Sulzthal
Energiewende

Kahlschlag für die drei Windräder

Die Gemeinde rodet drei Flächen im "Bühnholz". Insgesamt fallen auf drei Hektar 1000 Festmeter Holz an.
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Förster Stefan Blumrich (hinten) und Bürgermeister August Weingart begutachten Buchenstämme, die auf einer der drei geplanten Windkraft-Standorte gefällt wurden. Jeweils ein Hektar sind die Löcher im Wald am "Bühnholz" groß. Foto: Ralf Ruppert
Förster Stefan Blumrich (hinten) und Bürgermeister August Weingart begutachten Buchenstämme, die auf einer der drei geplanten Windkraft-Standorte gefällt wurden. Jeweils ein Hektar sind die Löcher im Wald am "Bühnholz" groß. Foto: Ralf Ruppert
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Rund 500 Hektar ist der Sulzthaler Gemeindewald groß. "Gemessen an der Einwohnerzahl ist das der größte Gemeindewald weit und breit", berichtet Förster Stefan Blumrich von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale. Seit kurzem sind es allerdings drei Hektar weniger: Die Gemeindearbeiter haben die drei Flächen im Waldstück "Bühnholz" gerodet, auf denen die Firma "Enercon" im Sommer Windräder aufstellen will - jeweils mit 149 Meter Nabenhöhe und 68 Meter langen Rotorblättern. Vier Windräder waren ursprünglich zwischen Sulzthal und Wasserlosen geplant, wegen artenschutzrechtlicher Bedenken wurde der Standort 2 mittlerweile gestrichen. "Die Flächen 1 und 3 haben wir im November gerodet, Mitte Januar haben die Gemeindearbeiter nun noch die 4 erledigt", berichtet Förster Blumrich. Dir Firma Enercon verlange eine komplett saubere Fläche: "Es muss alles raus, auch das Kronen-Material." Zuletzt werden alle drei Flächen gemulcht.

Ein Drittel des Hiebsatzes

Zuständig für die Rodung ist die Gemeinde, sie vermarktet auch die anfallenden rund 1000 Festmeter Holz. "Das macht rund ein Drittel unseres jährlichen Hiebsatzes aus", sagt Bürgermeister August Weingart (CSU). Der rund 120 Jahre alte Bestand sei zuvor bewertet worden: "Für Bäume, die noch nicht hiebsreif waren, bekommen wir eine Entschädigung von Enercon", beschreibt Förster Blumrich den Ablauf. Zudem muss die Firma eine jährliche Miete für die Standorte zahlen.

Bisher habe er aus der Bevölkerung keinerlei Beschwerden über die Arbeiten im "Bühnholz" gehört, kommentiert Weingart die Stimmung im Ort. Anfangs gab es Gegner, denn: Die Gemeinde stimmte einer Unterschreitung der 10-H-Regelung zu. Das näheste der drei insgesamt 207 Meter hohen Windräder steht nur rund 1100 Meter vom Ort entfernt. Still geworden sei es im Ort auch um die Möglichkeit, eines der drei Windräder als Bürger-Anlage zu übernehmen. Das hatte "Enercon" bei der Vorstellung des Windpark-Projektes angeboten. "Die Option besteht, aber das dürfte vermutlich nicht mehr interessant sein", sagt Erik Steinmüller von Enercon auf Nachfrage. Bei der ersten bundesweiten Ausschreibung 2018 hatten sich in Bayern nur die beiden Windparks in Sulzthal und Fuchsstadt durchgesetzt: Die Bundesnetzagentur hatte den Zuschlag mit durchschnittlich 4,73 Cent je Kilowattstunde erteilt. Das ist laut Steinmüller "an der Schmerzgrenze" und sei nur rentabel, weil Enercon dort eigene Anlagen aufstelle, die in den Werken Aurich oder Magdeburg gefertigt werden.

Angeliefert werden die Bauteile von der Kreuzkapelle aus. Weil die Rotoren aus zwei Stücken bestehen, sei der längste Transport rund 50 Meter lang. An der Einmündung am so genannten Löschesee müsse der Kurvenradius vergrößert werden, ansonsten werden Waldwege ausgebaut und Äste entfernt. "Ich bin auch gespannt, wie das abläuft", sagt Förster Stefan Blumrich, für den es das erste Windrad-Projekt im Wald ist.

Spätestens ab April sollen die Erdarbeiten los gehen. "Das ist eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde wegen der Haselmaus", berichtet Steinmüller. Bei milderen Temperaturen könnten die Bagger vielleicht eher anrollen. Zunächst werden alle Wurzelstöcke entfernt und Plateaus für die Fundamente geformt: Die werden 21 Meter im Durchmesser und 3,5 Meter tief.

"Wir versuchen, den Eingriff in den Wald möglichst gering zu halten", verspricht Steinmüller. Davon sollen sich auch die Bürger überzeugen können: Im Sommer soll es einen "Tag der offenen Baustelle" geben, und zum Abschluss des Millionen-Projektes sei ein Fest geplant. Die Montage will Enercon im Oktober abschließen, Anfang November sollen die drei Windräder dann ans Netz gehen.

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