Hammelburg
Geschichte

Jüdische Nachfahrin zu Besuch in Hammelburg

Die Amerikanerin Nicole Haas folgt in Deutschland den Spuren ihrer Familie. Ihr Urgroßvater war der Hammelburger Viehhändler Max Hamburger.
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Das Foto - wohl aus dem Jahr 1912 - zeigt rechts stehend Max Hamburger mit seiner Frau Klara vor dem Haus in der Bahnhofstraße 10. Links ist die Tochter Bella an der Hand eines Kindermädchens zu sehen. Dahinter steht ein Hausmädchen an der Tür. Foto: privat
Das Foto - wohl aus dem Jahr 1912 - zeigt rechts stehend Max Hamburger mit seiner Frau Klara vor dem Haus in der Bahnhofstraße 10. Links ist die Tochter Bella an der Hand eines Kindermädchens zu sehen. Dahinter steht ein Hausmädchen an der Tür. Foto: privat
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Gebhard Oschmann aus Pfaffenhausen hat Max Hamburger noch persönlich kennengelernt. "Da Hamburger Viehhändler war, sind die Bauern immer zu ihm gekommen", sagt der 88-Jährige, dessen Eltern zu der damaligen Zeit auch eine Landwirtschaft betrieben. Nun begrüßt Oschmann mit anderen historisch interessierten Hammelburgern Nicole Haas, die Urenkelin des jüdischen Viehhändlers.

Sie ist aus dem US-Bundesstaat Colorado angereist, um die Geschichte ihrer Familie nachzuvollziehen. "Ich habe meiner Großmutter versprochen, ihre Heimat zu besuchen", erklärt Nicole Haas. Die 40-Jährige ist das erste Mal in Deutschland.

Hammelburg bezeichnet sie als eine nette, kleine Stadt, die "voll von Geschichte" sei. Und ihre Familie ist ein Teil der Stadthistorie: Das Haus in der Bahnhofstraße, das früher dem Urgroßvater gehörte, steht noch heute. Auch wenn das Erdgeschoss zu einem Laden umgebaut ist, sind die Rundbogenfenster im Obergeschoss unverkennbar.

Der jüdische Viehhändler Max Hamburger wurde 1881 in Hammelburg geboren. Die Wurzeln der Familie lassen sich aber sogar noch weiter zurückverfolgen. Max Hamburger und seine Frau Klara hatten zwei Töchter: Bella und Hedwig. Hedwig, die in diesem Jahr mit 99 Jahren gestorben ist, war die Mutter von Sharon Haas, Nicole Haas Mutter. Ursprünglich wollte Sharon Haas ihre Tochter nach Deutschland begleiten, musste die Reise aber absagen.

Insgesamt zehn Tage verbringt Nicole Haas in Deutschland. Vor Hammelburg machte sie in Frankfurt am Main Station. Dorthin waren Max und Klara Hamburger 1938 geflohen. Sie waren nicht die einzigen Hammelburger Juden, die nach Frankfurt gingen. Das Ehepaar und ihre beiden Töchter überlebten den Völkermord dank der Emigration in die USA. Max Hamburgers Schwester wurde jedoch deportiert und in Kowno (Litauen) erschossen.
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