Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Junge Leute für Festival gewinnen

Mit einem Social-Media-Projekt sollen jüngere Besucher für den Kissinger Sommer interessiert werden.
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Meliz Kaya und Konstantin Winter entwickeln das Konzept, in der Mitte Dr. Tilman Schlömp.  Foto: Thomas Ahnert
Meliz Kaya und Konstantin Winter entwickeln das Konzept, in der Mitte Dr. Tilman Schlömp. Foto: Thomas Ahnert

"Als Kissinger Sommer müssen wir aktiv in den Social Media sein, aber wir hatten immer das Gefühl, dass wir da zu wenig tun", sagte Intendant Dr. Tilman Schlömp. Inzwischen seien auch viele Künstler auf Twitter oder Instagram aktiv, die man erheblich mehr vor allem mit dem jüngeren Publikum vernetzen müsse. Denn, so Schlömp, es könne nicht sein, dass dem Festival langsam das Publikum ausgeht und er sich irgendwann einmal überflüssig macht.

Als im letzten Sommer das Nachdenken darüber einsetzte, standen drei Fragen im Vordergrund: Was ist zu tun? Wer tut es? Was darf es kosten? Das vor allem, denn der Werbeetat des Kissinger Sommers ist alles andere als üppig und gestattet keine größeren Sprünge. Aber gerade diese Frage ließ sich am schnellsten lösen. Dr. Elisabeth Müller, Geschäftsführerin des tiermedizinischen Großlabors Laboklin in Bad Kissingen, stellte nicht nur den Kontakt zu Andreas Lehmann, Professor für Systematische Musikwissenschaft und Musikpsychologie an der Hochschule für Musik in Würzburg, und seinen Studenten her, die Vernetzungskonzepte entwickeln sollten, sondern sie übernahm auch die Kosten für die Projektentwicklung für ein Jahr.

"Für jedes Produkt braucht es Marketing. Und für dieses Marketing, für das es von der Stadt keine Mittel gibt, wollte ich Geld geben, und wenn man es intelligent einsetzt, braucht man gar nicht so viel davon. Und weil ich Beziehungen zur Musikhochschule in Würzburg habe, habe ich einen Kontakt mit Dr. Schlömp hergestellt", sagt sie. Dabei sei es um die Frage gegangen, "ob es nicht die Möglichkeit gibt, jungen Leuten eine Chance zu geben, sich in dem Gebiet mal zu tummeln, und die uns die Chance gibt, mit wenig Geld und Neuen Medien respektabel was zu erreichen." Die gab es. Im Herbst fuhr Tilman Schlömp nach Würzburg, um in Lehmanns Seminar "Musik und Medien" (der ungekürzte Titel ist erheblich komplizierter) den Kissinger Sommer vorzustellen und für das Projekt zu werben. Nicht ohne Erfolg, denn zehn Interessenten sprangen darauf an. Den Zuschlag bekamen Meliz Kaya und Konstantin Winter, zum einen aufgrund einer besonderen Empfehlung, aber auch, weil sie keine Einzelkämpfer sind, sondern zusammenarbeiten - in ihrem bereits vor einiger Zeit gegründeten Social-Media-Start-up "Social Melon GbR" mit Sitz in Würzburg.

Image aufpolieren

Jetzt waren die beiden in Bad Kissingen, wo ihnen Tilman Schlömp die Räume des Festivals zeigte und ihnen die Möglichkeiten vorstellte, mit denen sie sich an die Arbeit machen können. Und sie tun das mit Optimismus, auch wenn sie wissen, dass gerade die jungen Leute nicht ganz einfach für die klassische Kultur im Allgemeinen und die Musik im Besonderen nicht leicht zu erreichen sind. "Die Chancen sind sehr hoch, dass durch eine entsprechende Aufbereitung der Inhalte und Formate die Zielgruppe auch erreicht wird", sagen die beiden.

Wobei sie natürlich auch das nicht mehr ganz so junge Publikum im Auge haben. Deshalb werden sie auch Facebook bedienen, auch wenn das ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Aber Twitter und Instagram haben mittlerweile eine größere Reichweite, eignen sich besser, um die Inhalte rüberzubringen.

Natürlich ist es für fertige Konzepte noch zu früh, aber es gibt schon eine ganze Menge Ideen. Und ganz grundsätzlich: "Wir müssen Erlebnisse bieten und Stimmungen zeigen, dann kann man auch die jungen Leute gewinnen", meint Konstantin Winter. Insgesamt gehe es darum - und da hört er keinen Widerspruch - das nicht besonders fortschrittliche Image des Kissinger Sommers aufzupolieren, das Festival in seinen Erlebnismöglichkeiten transparenter zu machen, Künstler, Sponsoren und Publikum enger zu vernetzen. So sollen die Nutzer der Sozialen Medien künftig einfach mehr erfahren, etwa über neue CDs oder Videos der Kissinger-Sommer-Künstler, was sie so alles Bemerkenswertes treiben in den elf Monaten zwischen den Festivals. Es wird Künstlerporträts geben und Hintergrundberichte.

Zweimal - das steht wohl schon fest - soll während des Festivals über die Sozialen Medien zu einem Flashmob aufgerufen werden. Es sind Gewinnspiele angedacht oder besondere Konzertempfehlungen für Paare oder Familien. Zweimal soll im nächsten Sommer ein Bus Besucher aus Würzburg nach Bad Kissingen und zurück bringen.

Ideen gibt es bereits eine ganze Menge. Deshalb sollen im Februar als Nächstes die strategische Ausrichtung und die Formate festgelegt und in einen Redaktionsplan gegossen werden. Tilman Schlömp: "Ab März lohnt es sich, regelmäßig in die Accounts zu schauen."

Ob die Zusammenarbeit mit "Social Melon" über das vereinbarte Jahr hinaus fortgesetzt werden soll oder ob das Kissinger-Sommer-Team dann alleine weitermachen kann, ist nicht nur eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Die technische Kompetenz ist auch jetzt schon vorhanden. Aber die Personaldecke ist im Moment einfach zu dünn, um diesen immer wichtiger werdenden Marketingsektor in Eigenregie zu bedienen.

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