Bad Kissingen
Enthüllung

Kapellenfriedhof: Denkmal für Salinen-Inspektor

Mathias von Flurl starb auf einem Besuch als Generaldirektor der bayerischen Salinen in Kissingen. Ein Denkmal erinnert jetzt an den Wissenschaftler.
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Initiator Gerhard Lehrberger (links) spricht vor den Gästen bei der Enthüllung des Flurl-Denkmals auf dem Kapellenfriedhof. Foto: Sigismund von Dobschütz
Initiator Gerhard Lehrberger (links) spricht vor den Gästen bei der Enthüllung des Flurl-Denkmals auf dem Kapellenfriedhof. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Mathias von Flurl war der Begründer der Mineralogie und Geologie in Bayern. Der Generaldirektor der bayerischen Salinen war 1823 bei einem Dienstbesuch in der Oberen Saline in Bad Kissingen gestorben und auf dem Kapellenfriedhof beigesetzt worden. Im Beisein einer 60-köpfigen Delegation aus dem niederbayerischen Straubing wurde am Samstag ein Denkmal auf dem Kapellenfriedhof enthüllt.

Mathias von Flurl wurde am 5. Februar 1756 in Straubing geboren. Schon 1777 verließ der Sohn eines Webers seine Heimatstadt, ging als Lehrer nach München, wo er seine mineralischen Studien vorantrieb und 1781 zum Professor ernannt wurde. Nach weiteren beruflichen Stationen wurde der bereits 1808 in den Ritterstand erhobene Flurl im Jahr 1820 zum Vorstand der königlichen General-Bergwerks-Salinen ernannt. Als bayerischer Salinen-Inspektor besuchte er das Staatsbad Kissingen.

Völlig unerwartet erlitt er am 27. Juli einen Brustkrampf, wie Gerhard Lehrberger aus einem damaligen Bericht zitierte. Der akademische Direktor an der Technischen Universität München hat das Bad Kissinger Flurl-Denkmals initiiert. "Wegen der großen Hitze musste er noch am selben Tag in Bad Kissingen beigesetzt werden", berichtete Lehrberger.


Wissen um Grab ging verloren

Lehrberger hat das Leben Flurls - "eines der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit" - intensiv erforscht und in mehreren Veröffentlichungen beschrieben. Ein stattlicher Obelisk, der während der preußisch-bayerischen Kämpfe am 10. Juli 1866 durch ein Geschoss beschädigt wurde, hatte zunächst Flurls Grab auf dem Kapellenfriedhof geschmückt. Zwar wurde der Stein von der Familie wiederhergestellt, doch nach 1883 ging das Wissen um Flurls Grabstätte verloren, berichtete der Initiator weiter.

Erst ab März 2016 sei es zum Kontakt zwischen Lehrberger und dem Stadtarchiv sowie zu Kurt Rieder, dem Vorsitzenden des Fördervereins Kurorchester, und Gerhard Wulz gekommen. "Ich stand im Stau auf der Autobahn und sah den Wegweiser Bad Kissingen", erinnerte sich Lehrberger. "In einer stehenden Sitzung auf dem Friedhof", erzählt er weiter, habe man sich für den jetzigen Standort entschieden. "Hier irgendwo muss auch Flurls Grab gewesen sein."

Mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung vieler Beteiligter in Straubing und Bad Kissingen gelang es, eine 4,6 Tonnen schwere und 25 Millionen Jahre alte Basaltsäule aus der Oberpfalz an ihren neuen Standort zu setzen. Auf dem gewaltigen Basaltblock zeigen zwei Bronzeplatten ein dreidimensionales Porträt des Wissenschaftlers sowie seine persönlichen Daten. Lehrberger: "Flurl hätte seine Freude an seinem Denkmal, war er doch dem Basalt sehr zugetan."


Stadt mit Eigenleistung beteiligt

Mit Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) und Straubings Kulturstadtrat Werner Schäfer (SPD) hatte er am Wochenende das Denkmal enthüllt. Schäfer dankte den Kissinger Helfern, nach einem Denkmal in Straubing nun auch eines an Flurls Grabstätte aufstellen zu können. Nicht nur diese Gemeinsamkeit verbinde Straubing mit Bad Kissingen, sondern auch andere Persönlichkeiten wie der 1809 in Straubing geborene Generalleutnant Oskar von Zoller. Als Kommandeur der bayerischen 3. Infanteriedivision in der Schlacht von 1866 am 10. Juli erlag dieser in Winkels seinen Verletzungen. "Bad Kissingen hat für Zoller ein Denkmal, wir in Straubing haben keines für ihn", bedauerte Schäfer.Trotz bereits vieler Denkmäler in Bad Kissingen sei es doch seine erste Denkmalsenthüllung, hatte Oberbürgermeister Kay Blankenburg zu Beginn der Feier die Gäste begrüßt.

Er erinnerte daran, dass Flurl nicht nur 1823 dienstlich, sondern schon in den Jahren 1818 bis 1820 dreimal als Kurgast im Staatsbad gewesen sei. "Heute wird aus eurem Flurl unser gemeinsamer", scherzte er und fügte schmunzelnd hinzu: "Wir sind erleichtert, dass wir das Denkmal nicht bezahlen müssen." Allerdings hatte auch die Stadtverwaltung mit Eigenleistung zum Aufbau des großen Basaltblocks beigetragen.

In einer amüsanten Zeitreise ließen abschließend Schüler der Straubinger Mathias-von-Flurl-Schule nicht nur den geehrten Wissenschaftler, sondern auch einige Zeitgenossen wie König Maximilian I. oder Flurls Ehefrau zu Wort kommen. Nach der Veranstaltung, die vom Jugendmusikkorps unter Leitung von Stadtmusikdirektor Bernd Hammer musikalisch begleitet wurde, erlebten die 60 Gäste eine Führung durch die Kuranlagen sowie die Obere Saline.


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