Züntersbach
Zeitgeschichte

Kanadier entdeckt seine Wurzeln in Züntersbach

Der Kanadier Eyal Grunebaum hatte nur eine Zeichnung von dem Haus seiner Vorfahren. Aber die führte ihn direkt in die Rhön. Dort hat er nach vierjähriger Suche das inzwischen renovierte Haus entdeckt - in Sinntal in der Brüder-Grimm-Straße.
Artikel drucken Artikel einbetten
Diese Zeichnung des früheren Anwesens befindet sich in Familienbesitz der Grunebaums. Bild: privat
Diese Zeichnung des früheren Anwesens befindet sich in Familienbesitz der Grunebaums. Bild: privat
Vier Jahre war der Kanadier auf der Suche nach seinen jüdischen Wurzeln. Dann stand er endlich mit seiner Frau Tamar vor dem renovierten Haus in der Brüder-Grimm-Straße.

Abstecher in die Rhön
"Meine Familie hat eine lange Vergangenheit in Züntersbach", erzählt Grunebaum. Der Mediziner unterrichtet als Dozent an der Universität von Toronto.
Eine Fachkonferenz verschlug den 50-Jährigen nach Deutschland. Grunebaum nutzte die Chance und machte einen Abstecher in die Rhön.

Schon seit Jahren stellte Grunebaum langwierige Nachforschungen an. Als er sich sicher war, dass seine Vorfahren in Züntersbach wohnten, nahm er zuerst Kontakt mit Hannelore Baier vom Café Sonnenkanzel auf. "Ich bin auf der Suche nach der Geschichte meiner Vorfahren", erzählte er ihr. Baier vermittelte ihn dann an Walter Sresch weiter.

Grüner Baum wird Grunebaum
Grunebaum schickte ihm seine Zeichnung, die ein Haus mit einem grünen Baum zeigt, per Mail. Sresch, der sich in Züntersbach sehr gut auskennt, machte sich auf die Suche nach dem Anwesen. Anhand einer alten Chronik konnte er das Haus bestimmen. Dort sind einige Häuser des Ortes verzeichnet. "Es ist ein purer Zufall, dass das Haus der Familie Grunebaum dabei war."

"Bis 1817 hatten wir gar keinen Familiennamen", berichtet Grunebaum. "Die Kinder wurden damals nach den Vornamen der Eltern genannt." Schon deshalb gestalteten sich die Nachforschungen schwierig. Er vermutet, dass aufgrund des grünen Baumes im Garten der Familie mit der Zeit der Name "Grunebaum" entstand.
Damals durfte nur der älteste Sohn der Familie das Elternhaus übernehmen. Die anderen Kinder mussten ausziehen. Das Haus blieb aber bis Anfang des 20. Jahrhunderts im Besitz der Grunebaums. Danach verließen sie Deutschland und wanderten aus. "Für mich ist es wichtig zu wissen, wie meine Vorfahren hier lebten", sagt Grunebaum.

Abraham Grunebaum, der Großonkel von Eyal, schrieb 1939 die Geschichte der Familie nieder. Diese Informationen waren Grundlage der Nachforschungen. Bisher hatte keiner der Nachfahren die Chance, die ehemalige Heimat der Familie kennen zu lernen. "Dank dieser Informationen und Walter konnten wir das Haus ausfindig machen", sagt Grunebaum.

Endlich am Ziel
"Schon vor 50 Jahren versuchte mein Großvater, das Haus zu finden. Leider vergeblich", erzählt Grunebaum. Nun vollendete er dessen angefangene Arbeit. "Ich habe in dieser Zeit sehr viele Leute bemüht. Ich bin dankbar für ihre Hilfe", sagt Grunebaum sichtlich ergriffen. Er ist glücklich, dass das Rätsel um die Familiengeschichte nun endlich gelüftet ist.

Ohne das Bild hätte Grunebaum die Heimat seiner Vorfahren nie gefunden. Deshalb ist es ihm wichtig, die Zeichner zu würdigen: Die Skizze stammt von Uri Nussbaum, der sich auf eine Zeichnung von Bianka Hess-Grunebaum stützt. Or Grunebaum kolorierte das Bild.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren