Kreisjugendrings ausgezeichnet werden wollen. Der Fragebogen sei bewusst sehr umfangreich. "Mit den detailreichen Fragen wollen wir Anregungen geben, auf was man noch achten könnte", sagt Fenn.

Die teilnehmenden Betriebe verpflichten sich, die Kriterien einzuhalten. Eine Jury entscheidet darüber, ob ein Restaurant ausgezeichnet wird. "Wir wollen auch stichprobenartige Kontrollen durchführen", sagt Fenn. Zertifizierte Geststätten erhalten eine Plakette, mit der sie am Eingang für sich werben können. "Da wissen die Eltern gleich, dass sie mit Kind nicht abgespeist werden", nennt KJR-Chef Stürmer als Vorteil.


Kunden der Zukunft

Tanja Virnekäs führt mit ihrem Mann Rainer seit 26 Jahren die Bärenburg in Haard. Der Landgasthof wird jedes Wochenende für Familienfeiern gebucht und ist auch unter der Woche im Tagesgeschäft gut von Familien besucht. Das KJR-Angebot findet sie gut, weil es Familien einen Überblick gibt. Dass Kinder sich in der Bärenburg wohl fühlen sollen, ist für die vierfache Mutter eine Selbstverständlichkeit. Aber auch wirtschaftliches Kalkül. "Das ist dasselbe wie bei Mc Donalds. Dort wo die Kinder hinwollen, müssen die Erwachsenen hingehen. So zieht man sich seine Kunden für später", sagt sie.


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