Bad Kissingen
Kriminalität

Kein Grund für Hysterie

Deutschlandweit hat 2012 die Zahl der Wohnungseinbrüche um neun Prozent zugenommen. Das wird Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch der Öffentlichkeit mitteilen. Wie sieht es in Bad Kissingen aus?
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Bundesweit hat 2012 die Zahl der Wohnungseinbrüche um neun Prozent zugenommen, im Raum Bad Kissingen hat sie sich halbiert.  Foto: djd/HDI Gerling(Archiv)
Bundesweit hat 2012 die Zahl der Wohnungseinbrüche um neun Prozent zugenommen, im Raum Bad Kissingen hat sie sich halbiert. Foto: djd/HDI Gerling(Archiv)
Ein Albtraum: Man kommt heim, die Balkontüre ist eingeschlagen, alles wurde durchwühlt. Unbekannte Einbrecher haben ein Chaos angerichtet, haben Geld und Wertgegenstände mitgehen lassen. So groß der materielle Schaden sein mag, noch schlimmer ist oft das Gefühl der Hilflosigkeit.

Die Bad Kissinger aber können ruhig schlafen.
Polizeichef Stefan Haschke sagt, die Zahl der Diebstähle bewege sich seit langem im Prinzip auf dem gleichen (relativ niedrigen) Niveau mit Ausreißern nach oben und unten. Bei den Wohnungseinbrüchen habe es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 18 auf neun Fälle gegeben. Diese Delikte aber beunruhigten viele, da sie das Sicherheitsgefühl beeinträchtigten.

Die Nachbarn passen mit auf

Einen Anlass zu Sorglosigkeit sieht der Erste Hauptkommissar dennoch nicht: "Es war ein Jahr, da hatten wir Glück, dass die Täter nicht in unserem Bereich zugeschlagen haben", sondern in anderen Landkreisen. Bei den schweren Diebstählen ("da ist alles dabei") gab es eine Zunahme um 19 auf 186 Delikte.

Das seien aber - anders als etwa am Untermain mit seiner Nähe zu Frankfurt - immer noch relativ wenige Straftaten. Haschke führt das auf die funktionierende soziale Kontrolle im ländlichen Bereich zurück: Fremde fallen hier leichter auf.

Auch werde die Polizei vorbeugend aktiv, wenn die Zeit der Dämmerungseinbrüche beginne. Vor allem im Winter seien nachmittags und abends vermehrt Streifen unterwegs. Außerdem kennen die Beamten ihre "Pappenheimer" ganz gut.

Die Kripo berät vor Ort

Sorgen machen Banden aus Osteuropa und vom Balkan. Haschke: "Wenn die sich einen Landkreis zum Ziel gemacht haben, wird es schwierig für uns." Dann hilft Kooperation über Inspektionsgrenzen hinweg und manchmal "Kommissar Zufall".

Haschke verwies auf wirksame Einbruchsicherungen. Als ein Beispiel nannte er Bewegungsmelder. Denn Täter scheuten das Licht. Ferner gibt es eine Beratungsstelle bei der Kripo Schweinfurt. Dort kann man sich kostenlos informieren.

Das ist die Aufgabe von Kriminalhauptkommissar Georg Vollmuth. Er kommt ins Haus, schaut sich die Immobilie genau an und sagt den Inhabern dann, wo er Schwachstellen gefunden hat: "Ich empfehle produktneutral", was wo eingebaut werden sollte und wo man das kaufen kann. Außerdem gibt es eine "Errichter"-Liste mit vom Landeskriminalamt (LKA) geprüften Fachunternehmen. Das alles ist bestimmt nicht umsonst, aber immer kostenlos.

Vollmuth rät, bei Renovierungen oder Neubauten den Sicherheitsaspekt zu beachten. Aber auch im Nachrüstbereich gebe es Möglichkeiten, ohne eine Festung aus dem Haus zu machen.

Bad Kissingen sei ein relativ ruhiger Landkreis, es gebe schlimmere Regionen sagt Armin Henz. Er ist der Inhaber des Wach- und Schließinstituts Weingärtner mit 70 Mitarbeitern an drei Standorten. Seine Firma kooperiert eng mit der Notrufzentrale, die Detlev Schmitt gehört und die rund um die Uhr besetzt ist.

Mehr Fehl- als echte Alarme

Henz erinnert sich an eine Einbruchserie vor einigen Monaten in Garitz, Reiterswiesen und Winkels, bei der es vor allem um Beschaffungskriminalität gegangen sei. Die Täter hätten gezielt Geld gestohlen und Gegenstände, die sie leicht versilbern konnten. Das habe zu mehr Anfragen nach Alarm- und Sicherheitstechnik geführt. Im Trend seien vor allem Funkanlagen: Bei Einbrüchen werde der Kunde alarmiert oder auch die Einsatzzentrale; je nach Auftrag. Echte Einsätze seien aber relativ selten. Meist handele es sich um Fehlmeldungen, sagt Henz.

Aktueller Fall Beute im Wert von mehreren 1000 Euro machten Unbekannte, die am Freitag, 10. Mai, zwischen 20.30 und 23.30 Uhr in ein Haus am Eichelberg in Kleinbrach eingedrungen sind. Sie durchsuchten beide Wohnungen gezielt nach Schmuck und Bargeld. Vermutlich hatten sie beobachtet, dass die Bewohner außer Haus waren. Die Polizei bittet um Hinweise (Telefon: 0971/ 71 490).

Auffälligkeiten Das sind zum Beispiel Autos mit auswärtigen oder ausländischen Kennzeichen, die mehrmals langsam durch Wohngebiete fahren. Genau hinsehen sollte man auch, wenn Fremde an mehreren Wohnungen oder Häusern klingeln. Wenn Fensterscheiben klirren oder wenn, im Dunkeln, abgeschirmtes Licht flackert.

Vorbereitung Mit den Nachbarn über das Thema sprechen, Rufnummern und Autokennzeichen austauschen, Hinweise über Erreichbarkeit geben.

Sichern Bewohner können ihre Anwesen vor Einbruch schützen. Das muss gar nicht teuer sein. Dafür kann man einen Beratungstermin mit Georg Vollmuth von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Schweinfurt, Mainberger Straße 14 a, ausmachen (Rufnummer: 09721/ 202 18 35). Der Fachmann kommt dann ins Haus. Informationen auch unter www.polizei-beratung.de.

Soforthilfe Bei Gefahr im Verzug die 110 wählen und nach Anweisung der Polizei vorgehen. Bei Diebstahl der Kreditkarte die Karte unverzüglich sperren lassen unter der einheitlichen Rufnummer 116 116 (im Inland gebührenfrei).

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