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Stralsbach
Kommunalwahl

Kamingespräch: Rhöner Politik hat Format

Frank Heckelmann (Waldfenster) und Daniel Wehner (Gefäll) bekommen die Gelegenheit, die Bürger der Marktgemeinde Burkardroth auf ihre Seite zu ziehen.
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Groß ist das Interesse am Kamingespräch der Heimatzeitung in Stralsbach. Jürgen Schmitt
Groß ist das Interesse am Kamingespräch der Heimatzeitung in Stralsbach. Jürgen Schmitt
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Kamingespräch - klingt mehr nach einem gemütlichen Austausch als knallhartem Wahlkampf. Doch das Konzept der Heimatzeitung geht auf: Wohlfühlen sollen sich Gäste und die beiden Bürgermeister-Kandidaten für den Markt Burkardroth gleichermaßen. Ein gewollt intimer Rahmen, der irgendwie auch besser in die Rhön passt als eine überkandidelte Wahlkampf-Arena. Keine grellen Scheinwerfer, sondern kleine Deckenlampen und ein im Eck bollernder Ofen. Ein Mikrofon braucht es nicht. Dass Lokalpolitik alle angeht, beweist ein Blick ins Publikum: Männer und Frauen aller Altersklassen sind ins Weiße Rössl nach Stralsbach gekommen, sehen vor sich die Protagonisten des Abends in ihren blütenweißen Hemden.

Gelassen und souverän

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es ans Eingemachte. Die Herausforderungen für Daniel Wehner und Frank Heckelmann gleichen einem sich Abarbeiten an der Quadratur des Kreises, schließlich besteht der Markt Burkardroth aus zwölf Ortsteilen. Unterschiedliche Interessenslagen zu bündeln ist Alltag für das Gemeinde-Oberhaupt. Eine Tatsache, der beide Kandidaten mit Gelassenheit und Souveränität begegnen. "Alle gleich zu behandeln ist schlichtweg nicht möglich. Dennoch haben wir ein gutes Verhältnis mit allen Ortsteilen", sagt Daniel Wehner, der als 2. Bürgermeister eine Art Titelverteidiger ist. Frank Heckelmann, der Herausforderer, sieht keinen Grund zur Widerrede, verweist auf das harmonische Miteinander in der Marktgemeinde. "Wer was gebraucht hat, hat es bekommen. Natürlich mit den nötigen Diskussionen im Vorfeld und der Setzung von Prioritäten."

Im Frageblock der Redaktion gibt es unterschiedliche Standpunkte der Gegenspieler zu Themen wie: Bürgerbus, Dorfladen und Nahversorgung, Wohnraum und Arbeitsplätze oder dem Spannungsfeld zwischen Tourismus und Naturschutz. Ausreichend Zeit bekommen die Kandidaten, um ihre Projekte, Ideen oder auch Visionen vorzustellen. Angenehm und der Sache dienlich, dass es keine Krakeeler gibt, keine Zwischenrufe oder Provokationen. Dass sich die Kandidaten auch mal ins Wort fallen und ein spontanes, kleines Streitgespräch führen, schärft zusätzlich die Sinne im Publikum, das ja am 15. März eine Entscheidung treffen muss, wer ins Rathaus in Burkardroth einzieht.

Abfrage mit Spaßfaktor

Im unterhaltsamen Teil des Abends dürfen die Kandidaten ihr historisches Wissen unter Beweis stellen - mit nicht ganz einfachen Fragen zur Geschichte der Marktgemeinde. Bei dieser launigen und informativen Fragerunde darf gelacht werden. Verzeihbar, wenn man nicht gewusst hätte, dass Rhöner Basalt zum Dammbau an der Nordsee verwendet wurde oder 30 Prozent der 6900 Hektar Fläche der Marktgemeinde bewaldet ist.

Bei den Fragen, die die Leser im Vorfeld der Veranstaltung an die Redaktion geschickt haben oder später auf Bierdeckel schreiben, gibt es relevante, zum Teil auch brandneue Informationen zu den Gewerbegebieten nahe Stralsbach sowie in Burkardroth. "Hierzu kann ich relativ wenig sagen, weil ich aktuell nicht im Gemeinderat bin", muss Frank Heckelmann gestehen, der dafür klar Stellung bezieht zum Vorwurf, es würden zu viele Themen im Gemeinderat nicht-öffentlich behandelt. Vom "mangelnden Informationsfluss", spricht der 56-Jährige, der unter seiner Ägide mehr Transparenz verspricht. Daniel Wehner hält dagegen. "Der Eichel-Ober, also der Bürgermeister, bestimmt die Form der Transparenz", sagt der 44-Jährige, der die Bürger in der Pflicht sieht, sich zu informieren. "Der Gemeinderat hat keine Geheimnisse. Und einige Themen werden halt nicht-öffentlich behandelt, wenn es dafür gute Gründe gibt", so Wehner, der sicher die meisten der Anwesenden mit der Aussage überrascht, dass ein Netto-Markt nach Burkardroth kommt und das dortige Gewerbegebiet gespiegelt, also auf der anderen Seite der Straße zum Mühlengrund erweitert wird.

Traurige Wahrheit

Auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter bewegt sich Wehner, der wie sein Gegenüber Vater von drei Kindern ist, übrigens nicht, um keine zusätzliche Angriffsfläche für Anfeindungen zu bieten. Ein trauriger Begleitumstand für Mandatsträger. "Man muss Kritik aushalten und ertragen. Aber wer mich niedermachen will, den ignoriere ich", sagt dazu Frank Heckelmann.

Beide Kandidaten für das Bürgermeisteramt zeigen sich nach der Veranstaltung angetan vom Format und dem sachlichen Verlauf. "Ich war überrascht, dass die Zeitung so etwas anbietet und fand es richtig gut. Gezielt vorbereiten kann man sich nicht, aber in einer Gemeinde kennt man die Themen wie auch die Sachzwänge. Unsere Standpunkte sind zudem relativ eng beieinander. Man kann nur versuchen, sich von seinem Kontrahenten in der Meinung etwas abzusetzen", sagt der Waldfensterer Frank Heckelmann, der als parteiloser Kandidat antritt. CSU-Mann Daniel Wehner fand den Abend "sehr aufschlussreich. Das war eine gute Diskussionsrunde, die Spaß gemacht hat. Die Bürger haben einen Eindruck bekommen, wen sie wählen können. Außerdem passt so ein Kamingespräch ja bestens zu meinem Beruf", sagt der Kaminkehrermeister aus Gefäll.

Glaube und Heimat

Eine Sichel. Ein Basaltstein aus der Rhön. Ein Rosenkranz. Und ein Glaskrug vom nahen Kloster Kreuzberg. Spontan müssen sich die Amts-Bewerber für einen Gegenstand entscheiden. Daniel Wehner greift zum Rosenkranz, weil der Glaube für ihn wichtig ist "und es mit Gott einfacher geht". Frank Heckelmann entscheidet sich für den Bierkrug, der die Rhön als Heimat und den Genuss gleichermaßen symbolisiert. Keine Sichel, kein Stein - es war ein friedlicher Abend.

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