Bildung

Kinder begleiten Hausens Feldgeschworene

Woher die Siebener ihren Namen haben und was es mit dem Stauchen auf sich hat - das alles lernten Grundschüler bei einem Grenzgang.
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Rageb aus Syrien ließ sich spontan als Erster auf den Grenzstein stauchen. Sigismund von Dobschütz
Rageb aus Syrien ließ sich spontan als Erster auf den Grenzstein stauchen. Sigismund von Dobschütz
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Für die Kinder war das mega-spannend: Die Mädchen und Jungs der Klasse 3b aus der Sinnberg-Grundschule durften die Hausener Feldgeschworenen bei ihrem Grenzgang begleiten. Mit dabei war ihre Lehrerin Andrea Foth. Obmann Otto Funck erläuterte nicht nur die Aufgaben seiner Gruppe, sondern erzählte auch Wissenswertes zu historisch interessanten Punkten entlang des Weges.

Schon im 13. Jahrhundert hatten fränkische Gerichte erkannt, dass in den Dörfern fachkundige Ansprechpartner gebraucht wurden, die sich mit den örtlichen Gegebenheiten auskannten und somit die Grenzbeaufsichtigung gewährleisten konnten. Da in früheren Jahrhunderten in jeder Ortschaft eine Gruppe von mindestens sieben Personen zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen vorgeschrieben war, ist in Franken der Begriff "Siebener" geblieben. Heute fordert das staatliche Vermessungsamt allerdings nur eine Mindestzahl von vier Personen.

Je nach Notwendigkeit müssen die ehrenamtlich tätigen Feldgeschworenen als "Hüter der Grenzen" in unregelmäßigen Zeitabständen den Grenzverlauf ihrer heimischen Gemarkung abgehen, den korrekten Stand der Grenzpunkte kontrollieren, Markierungen wieder auffrischen oder im Notfall sogar neue Grenzsteine setzen.

Die Gemarkungsgrenze um Hausen hat eine Länge von etwa 15 Kilometern und wird üblicherweise in vier Teilabschnitten abgegangen. Heuer hatten die Siebener schon eine Woche zuvor den ersten Grenzabschnitt vom Sinnberg hinunter bis zur Villa Emmy an der Salinenstraße kontrolliert. Nun ging es im Beisein der Grundschüler auf dem zweiten Abschnitt weiter: Vom Grenzstein unterhalb der Villa entlang der Saale, in deren Flussmitte die Gemarkungsgrenze bis zum Salinensteg führt, dort aber rechtwinklig zum früheren Restaurant Salinenblick abgeht.

"Der alte Minigolfplatz gehört noch nach Bad Kissingen", war vom Feldgeschworenen Peter Seuberling zu erfahren. Weiter führt der Grenzverlauf entlang der Straße In der Au bis zum Sportplatz Hausen, wobei das Altenburger Haus außerhalb der Hausener Gemarkung liegt. Im Sportheim wurden die jungen Nachwuchs-Feldgeschworenen von der Jagdgenossenschaft zu einem Imbiss eingeladen.

Gleich am ersten Grenzstein erklärte Obmann Otto Funck den Drittklässlern, die sich im Heimat- und Sachkundeunterricht immer mal wieder mit Bad Kissingen und seinen Ortsteilen befassen, warum die Arbeit der Feldgeschworenen so wichtig ist. Wenn zum Beispiel bei einer Tiefbaumaßnahme ein Grenzstein herausgenommen werden muss, "dann vermessen wir vorher dessen Standort, damit wir nach Abschluss der Baumaßnahme genau wissen, wohin der Grenzstein wieder gesetzt werden muss."

Spannend wurde es, als Otto Funck den Jungs und Mädchen erzählte, die Feldgeschworenen hätten seit Jahrhunderten ein Geheimnis, dass sie niemandem verraten dürfen, "nicht einmal meiner Frau oder meinen Kindern". So war es natürlich etwas enttäuschend, dass otto Funck auch diesmal verschwieg, was es denn nun mit diesem alten Geheimnis auf sich hat.

Lustig wurde es dann aber, als sich ein paar Freiwillige nacheinander von den Feldgeschworenen packen ließen und mehrmals auf den Grenzstein aufgesetzt wurden. "Das nennen wir Stauchen und machen es mit jedem neuen Feldgeschworenen so, damit er sich diesen Grenzstein auch wirklich merkt", erklärte Obmann Funck den staunenden Kindern.
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