Bad Kissingen
Tierschutz

Katzenflut im Tierheim Wannigsmühle

Das Tierheim in der Wannigsmühle platzt aus allen Nähten. Es gibt zu viele herrenlose Katzen. Die Tierheimleiterin sieht Handlungsbedarf beim Gesetzgeber.
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Mit großen blauen Augen schaut diese kleine Katze aus ihrem Käfig. Sie und ihr schwarzer Kollege im Hintergrund werden gerade in der Krankenstation des Tierheims gesund gepflegt. Heike Beudert
Mit großen blauen Augen schaut diese kleine Katze aus ihrem Käfig. Sie und ihr schwarzer Kollege im Hintergrund werden gerade in der Krankenstation des Tierheims gesund gepflegt. Heike Beudert
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Im Quarantänezimmer des Tierheims in der Wannigsmühle säugt eine Katzenmama ihren Nachwuchs. Einen Raum weiter erholen sich einige Jungkatzen von diversen Erkrankungen. 41 Stubentiger befinden sich derzeit auf der Krankenstation. Insgesamt bevölkern 250 Fundkatzen Haus und Hof des Tierheims. Für das Team ist das kaum mehr zu bewältigen.

Putzig sind für den Außenstehenden die Jungtiere, wenn sie übermütig in der "Kinderstube" herumtollen. Natürlich ist auch Ursula Boehm immer wieder angerührt vom Anblick und Schicksal ihrer Zöglinge, doch zur Freude an der Arbeit gesellt sich immer häufiger ein anderes Gefühl: Frust.

Ständig erreichen die Tierheimleiterin Ursula Boehm Anrufe, die wegen umherstreunender Katzen die Hilfe des Tierheims suchen. Manchmal steht einfach nur ein Karton mit verwaisten Katzenbabys vor der dem Tor der Wannigsmühle. Es werden aber auch Katzen abgegeben, weil Tierhalter falsche Vorstellungen hatten. Ursula Böhm gibt der digitalen Welt die Mitschuld. Katzenvideos im Netz zeigen nur die goldige, angenehme Seite, nicht aber die Probleme: Krankheiten, Arztbesuche...Schlimm sei zudem, dass Tiere im Internet gekauft werden können, meint Ursula Boehm. "Tiere werden als Ware angenommen", stellt sie fest. Wenn sie nicht funktionieren, kommen sie weg. Sie landen im Tierheim - oder einfach auf der Straße. Von dort beginnt, wenn die Katzen nicht kastriert sind, ein Kreislauf, der für die Tierheime zum immer größeren Problem wird.

Das Haus ist voll

Seit Ursula Boehm vor 13 Jahren die Leitung des Tierheims übernommen hat, kennt sie die Problematik. Jedes Jahr im Frühherbst steigt die Zahl der Katzen im Tierheim. Doch die Situation wird von Jahr zu Jahr angespannter, hat sie festgestellt. Das Tierheim hat momentan wieder ein Maximum erreicht. Eigentlich dürfte Ursula Boehm gar keine Katzen mehr aufnehmen. Doch das bringt sie nicht übers Herz. Hinzu kommt, dass es ja die Fundtier-Verträge mit dem Landkreis bzw. den Kommunen gibt.

Ein Problem sind vor allem die verwilderten Katzen. Sie erreichen die Einrichtung verwahrlost, krank und vor allem extrem scheu. Solche Katzen sind nach ihrer Genesung schwer zu vermitteln, weil sie in einer Wohnung nicht mehr gehalten werden können.

Auf Spenden angewiesen

Ursula Boehm und ihre Mitarbeiter päppeln die kranken Tiere auf, sorgen dafür, dass sie vom Tierarzt behandelt, geimpft und - das wichtigste - kastriert werden. Die Aufwendungen sind hoch. "Ohne unsere treuen Spender könnten wir das gar nicht mehr stemmen", sagt Ursula Boehm.

Für Ursula Boehm gibt es nur eine Chance, diesen Teufelskreis langfristig zu durchbrechen: Eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen in Bayern. Gebetsmühlenartig fordert sie schon seit Jahren eine gesetzlich verbindliche Regelung. Bislang wartet sie vergeblich darauf. Sie weiß, dass die akute Situation damit nicht gelöst wird, aber für die Zukunft wäre das ein wichtiger Schritt.

Bis dahin versucht das Tierheim, obwohl gar nicht verpflichtet, nach seinen Möglichkeiten auch freilaufende Katzen zu kastrieren, die nicht ins Tierheim kommen. In der Vergangenheit waren das rund über 1000 Tiere pro Jahr. Aber auch das sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, solange der Gesetzgeber nicht handelt, meint Ursula Boehm. Und irgendwann seien die finanziellen und personellen Möglichkeiten des Tierheims auch erschöpft.

Keine Verordnung im Landkreis

Eine Anfrage beim Landratsamt ergibt, dass tatsächlich in Bayern für Kommunen die Möglichkeit besteht, eine Kastrationspflicht anzuordnen. Diese sei im Sinne des Tierschutzes auch sinnvoll, heißt es in der Stellungnahme. Allerdings gestalte sich die Umsetzung und Kontrolle schwierig. Vor allem bei freilaufenden und verwilderten Tieren stelle sich die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Offen sei auch, wer für die Kontrolle zuständig ist. Daneben sei es schwierig zu erkennen, ob ein Tier kastriert ist, denn eine Kennzeichnung ist schwer umsetzbar. Dem Landratsamt ist deshalb nicht bekannt, dass eine Kommune im Landkreis eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht in ihrer Kommunalverordnung hat.



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