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Bad Kissingen
Hilfsbereitschaft

Kaiserhof Victoria in Bad Kissingen unterstützt Helfer und Hilfsbedürftige

Auch im Hotel Victoria sind in Zeiten von Corona nur noch Geschäftsreisende erlaubt. Die Mitarbeiter stellen ihre frei gewordenen Kapazitäten zur Verfügung, um für Senioren einzukaufen oder Essen zu liefern.
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Allgemein gilt "#wirbleibenzuhause", doch die Mitarbeiter des Vier-Sterne-Hotels wollen helfen. Stellvertretend für das 70-köpfige Team stehen hier (von links) Sandy Berthold (Direktionsassistentin), Tanja Räth (Service), Julia Karl (Köchin), Amelie Räffle (Rezeptionsleiterin), Daniel Hofmann (Koch-Azubi) und Alexander Pavlin (Rezeption). Sigismund von Dobschütz
Allgemein gilt "#wirbleibenzuhause", doch die Mitarbeiter des Vier-Sterne-Hotels wollen helfen. Stellvertretend für das 70-köpfige Team stehen hier (von links) Sandy Berthold (Direktionsassistentin), Tanja Räth (Service), Julia Karl (Köchin), Amelie Räffle (Rezeptionsleiterin), Daniel Hofmann (Koch-Azubi) und Alexander Pavlin (Rezeption). Sigismund von Dobschütz

Mitte März wurde das allgemeine Tourismusverbot in Bayern verordnet. Ausnahmen sind nur für den Geschäftsreiseverkehr zulässig. In Bad Kissingen bietet deshalb das Grandhotel Kaiserhof Victoria solchen Reisenden weiterhin ungeschmälert seine Zimmer samt Service an. Zugleich beschlossen die 70 Mitarbeiter, in der aktuellen Krisenzeit alle Helfer und Hilfsbedürftige in der Kurstadt nach ihren Möglichkeiten kostenfrei zu unterstützen.

Gleich am Tag nach dem Erlass der Landesregierung schrieb deshalb Direktionsassistentin Sandy Berthold im Namen aller Mitarbeiter an das Rathaus, das Gesundheitsamt, das Bayerische Rote Kreuz (BRK) sowie an alle Ärzte und Apotheken der Stadt und bot "Ihnen und unseren Mitbürgern" die Unterstützung in Form hauseigener Sach- und Dienstleistungen an. "Wir sind zwar keine Ärzte und keine Mediziner, aber wir möchten unseren Teil leisten, wo wir können", begann dieser zweiseitige Brief.

So dürfen Mitarbeiter der Landesregierung und der Gesundheitsämter sowie medizinisches Personal bis auf weiteres im Hotel kostenlos übernachten. Überlastete Angestellte in ärztlichen Praxen und Apotheken können sich bei Bedarf Snacks aus der Hotelküche liefern lassen. Täglich eine warme Mahlzeit würden das Hotelteam auch gern den durch das Corona-Virus besonders Gefährdeten (Senioren, Pflegefälle) ins Haus bringen, sollte deren Selbstversorgung nicht möglich sein. Auch notwendige Besorgungen wie Lebensmitteleinkauf oder Apothekengänge wollen die Mitarbeiter des Grandhotels Kaiserhof Victoria gern kostenfrei übernehmen.

Bisher wurde von diesem großzügigen Angebot allerdings noch kein Gebrauch gemacht, berichtete Sandy Berthold auf Nachfrage dieser Zeitung. Da die Position des Hoteldirektors momentan unbesetzt ist, leitet die Direktionsassistentin zur Zeit mit Hotelberater Lars von der Wettern (Solutions HI) das Grandhotel gegenüber der Wandelhalle. Ärzte und Apotheken hätten sich für das großherzige Angebot bedankt, dies aber noch nicht in Anspruch genommen. Das BRK habe mitgeteilt, die Versorgung der Hilfsbedürftigen noch mit eigenen Kräften wahrnehmen zu können.

Auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) hat sich unmittelbar nach Eintreffen des Briefes bei allen Mitarbeitern des Hotels bedankt, ergänzte Lars von der Wettern. "Das war für unser Team sehr emotional", ist solcher Dank doch eine Anerkennung der selbstlosen Hilfsbereitschaft aller Mitarbeiter.

Obwohl zur Zeit nur ein oder zwei der insgesamt 166 Hotelzimmer pro Nacht von Geschäftsreisenden gebucht sind und die Auslastung der sonst im März üblichen Zimmer-Auslastung von 60 Prozent auf knapp über zehn Prozent gefallen ist, sind noch alle 70 Mitarbeiter schichtweise im Dienst. Von der Wettern: "Wir wollen unser Team unbedingt zusammenhalten. Das gilt auch für Mitarbeiter in Probezeit."

Allerdings musste auch das Kaiserhof Victoria für die Hälfte seiner Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Noch wartet die Direktion auf die Genehmigung. Doch auch bei halber Kraft soll das genannte Hilfsangebot der Mitarbeiter bis auf weiteres bestehen bleiben, versichern Sandy Berthold und Lars von der Wettern.

Der Hotelbetrieb ist zwar seit bald zwei Wochen zusammengebrochen. Doch so können wenigstens die vor Monaten begonnenen Sanierungsarbeiten ungehindert abgeschlossen werden. Nach Abrissarbeiten in den Wintermonaten wird derzeit im Inneren gearbeitet. Die restlichen 50 Zimmer werden von Grund auf renoviert und völlig neu eingerichtet. Links des Foyers wird ein neues à la carte-Restaurant gebaut, während das alte in eine Bibliothek umgewandelt wird. Der bisher zweigeschossige Spa-Bereich wird künftig auf drei Geschossen ein erweitertes Wellness-Angebot ermöglichen, und das vor Jahren stillgelegte Inhalatorium wird zum Tagungsgebäude mit fünf Räumen umgebaut. Obwohl auch diese Arbeiten in jetziger Zeit langsamer vorangehen, da wegen des gebotenen Sicherheitsabstands nicht alle Handwerker gleichzeitig tätig sein können, hofft Hotelberater Lars von der Wettern auf Abschluss aller Bauarbeiten im April.

Denn eigentlich sollte zur Osterzeit die Tourismussaison beginnen. Doch ob dann wieder Urlauber im Grandhotel an der Kurhausstraße logieren dürfen, ist noch fraglich. "Wir lehnen keine Buchungen ab", erklärte Lars von der Wettern zwar auf Nachfrage. "Aber immer unter dem Vorbehalt der gesetzlichen Erlaubnis. Beide Seiten wissen also Bescheid."

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