Bad Kissingen

Johanna Keul wird 80 Jahre alt

Sie war Geschäftsfrau, Stadträtin und dritte Bürgermeisterin: Die Jubilarin kann auf viele aktive Jahre zurückblicken.
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Johanna Keul, alleinerziehende Mutter zweier Buben, Geschäftsfrau, ehemalige Stadträtin und Bürgermeisterin sowie Gründungsmitglied und langjährige "Stimme" der DBK (Demokratische Bürger Kissingen) wird heute 80 Jahre.  Foto: Peter Rauch
Johanna Keul, alleinerziehende Mutter zweier Buben, Geschäftsfrau, ehemalige Stadträtin und Bürgermeisterin sowie Gründungsmitglied und langjährige "Stimme" der DBK (Demokratische Bürger Kissingen) wird heute 80 Jahre. Foto: Peter Rauch

Johanna Keul, langjährige Stadträtin und später sogar dritte Bürgermeisterin von Bad Kissingen wird 80 Jahre alt. Geboren wurde die in Bad Kissingen und den umliegenden Kurorten überall beliebte und geschätzte Geschäftsfrau als Johanna Anna Romana Maria Licha am 8. Januar 1940 in Weißensulz im Sudetenland.

"Wäre ich kein Winterkind, wäre ich eigentlich eine richtige Kissingerin" hat sie einmal in einer Veröffentlichung verlauten lassen. Das mit dem "Winterkind" kam so, dass ihre Mutter Johanna Licha, eine geborene von Rößler schon seit 1898 das von Großmutter Franzi, Edle von Rößler in Bad Kissingen gegründete "Böhmische Spitzenlager Franzi von Rößler" betrieb. Allerdings nur in der vier- bis fünfmonatigen Kursaison im Sommer. War die Saison vorbei, ging es zurück in die Heimat, ins Sudetenland, wo die Verkaufsware in Handarbeit durch die eigene Familie und Heimarbeiterinnen hergestellt wurde. Zumindest bis zum Frühjahr 1945, dann nämlich verließ das fünfjährige "Hannerl" zusammen mit ihrer Mutter die alte Heimat im heutigen Tschechien und kam über Umwege nach Bad Kissingen.

Weil das hiesige, bislang reine Sommergeschäft und auch die Wohnung auch hier ausgeraubt und von Fremden besetzt war, kamen sie vorerst bei hier lebenden Verwandten des Vaters unter. Der Vater selbst war, obwohl kein Soldat, noch in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

1948 wurde im Haus Collard das erste Ladengeschäft nach dem Krieg gemietet. Die Räume teilte man sich anfänglich mit dem Busunternehmen Ziegler, und die "Hanni", wie sie nach dem Schulabschluss gerufen wurde, half eifrig im nun ganzjährig geöffneten "Spezialgeschäft in feinsten Handarbeiten". Schon bald wurde aus der "Hanni" eine verheiratete "Johanna" und aus der nur kurz währenden Ehe gingen die Söhne Michael und Christian hervor.

Obwohl alleinerziehende Mutter, baute die "Johanna", wie sie von allen hier nur genannt wurde, ihr kleines Imperium immer weiter aus: Bad Kissingen mit Filialen in Bad Brückenau, Bad Orb, Würzburg und sogar kurzfristig in Wiesbaden. Einkaufsreisen mit Sohn Christian in den achtziger Jahren nach China und die Gründung der Wohntextilia GmbH waren wohl der geschäftliche Höhepunkt, denn nur wenige Jahre später machte sich auch und gerade in den Kurstädten die Gesundheitsreform bemerkbar - die Kurgäste wurden weniger, blieben manchmal sogar ganz aus.

Es war 1984, als sie von dem erst kürzlich verstorbenen Edi Hahn angesprochen wurde, ob sie nicht für die UdV/Bad Kissinger Neubürger als Stadträtin kandidieren wolle, und die Johanna wäre nicht die Johanna gewesen, wenn sie nicht trotz der damals schon fünf Geschäfte nicht auch da zugesagt hätte.

Auf Anhieb in den Stadtrat

Unter dem Titel "Eine Frau, die ihren Mann steht" zog sie auf Anhieb als eine der wenigen Frauen in den Bad Kissinger Stadtrat ein. 1990 hatte sich die UdV, die Union der Vertriebenen überlebt und zusammen mit 30 weiteren Kissingern gründete sie die DBK, die "Demokratischen Bürger Bad Kissingens" und kam wiederum, zusammen mit Dr. Karl Lechmann in den Kissinger Stadtrat. 1996 wurde die Mutter zweier Söhne und "Frontfrau der DBK", wie sie damals die heimische Presse titulierte, dann sogar unter Oberbürgermeister Christian Zoll (SPD) und Bürgermeister Alfred Wacker (CSU) dritte Bürgermeisterin. Die erste Bürgermeisterin in Bad Kissingen überhaupt und eine Bürgermeisterin ohne Fraktionszwang, worauf sie bis heute sehr stolz ist, "denn (ein Fraktionszwang) das ist für die Johanna nichts", ließ sie immer wieder gern verlauten, als echte Demokratin wolle sie alle Parteien im Stadtrat unterstützen können.

Seit 1973 lebte sie mit ihrem "Wölfer", dem im Jahr 2015 verstorbenem Karl-Heinz Wolf zusammen. Im gleichen Jahr wurde sie als Gründungsmitglied der DBK, die nun auch schon ihr 25-jähriges Bestehen feierte, mit einer eigens geschaffenen Ehrennadel in Weißgold mit Brillanten ausgezeichnet.

Inzwischen ist es ruhiger um Johanna Keul geworden: Stadtrat- und Bürgermeisteramt sind ebenso wie die Ladengeschäfte aufgegeben. Import, Export und Großhandel von Wohntextilien liegen nun in Händen von Sohn Christian, der zweite Sohn Michael ist ein bekannter Musiker der mit seiner Familie in München lebt.

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