Bad Kissingen
Auftritt

Kissinger Sängervereinigung begrüßt den Mai

Die Kissinger Sängervereinigung begrüßt den Wonnemonat in der Wandelhalle mit anspruchsvoller Chorliteratur, manch vertrauter Weise und einem unterhaltsamen Zauberer.
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Hermann Freibott dirigiert den Chor der Kissinger Sängervereinigung in der Wandelhalle. Werner Vogel
Hermann Freibott dirigiert den Chor der Kissinger Sängervereinigung in der Wandelhalle. Werner Vogel
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Der Kissinger Traditionschor singt sich schon mal warm für sein Jubiläumsjahr 2020. Gerade erst mit "Stabat mater" ein überzeugendes Kirchenkonzert in der Jakobuskirche, im Juli präsentiert sich eine "Heitere Sängervereinigung" im Rossini Saal und bevor man im Herbst mit Haydns "Jahreszeiten" ein herausforderndes Großprojekt angeht, wird der Frühling beschwingt in der Wandelhalle begrüßt. Immer ein besonderes Motto, immer bestens vorbereitet. Singen, routiniert auf die leichte Schulter nehmen, wenn im nächsten Jahr 175 Jahre Sängervereinigung gefeiert wird, ist die Sache des Vorsitzenden Wolfgang Russ nicht und Dirigent Hermann Freibott ist Garant für intensives Proben, für akribisches Feilen an Klang, Intonation und Ausdruck.

Einfühlsam begleitet Thomas Betzer am Flügel die Sängerinnen - farbige Blüten am kleinen Schwarzen - und Sänger. Christine Weiß verbindet die Liedsequenzen mit charmanter Moderation. Denn nur wenn alles zusammenwirkt, lächelt der Frühling, weht der "Holde Lenz" aus Haydns Jahreszeiten durch die Weite der Wandelhalle, öffnet sich die "Primel" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, klingt Heiteres auch beschwingt.

Weil aber der Romantiker in der "Frühlingsfeier" warnt: "...verlocket nicht zu früh", auch der Mai hält Schnee auf Blüten bereit, ändert sich kurz die Klangfarbe des Chors. Ein erster Nachweis für überzeugende Interpretation, wenn der Frühling mit allen seinen Facetten erlebbar ist. Dann gehört die Bühne - dem Motto des Abends geschuldet - dem Zauberer und Illusionisten Joachim Bell, der mit Geldschein, Seil und Karten Publikum und Marion Kröner als Assistentin aus dem Publikum, verblüfft.

Der Hauptteil des Programms vereint mit Daniel Frederici, Johannes Brahms und Friedrich Silcher, wahre Größen des Genres. Dazu verlassen Sängerinnen und Sänger die Bühne, um dem Publikum ganz nahe zu sein. Keine Scheu, dass sich der Klang in den Höhen des Jugendstiltempels verflüchtigt, singt der Chor Fredericis "Wir lieben sehr im Herzen, drei schöne Dinge fein". Die Vokalmusik von hoher Qualität aus dem frühen 17. Jahrhundert, formuliert der Chor zu anmutig, lieblicher Melodienseligkeit.

Auch Johannes Brahms hat sich lebenslang mit dem Volkslied beschäftigt. Die Texte lässt er - entgegen seiner sonstigen Strenge - durch eingängige Melodien geradezu aufblühen. Seinem Verleger beschreibt er die Sammlung seiner Chorsätze: "Mit so viel Verliebtheit habe ich noch nie etwas zusammengeschrieben". "Erlaube mir feins Mädchen" ist eine dieser Kostbarkeiten.

Einen entspannt milden Musiker Brahms hat Dirigent Hermann Freibott da dem Publikum präsentiert, ist dem Mädchen erst verträumt, dann doch forschen Schrittes in den Garten gefolgt, konnte sich dabei ganz auf die überzeugende Gestaltungskraft seines Chores verlassen.

Mehr noch als Brahms gilt Friedrich Silcher als der Liederkomponist schlechthin. Bei "In vino veritas" übersetzt er das lateinische Wort von der Wahrheit, die im Wein liegt: "Ein wahres Wort, ihr Brüder, setzt Euch zum Becher nieder und schwört der Lüge Hass". Heute so aktuell wie selten, reißt die vorwärtstreibende Melodie das Publikum geradezu mit.

Von Paul Warmuth stammt ein nettes Trinkliedchen "So e Schöpple Frankewei, des schmeckt frei guat". Wer hätte gedacht, dass sich diese Liebeserklärung an fränkischen Dialekt und den Hammelburger Wein neben so großen Komponisten behaupten kann. Allemal, wenn sie so frisch daherkommt wie ein junger Silvaner.

Großes Kompliment an Satz, Dirigat und Chor. Das "ganz kleine Reh, am ganz kleinen Baum", einer der Klassiker unter Ringelnatz verquer-heiteren Gedichten zu vertonen, dazu gehört Mut. Weil dem Sprechgesang - akzentuiert und textverständlich - die Pointe "...und da war es aus Gips" so punktgenau folgt, gelingt dem Chor nochmal ein ganz heiterer und viel bejubelter Farbtupfer. Weiter so, kann man der Sängervereinigung da zurufen.

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