Bad Kissingen
Innenstadt

Kissinger Geschäftswelt: Abstraktes für den Kleiderschrank

Markus Renninger hat einen Onlineshop mit selbstgestalteten Shirts gegründet. In der Innenstadt dagegen drohen Leerstände über die Wintermonate.
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Markus Renninger entwirft die  Motive für seinen Online-Shop hauptsächlich am  PC. Benedikt Borst
Markus Renninger entwirft die Motive für seinen Online-Shop hauptsächlich am PC. Benedikt Borst
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Markus Renninger ist leger gekleidet. Dunkle Jeans, Turnschuhe, Kapuzenpulli. Das Motiv auf dem Pulli zeigt das Gesicht einer Frau, das ein drei Teile geteilt ist. Der mittlere Teil mit der Augenpartie ist nach rechts geschoben - und gibt so den Blick für den Betrachter frei auf das, was sich im Kopf abspielen könnte. Das besondere an dem Motiv: Renninger hat es selbst gestaltet. "Ich habe immer viel gezeichnet, aber das nie vertieft. Irgendwann habe ich dann angefangen, am PC Sachen zu entwerfen", sagt der 31-Jährige.

Der Winkelser ist eigentlich gelernter Bürokaufmann. Seine Ausbildung machte er bei den Stadtwerken, aktuell arbeitet er in der Verwaltung für ein Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt. Zuletzt hat er nebenher eine Grafikausbildung oben drauf gesattelt. Seinem kaufmännischen Beruf geht er in Teilzeit nach. Den Rest seiner Zeit investiert er in sein Startup-Unternehmen "Surreal Shirts". Dabei handelt es sich um einen Online-Shop, in dem er selbstdesignte Pullover, T-Shirts, Poster, Taschen und Turnbeutel verkauft.

Zum Jahresbeginn ist Renninger mit seinem Shop gestartet. Seitdem hat er rund 50 Motive entworfen, aus denen die Kunden auswählen können. Klassische Bildmotive wie etwa Landschaften gibt es nicht. "In vielen Motiven geht es um die Gedanken der Menschen, was in ihnen vorgeht, wie sich diese Ausdrücken und welche Stimmung und Gefühl diese hervorrufen", erklärt der Jungunternehmer. Die Gedanken und Gefühle versuche er grafisch darzustellen. Dazu arbeitet er mit abstrakten Bildern. "Daher auch der Name Surreal-Shirts", sagt er. Es gibt aber auch Motive mit einem lokalen Bezug, etwa zum Kissinger Rosengarten, dem Dampferle oder zur Rhön und zum Kreuzberg. Hier verwurzelt zu sein, ist Renninger wichtig. Seit seiner Kindheit spielt er beim TV Jahn Winkels Fußball, aktuell engagiert er sich im Vorstand.

Im stationären Einzelhandel finden sich seine Produkte noch nicht. Bestellt ein Kunde ein Shirt, kümmert sich eine Partnerfirma in Köln um Produktion und Versand. "Im Moment habe ich mit der Herstellung noch so wenig wie möglich zu tun, um Zeit für das Grafische frei zu haben", erklärt er. Wichtig sei, dass der Shop erst einmal ohne große Investitionen in Vertrieb, Lager und Produktion anlaufe. Bei guter Geschäftsentwicklung sei aber geplant, die Produkte in der Region produzieren zu lassen und auch in den Einzelhandel zu bringen.

Schließungen in der Innenstadt

Von der Winkelser Aufbruchsstimmung ist derzeit in der Innenstadt eher wenig zu spüren. Das Kinderbekleidungsgeschäft Cosimo in der Spargasse schließt zum Jahresende, aktuell läuft der Ausverkauf. Es werde noch ein Nachfolger für die Geschäftsräume gesucht, heißt es von der Inhaberin. Einen weiteren Räumungsverkauf gibt es im Benetton Bekleidungsgeschäft in der Ludwigstraße. Voraussichtlich bis Februar 2020 hat der Laden noch geöffnet, teilt die Filialleitung mit. Des Weiteren schließt, wie bereits berichtet, das Modehaus Grom in der Unteren Marktstraße voraussichtlich bis Jahresende. Bereits seit einigen Wochen geschlossen hat außerdem der Feinkostladen am Marktplatz, der sich dort nicht lange halten konnte.

"Wir kriegen in der Innenstadt leider ein paar Leerstände", bedauert Pro Bad Kissingen Geschäftsführer Klaus Bollwein die Entwicklung. Viel Bewegung erwartet er den Winter über nicht, hofft aber, dass sich die Läden bis zum Beginn der Saison im April wieder mit Leben füllen. "Das meiste sind gute Lagen. Da wird kein langfristiger Leerstand entstehen", sagt er optimistisch. Für die Innenstadt sei insbesondere wichtig, dass sich zügig eine Nachnutzung für das großflächige Modehaus Grom findet.

Inhaber Heiko Grom erklärt dazu auf Nachfrage, dass in Sachen Nachnutzung noch keine Entscheidung gefallen ist. Es laufen Gespräche mit Interessenten. Die von der Schließung des Traditionshauses betroffenen Mitarbeiter hätten in der Zwischenzeit zu einem Großteil eine neue Beschäftigung gefunden.

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