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Bad Kissingen
Theaterring

Kindheit "in der Anstalt"

Das Theater Altona aus Hamburg gastiert mit der Bühnenfassung von Joachim Meyerhoffs Erinnerungen: "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war", ein Stück deutschen Familienalltags in ungewöhnlicher Umgebung.
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Der berühmte Vater doziert seiner nicht wirklich begeisterten Familie: Das Theater Altona gastiert beim Theaterring mit der Bühnenfassung von Joachim Meyerhoffs Erinnerungen an seine Kindheit "in der Anstalt", "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war". G2 Baraniak
Der berühmte Vater doziert seiner nicht wirklich begeisterten Familie: Das Theater Altona gastiert beim Theaterring mit der Bühnenfassung von Joachim Meyerhoffs Erinnerungen an seine Kindheit "in der Anstalt", "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war". G2 Baraniak

Nach dem begeistert gefeierten Ballettabend "Dracula" geht es im 35. Theaterring der Stadt Bad Kissingen am Montag, 2. März, um 19.30 Uhr weiter mit einer deutschen Familiengeschichte der ganz anderen Art.

Der damals schon bundesweit gefeierte Schauspieler Joachim Meyerhoff hatte während seiner Zeit am Wiener Burgtheater eine Vortragsreihe begonnen, die blitzschnell vom Insidertipp zum Sensationserfolg wurde: Er erzählte in einer Art Lebenserinnerungsprojekt die Geschichte seiner Familie. Und er traf einen Ton, der mit umwerfendem Humor seine Zuhörer begeisterte, aber eigentlich für ihn selbst auch Trauerarbeit darstellte, wie der Titel der Vortrags- und der daraus entstandenen Buchreihe verrät: "Alle Toten fliegen hoch".

Einige Familienmitglieder hatte er verloren, er setzte ihnen ein Denkmal in seinen ebenso einfühlsamen wie äußerst witzigen Darstellungen, erzählte liebevoll, aber auch mit boshaftem Spott vom übermächtigen Vater und der den Alltag zusammenhaltenden Mutter, den berühmten Großeltern und den Brüdern, die ihm als Jüngstem natürlich gehörig zusetzten. Auch die Buchausgaben der einzelnen Vorträge wurden von 2011 bis 2017 zu Bestsellern.

"Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" handelt von der Kindheit und Jugend des zehnjährigen Josse an einem ungewöhnlichen Ort. Da Meyerhoffs Vater der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hesterberg in Schleswig war, wuchsen er und seine beiden Brüder an einem äußerst ungewöhnlichen Ort, auf dem Gelände dieser Anstalt auf. Der Vater war eine überragende Kapazität, die Familie lebte inmitten der Kranken ohne Vorurteile und fühlte sich rundum wohl dabei.

Meyerhoffs nur zum Teil autobiografischer Bericht über diese Zeit wurde durch seine umwerfend komischen Darstellungen nicht nur zu einem Buchhit, sondern durch die Bearbeitung des Regisseurs Christof Küster auch zu einer gefeierten Aufführung am Theater in Hamburg Altona.

Zum Kissinger Theaterring kommt die Uraufführungsinszenierung Küsters vom September 2017, die das Hamburger Abendblatt feierte: "Das bis in die Nebenrollen hervorragend besetzte Ensemble begeistert das Publikum mit Spiel- und Fabulierlust, ohne seine sensiblen Figuren zu verraten." Das Theaterringpublikum kann sich also auf ein spannendes Stück deutschen Familienalltags mit all seinen Höhen und Tiefen freuen, das die Genese eines berühmten Schauspielers in einer ungewöhnlichen Umgebung zeigt.

Karten gibt es in der Tourist-Information Arkadenbau direkt am Kurgarten: Montag bis Freitag von 8.30 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 14 Uhr, über kissingen-ticket@badkissingen.de oder an der Abendkasse im Kurtheater