Bad Kissingen
Kultur

Kissinger Winterzauber wird 20 Jahre alt

Der Kissinger Winterzauber hat sich im Laufe seines Bestehens stark verändert. Aber der Erfolg gibt den Veranstaltern recht.
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Das Vokalquintett "Viva Voce" eröffnet den Kissinger Winterzauber 2018/19. Unser Foto zeigt die A-capella Band bei einem Auftritt in St. Moritz. Archivfoto: Jochen Berger
Das Vokalquintett "Viva Voce" eröffnet den Kissinger Winterzauber 2018/19. Unser Foto zeigt die A-capella Band bei einem Auftritt in St. Moritz. Archivfoto: Jochen Berger
Am Flyer zum Kissinger Winterzauber 20168/19 kann man mal wieder sehen, wie schnell die Zeit vergeht. Denn unter dem vertrauten Slogan "Das Festival zur 4. Jahreszeit" steht überraschend: "20 Jahre Winterzauber". Ist das schon so lange her?

Man muss ja nur zurückrechnen. Im Herbst 1998 lud Oberbürgermeister Christian Zoll die Kulturschaffenden der Stadt zu einem ersten Gespräch. Es ging um die Frage: Wie lässt sich das Kulturangebot der Stadt auch im Winter auf hohem Niveau für Besucher attraktiv machen.

Der Ruf des Oberbürgermeisters verhallte nicht ungehört. Eines Abends saßen sie alle um einen Tisch und sammelten Ideen: Die Kissinger-Sommer-Intendantin Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger, die Vertreter der Stadt und der Kurverwaltung, des Kissinger Kunst- und Kulturkreises und des Heimatvereins Botenlauben, die beiden Kantoren und einige mehr. Das Ergebnis war der "Kissinger Winterzauber".

Kari Kahl-Wolfsjäger wurde zur Künstlerischen Leiterin ernannt. Den Auftrag, ein etwa sechswöchiges Festival rund um Weihnachten und Silvester in der Praxis zu organisieren, bekam Thomas Lutz. Der war damals noch bei der Kurverwaltung.

Im nächsten Jahr änderte sich die Situation. Die "Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen GmbH" wurde gegründet, und damit auch ein gemeinsames Kulturbüro von Stadt und Staatsbad. Andreas Dobmeier wurde der neue "Diener zweier Herren" und übernahm die Organisation. Die Auswahl der Veranstaltungen war genau aufgeteilt: Kari Kahl-Wolfsjäger für die Klassik, Andreas Dobmeier für die "leichte Muse.

Für Dobmeier, der 2005 als Kulturamtsleiter nach Villingen-Schwenningen ging, wurde Jutta Dieing Leiterin der Veranstaltungsabteilung der Staatsbad GmbH. Sie organisierte sieben Jahre das Festival und setzte eigene Schwerpunkte in Richtung Barock- und Alte Musik und Ballett. Als ihr Kurdirektor Gunter Sauer im Mai 2012 die Kündigung auf den Schreibtisch legte, wurde Bruno Heynen Leiter der Abteilung und damit Verantwortlicher für den Winterzauber - er hatte schon zu Dobmeiers Zeiten in der Organisation gearbeitet.

Natürlich hat sich in den 20 Jahren einiges am Winterzauber geändert. Denn mit Winterfestivals gibt es in Deutschland kaum Erfahrungen, weil es fast keine gibt. So stellte sich schnell heraus, dass die Dauer viel zu lange angesetzt war: Vor Weihnachten mussten zu allererst Plätzchen gebacken werden, und nach dem 6. Januar hatte der Alltag die Menschen wieder im Griff, waren die meisten Gäste abgereist. Das Festival hat sich mittlerweile auf drei Wochen und 16 Veranstaltungen (2018/19) reduziert.

Stark zurückgefahren wurde auch der Bereich "Klassische Musik" - nicht so sehr aus finanziellen, sondern aus programmatischen Gründen: "Es ist immer gefordert worden, dass sich der Winterzauber möglichst deutlich vom Kissinger Sommer unterschieden soll", sagt Bruno Heynen. Deshalb ist er in den letzten Jahren immer mehr auf Crossover, Pop oder außergewöhnliche Musikkonzepte gegangen, womit er nicht zuletzt auch zunehmend jüngere Besuchergruppen erreicht. Die Platzauslastung beim letzten Mal bestätigt ihn da: 75 Prozent (oder 9000 verkaufte Karten) sind für ein Winterfestival ein gutes Ergebnis.

Eine Hoffnung hat sich allerdings nicht erfüllt: Die Leute von auswärts fahren nicht extra wegen des Winterzaubers nach Bad Kissingen, um die Hotelbetten zu füllen, wie Heynen bestätigt: "Die Hotels sind in dieser Zeit ohnehin voll. Wer da ist, geht halt auch in die Konzerte."

Wobei er allerdings eines bedauert: "Die Verpflichtung von richtig großen Stars ist mit unserem Etat leider nicht mehr möglich." Er muss mehr denn je auf die Kosten achten und den Spagat schaffen zwischen Sparsamkeit und Attraktivität. "Das Programm muss halt abwechslungsreich sein."

Was stark zurückgegangen ist, sind die "Packages" der Hotels: Übernachtungsangebote im Verbund mit Karten. Das sei den Anbietern zu umständlich. Aber es ist verschmerzbar: "Es lässt sich der Trend beobachten, dass sich die Gäste vermehrt im Vorfeld ihres Aufenthalts über das Veranstaltungsprogramm des Kissinger Winterzaubers informieren und immer früher Karten bestellen. Bereits jetzt haben wir zahlreiche Reservierungen für den kommenden Kissinger Winterzauber, insbesondere für das Eröffnungs-, das Neujahrs- und das Abschlusskonzert", sagt Ines Hartmann von der Presseabteilung der Staatsbad GmbH.

Das sind drei Veranstaltungen, die zeigen, dass sich beim Winterzauber nicht immer alles ändert, sondern dass sich programmatische Traditionen gebildet haben. Zu festen Größen geworden sind auch die Eröffnung durch das Jugendmusikkorps, die Reihe der "Matinee classique" mit jungen Leuten, ein klassisches Ballett-Gastspiel, die Weihnachtsmatinee des Kurorchesters oder das Festliche Konzert für Trompete und Orgel in der Herz-Jesu- Stadtpfarrkirche - interessanterweise alles Veranstaltung, die eher in Richtung Klassik zielen, die eben doch langlebiger ist. Allerdings macht es natürlich auch Sinn, in der "nichtklassischen Szene" auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.
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