Oerlenbach

Keine neuen Anlagen im Eltingshäuser Wald: Votum verwirbelt Projekt

Die Oerlenbacher wollen keine Windkraftanlagen im Eltingshäuser Wald. Sie haben abgestimmt und die Pläne ihrer Gemeinde über Bord geschmissen. Wie geht es jetzt weiter?
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Ganz so viele Windenergieanlagen wie hier im Windenergiepark Odervorland sollten es im Eltingshäuser Wald nicht werden. Zusätzlich zu den drei bestehenden Anlagen in Rottershausen wollte die Gemeinde zwei weitere im Gemeindewald bauen lassen. Die Bürger stimmten jetzt gegen diesen Plan. Foto: Patrick Pleul, dpa
Ganz so viele Windenergieanlagen wie hier im Windenergiepark Odervorland sollten es im Eltingshäuser Wald nicht werden. Zusätzlich zu den drei bestehenden Anlagen in Rottershausen wollte die Gemeinde zwei weitere im Gemeindewald bauen lassen. Die Bürger stimmten jetzt gegen diesen Plan. Foto: Patrick Pleul, dpa

Die Bürger der Gemeinde Oerlenbach haben entschieden: keine Windkraftanlagen im Gemeindewald Eltingshausen. Beim Bürgerentscheid des Bürgerbegehrens "Wald vor Wind" stimmten zwei Drittel aller Wähler dafür, dass die Gemeinde ihre Pläne über den Haufen wirft. Die wollte ein Waldstück verpachten, um zwei weitere Windkraftanlagen bauen zu lassen. Die Bürgerinitiative feiert jetzt ihren Erfolg.

Als sie ihre Info-Zettel unters Volk brachten und von Tür zu Tür gingen, spürten sie den Rückhalt bereits, meint Edwin Renninger, Sprecher der Bürgerinitiative "Wald vor Wind". Überhaupt nur wegen des vermehrten Widerstands habe die Gruppe zusammengefunden und im Frühjahr die Initiative "Wald vor Wind" gegründet. Vor allem in Eltingshausen, wo jetzt das Ergebnis deutlich gegen die geplanten Anlagen ausfiel, kam den Frauen und Männern viel Zuspruch entgegen. Dass auch die anderen Ortsteile so viel Unterstützung lieferten, hatten sie nicht erwartet, meint Edwin Renninger. "Ich war überrascht - mit so viel Zuspruch hatten wir nicht gerechnet."

Auf einer Fläche von 1,8 Hektar sollten die beiden Windkraftanlagen gebaut werden - so der Plan. Sechs Jahre ist es her, dass die Gemeinde Oerlenbach Verträge mit dem Unternehmen "Energieallianz Bayern" unterschrieben hat. Die wollte insgesamt sechs Windkraftanlagen in der Gemeinde bauen und betreiben. Seit 2016 laufen drei Anlagen auf der Gemarkung Rottershausen. Im nächsten Bauabschnitt sollten jetzt zwei weitere folgen - "mitten im Herzen des Walds", so die Kritik der Gegner. Die befürchteten, dass das "letzte Naherholungsgebiet vor der Haustür" geopfert werden würde. Sie sammelten Unterschriften, installierten Schilder und Plakate. Für viele, die die Stimmung in der Gemeinde beobachteten, war das Ergebnis noch vor der Abstimmung absehbar. "Viele hatten die Befürchtung, dass vieles kaputt geht", sagt Reinhard Landgraf (Überörtliche, Rottershausen). Der Gemeinderat war stets "in einer verfluchten Zwickmühle".

Landgraf hat dieses Waldstück selbst fast drei Jahrzehnte lang betreut. Beim Windkraft-Projekt half er von Beginn an mit, die Eingriffe im Forst "so minimal wie möglich" zu planen. Auch wenn er immer noch auf ein wachsendes Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit setzt, mit dem Abstimmungsergebnis habe die "Wald-Seite" in ihm gewonnen. "Hier zeigt sich die Demokratie", sagt Gemeinderat Walter Vierheilig (BBO). "Der Bürger entscheidet.Wir sind an das Votum gebunden."

Zukunft für Windkraft?

Die Projekt-Gegner betonten immer wieder, dass sie keine Windkraft-Gegner per se seien. "Uns ging es nur um die Stelle", sagt Edwin Renninger. Nach der Abstimmung am Wochenende ist diese jetzt Geschichte. Das Aus für noch mehr Wind-Energie in Oerlenbach?

Parallel zum Bürgerbegehren formulierte die Gemeinde ein Ratsbegehren "pro Windkraft" für die Abstimmung. Bürgermeister Franz Kuhn zeigte sich nach der Wahl erfreut über die hohe Teilnahme (47 Prozent): "Schön, dass sich so viele beteiligt haben. Wenn also die Mehrheit sich gegen weitere Windkraft entschieden hat, dann muss man das akzeptieren - und wir akzeptieren das auch." Ulrich Geis, Geschäftsführer der Energieallianz Bayern, gibt sich dem Ergebnis genauso hin. Er will die Gemeinde Oerlenbach trotz des Abstimmungsausgangs aber nicht abschreiben. Der Kontakt bleibe in jedem Fall bestehen: Schließlich werden die drei Windräder, die sich seit 2016 im Ortsteil Rottershausen drehen, von dem oberbayerischen Unternehmen betrieben.

Auch für die beiden geplanten Anlagen wollte die Firma den Grund der Gemeinde pachten. "Wir bedauern die Entscheidung sehr. Aber wir respektieren und akzeptieren den Bürgerwillen", sagt Ulrich Geis. Mit Widerstand sei er während seiner Arbeit immer wieder konfrontiert: Akzeptanz-Probleme gebe es oft. Doch was kommt jetzt?

"Die Energiewende geht weiter, gegenwärtig aber nicht im Eltingshäuser Wald." Aufwendige Analysen und Untersuchungen potenzieller Flächen hatten den Fokus auf das Eltingshäuser Waldgebiet gelenkt. Ob sich anderswo doch noch ein Bereich für ein weiteres Windenergie-Projekt eignet? Ulrich Geis will dranbleiben. "Viele Bürger sagten, dass sie nicht gegen die Windkraft sind - nur nicht hier." Gespräche mit der Gemeinde und dem Bürgermeister sollen jetzt klären, wie die Zusammenarbeit weitergehen kann. Und es gibt noch mehr zu klären.

Mit Einnahmen aus einer Pacht (85 000 pro Jahr) kann die Gemeinde ihrem Haushalt nun doch kein Plus anrechnen. Welche Kosten die Gemeinde nun stattdessen erwartet und was die Energieallianz der Gemeinde für den bisherigen Einsatz rund um die geplanten beiden weiteren Anlagen in Rechnung stellen wird, ist noch unklar.

Die Zahlen sind vorläufig. Gestern Abend traf sich der Abstimmungsausschuss zur Feststellung des Ergebnisses.

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