Bad Kissingen
Naherholung

Kissinger Duftwald braucht Rundumkur

Wucherndes Unkraut, umgestürzte Bäume, verwilderte Gehwege: Das Areal am Seehof macht einen vernachlässigten Eindruck. Das stört vor allem die Anwohner.
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Irmgard Holtkötter am EIngang in den Bad Kissinger Duftwald. Benedikt Borst
Irmgard Holtkötter am EIngang in den Bad Kissinger Duftwald. Benedikt Borst
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rmgard Holtk ötter kennt sich im Duftwald bestens aus. Sie liebt es, wenn es in dem einen Hektar großen Areal blüht und die Bienen summen. Sie genießt den Geruch der Fliederbüsche und der Jasminsträucher, den der Ölweide, der Berberitze oder den des japanischen Lebkuchenbaums. "Es ist ein Kleinod der Natur", schwärmt sie. Holtkötter wohnt im Seehof am Ortsrand von Garitz. Dort verbringt sie mit anderen Missionsschwestern aus ganz Deutschland ihren Ruhestand. Der Duftwald liegt an dem früheren Sanatorium. Die Bewohnerinnen nutzen ihn gern für Spaziergänge. Eigentlich.

"Leider ist aus dem so schön angelegten Duftwald schon lange eine Wildnis geworden", klagt die Schwester. Überall sprießt das Unkraut, Wildschweinspuren ziehen sich über das Areal. Die Schilder des Lehrpfades, die dem Besucher zeigen, vor welcher Pflanze er gerade steht, sind größtenteils verschwunden. Bäume sind umgestürzt. Äste und Zweige wuchern über die Gehwege, so dass die stellenweise gar nicht oder nur noch schwer passierbar sind. Holtkötter ärgert sich, dass die staatliche Forstverwaltung in Bad Brückenau den Duftwald so vernachlässigt. "Weil es doch eigentlich so schön ist", sagt sie. Das staatliche Forstamt Bad Kissingen hat den Park 2001 zum 1200-jährigen Jubiläum der Stadt Bad Kissingen angelegt. Laut einem Pressebericht handelt es sich dabei um den einzigen Duftwald Deutschlands. Seit der Auflösung des Forstamtes 2005 sind die Staatsforsten in Bad Brückenau für das Waldgebiet zuständig.

Generalsanierung angedacht

Nachfrage bei Wolfram Zeller, Leiter des Forstbetriebs. Der weiß, dass das Areal schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. "Wir haben den Duftwald in der letzten Zeit nicht so intensiv pflegen können", räumt er ein. Das habe mehrere Gründe. Zum Beispiel hat es bei den zuständigen Revierförstern in den vergangenen Jahren mehrere Wechsel gegeben. Außerdem ist es sehr aufwendig, den Duftwald zu pflegen. Dafür fehlt den Staatsforsten im Moment Personal und Zeit, weil es aktuell in den Wäldern andere, schwerwiegendere Probleme zu bekämpfen gilt. "Im Moment wird alles überlagert durch die Trockenheit und den Borkenkäfer", erklärt Zeller und verspricht: "Wir gehen den Duftwald an, sobald wir Luft haben." Dem Chefförster ist klar, dass es mit einer einzigen Schnitt- und Aufräumaktion nicht getan ist. "Der Duftwald ist in die Jahre gekommen. Dort brauchen wir eine Generalsanierung", sagt er.

Er hofft, dafür Fördergelder vom Forstministerium zu bekommen. Solche Zuschüsse sind möglich, wenn Waldprojekte besondere Dienstleistungen für das Gemeinwohl erfüllen. Auch wenn der Duftwald in den vergangenen 18 Jahren nicht übermäßig in der Öffentlichkeit bekannt war, wollen die Staatsforsten grundsätzlich an der Idee festhalten. "So einen Duftwald hat nicht jeder", sagt Zeller. Man müsse sich nur überlegen, wie der Bereich künftig aussehen soll. Welche Büsche und Bäume bleiben stehen, was wird auf Stock gesetzt, damit es neu austreibt, was kommt weg.

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