Bad Kissingen
Entwicklung

Jahrestagung Städtebauförderung in Bad Kissingen: Infotour für Stadtplaner

Die unterfränkische Jahrestagung widmete sich der Mobilität. Das Thema beschäftigt auch das städtische Bauamt - etwa mit Blick auf die Unesco-Bewerbung.
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Quartiersmanagerin Angelika Despang informiert beim Stadtrundgang zur Neuen Altstadt. Benedikt Borst
Quartiersmanagerin Angelika Despang informiert beim Stadtrundgang zur Neuen Altstadt. Benedikt Borst
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Seit Jahrzehnten ist das Auto in Deutschland das dominierende Verkehrsmittel. Die Zulassungszahlen steigen seit Jahren. Im Landkreis Bad Kissingen sind aktuell mehr Fahrzeuge angemeldet, als es Einwohner gibt. Diese Entwicklung geht zu Lasten der Lebensqualität und zwar dort, wo Innenstädte im Verkehr ersticken oder Kommunen nach Umgehungsstraßen rufen, weil Lärm, Dreck und Verkehrsbelastung im Ort Überhand nehmen. "Es schwindet die Bereitschaft, das als gegeben hinzunehmen", sagt der unterfränkische Regierungspräsident Eugen Ehmann.

Was können Bürgermeister, Gemeinderäte und Stadtplaner tun, um die Ortszentren zu entlasten und wie können sie gleichzeitig sicherstellen, dass die Städte lebendig bleiben und die Bevölkerung mobil ist? Um diese und ähnliche Fragen ging es auf der Jahrestagung für Städtebauförderung, zu der die Regierung von Unterfranken gestern nach Bad Kissingen geladen hatte. Das Motto in diesem Jahr: Stadt, Land, Mobilität. "Ein weites Thema, das aktuell heiß diskutiert wird", sagt Ehmann. Rund 220 Gäste waren in den Tattersall gekommen, darunter Bürgermeister, Landräte, Planer und Mitarbeiter aus den Verwaltungen.

Zu dem Thema gehören viele gegensätzliche Interessen. Autofahrer beschweren sich, wenn sie keinen Parkplatz bekommen. Fußgänger klagen, wenn ein Auto den Gehweg zuparkt und Radfahrer bemängeln, dass das Fahren auf den Straßen subjektiv immer gefährlicher wird. "Und trotzdem muss das Auto immer da sein, wenn man es braucht", umreißt Ehmann das Dilemma. Es sei keine Lösung, Autos einfach aus den Ortschaften auszusperren. "Aber ein weiter so geht auch nicht", betont er.

Konkurrenz fürs Auto

Der Regierungspräsident plädiert für einen Mix verschiedener Verkehrsmittel. In ländlichen Regionen mit einer älter werdenden Bevölkerung wie dem Landkreis Bad Kissingen hält er einen flexiblen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für ein Zukunftsmodell. Das beginne bei klassischen Rufbussen und Bürgerinitiativen. "Wir müssen einen ÖPNV nach Bedarf fortentwickeln", sagt er. Die Menschen könnten zum Beispiel über eine App eingeben, wann sie von wo wohin fahren müssen. Daraus könnten die Verkehrsbetriebe Routen zusammenstellen, die ein Bus dann anfährt. Ehmann: "Wichtig ist: Es muss bezahlbar bleiben und so attraktiv sein, dass es eine Alternative zum Auto ist."

Touristischen Verkehr lenken

Die Tagung beleuchtete auch kommunale Beispiele, zum Beispiel wie Bad Neustadt als Modellstadt für Elektromobilität diese Rolle städtebaulich aufgreift oder wie der kleine Weinort Sommerach mit dem touristischen Verkehrsaufkommen in seinem Altort umgeht.

Verkehr und Mobilität ist aktuell auch für die Bad Kissinger Bauverwaltung ein Thema. "Wir sind dabei, einen Verkehrsentwicklungsplan vorzubereiten", sagt Stadtplanerin Christine Schwind. Da geht es um allgemeine Herausforderungen wie behindertengerechte Straßenübergänge, Radwegeverbindungen und dem ÖPNV bis hin zu spezifischen Fragen. "Wie gewährleisten wir die Erreichbarkeit des Kurgebietes, ohne die Ruhe der Gäste zu stören", erklärt sie. Auch den Tourismusverkehr im Falle einer erfolgreichen Great Spas of Europe Unesco-Bewerbung gilt es einzuplanen.

Es gibt noch weitere Projekte, bei denen die Städtebauförderung die Stadt unterstützt. Zum Beispiel ist geplant, für das Kurgebiet ein Sanierungsgebiet auszuweisen, um private Investitionen in Gebäude anzustoßen. Auch die Entwicklung eines neuen Baugebietes nördlich der Stögerstraße läuft über die Städtebauförderung, genauso wie die Gestaltung der Oberfläche bei der anstehenden Altstadtsanierung. Bei mehreren Führungen durch die Innenstadt informierte die Verwaltung die Gäste der Tagung über abgeschlossene und laufende Städtebauprojekte.

Städtebauförderung in Bad Kissingen

Projekte Seit 1988 setzt die Stadt Projekte mit der Städtebauförderung um. 14 Millionen Euro Zuschüsse gab es dafür. Gefördert wurden bislang unter anderem die Gestaltung des Sparkassenareals sowie der Bau des Zentralparkhauses, der Umbau des Tattersalls von einer Reithalle zum Veranstaltungssaal, die Renovierung des Alten Rathauses und die Konversion der ehemaligen Kaserne sowie der US-Housing Area zum Stadtteil Nord-Ost.

Unterfranken 2018 wurde so viel Geld wie nie für die Städtebauförderung bereitgestellt: 46 Millionen Euro waren es für Unterfranken. 2019 bleibt das Volumen mit 45 Millionen Euro ähnlich hoch. Laut Ehmann zeigt das, wie wichtig Bund und Land die Städtebauförderung nehmen. Es brauche höhere Zuschüsse, um die steigenden Baupreise zu kompensieren.

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