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Jäger wollen Wolf nicht im Fadenkreuz

In der Rhön gibt es immer mehr Wölfe. Doch wie soll mit dem Tier umgegangen werden ? Ein Durch einen Gesetzesentwurf soll der Wolf jetzt leichter geschossen werden dürfen. Überraschung: Jäger sehen das skeptisch.
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Durch den Kabinettsbeschluss gerät der Wolf zunehmend ins Visier. Symbolbild:  Carsten Rehder/dpa
Durch den Kabinettsbeschluss gerät der Wolf zunehmend ins Visier. Symbolbild: Carsten Rehder/dpa

Heidi Sattes-Müller macht sich Sorgen, wenn sie von Aura aus in die Rhön fährt. Dort ganz normal ihrer Arbeit nachgehen? "Das ist nicht mehr möglich", sagt sie. "Wir wissen, dass er da ist." Er, das ist der Wolf. Heidi Sattes-Müller hält gemeinsam mit ihrem Mann 1000 Merinoschafe in der Rhön. Eine ihrer Herden grast derzeit im Truppenübungsplatz bei Wildflecken. Der ist seit neuestem Wolfsland. Vom Vorstoß der Regierung, den Wolf im Ernstfall schneller zu töten, hält sie - und mancher Jäger auch - nicht viel.

Wer schießt den Wolf?

Für die Schäferin ist der Kabinettsbeschluss in vielen Punkten unklar. "Wer soll denn den Wolf schießen?", fragt sie. Laut dem Gesetzesentwurf hat der Jagdausübungsberechtigte - also beispielsweise der Jagdpächter - eine Art Erstzugriffsrecht auf den Wolf. Das heißt: Wenn der Jagdpächter zustimmt, einen Problemwolf in seinem Revier zu erschießen, ist er durch die für Naturschutz und Landschaftspflege zuständige Behörde nach Möglichkeit vorrangig zu berücksichtigen.

Dem stehen Jäger teils ablehnend gegenüber. Denn zuständig für den Wolf ist der Jäger eigentlich nicht. "Wir sind nicht die Exekutive, der Wolf ist kein jagdbares Wild", informiert Dr. Helmut Fischer, der Vorsitzende des Bad Kissinger Jägervereins. Denn das Tier unterliegt strengen artenschutzrechtlichen Bestimmungen. Daher liegt die Zuständigkeit nicht bei den Jagdpächtern, sondern beim Landratsamt.

Wer sind berechtigte Dritte?

Die Behörde kann laut dem Entwurf "berechtigte Dritte" für den Abschuss beauftragen. Wer das ist? Das ist derzeit noch unklar. Das Landratsamt Bad Kissingen könne noch keine Auskunft erteilen,"weil die Untere Jagdbehörde noch keine weiteren Informationen und Vorgaben erhalten hat".

Unklar ist bislang außerdem, wann der Wolf geschossen werden darf. Bislang war das erst bei erheblichem Schaden möglich. Die Lage musste für den Weideviehbesitzer also existenzbedrohend sein. Der Gesetzesentwurf soll den Abschuss jetzt allerdings schon bei "ernstem Schaden" ermöglichen.

Was sich hinter dem Begriff verbirgt ist noch nicht klar. "Den gilt es mit Leben zu füllen", sagt eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Für das Ministerium sei der Begriff eng gefasst. Schon ein über den Zaun springender Wolf, der die Schafherde in Panik versetzt, wodurch ein trächtiges Schaf ihr Ungeborenes verlieren würde, gelte für das BMEL als ernster Schaden. Letztlich würden jedoch die zuständigen Landesbehörden die Entscheidung treffen.

Wolfsrevier versus Jagdrevier

Das sorgt für Skepsis bei Eric Imm von der Wildland-Stiftung Bayern. "Der Knackpunkt ist die Entnahme. Das Streifgebiet eines Wolfs ist erheblich größer als das Jagdrevier eines Jägers", sagt er. Entnahme heißt nichts anderes, als das Tier zu erschießen. Daraus folgt, dass ein Wolfsabschuss nicht mit einer Person zu realisieren ist. "Auf dem Papier klingt das alles einfach - in der Praxis sieht das aber anders aus."

"Der Wolf lässt sich nicht wie ein Reh oder ein Wildschwein bejagen", sagt Enno Piening. Der Kissinger Anwalt ist der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands. Fakt sei jedoch, dass der Wolf in der Region anwesend sei, weshalb sich Jäger, Landwirte und die Gesellschaft mit ihm arrangieren müssten. Persönlich schwebt Piening ein Wolfsmanagement nach Finnischer Art vor. Dort halten Jäger die Population durch jährlich festgesetzte Abschussquoten auf einer stabilen Größe.

Oswald Türbl, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bund Naturschutz ist von der neuen Gesetzesinitiative nicht überzeugt. "Es gibt andere Wege ", sagt er. Für ihn hat der Herdenschutz Priorität. Allerdings: "Verglichen mit anderen Bundesländern zeigt sich die bayerische Regierung sehr bedeckt, was Zuschüsse und Fördergelder angeht."

Mancher Rhöner Landwirt sieht den Herdenschutz kritisch. "Wolfssicher einzäunen lassen sich hier viele Areale nicht. Die Flächen sind einfach zu groß", sagt Michael Voll, der sein Weidevieh auf den Hängen des Feuerbergs hält. Die Folgen hätten Landwirte mit kleinen Betrieben zu tragen. "Wie sollen die das finanzieren?" Für ihn ist klar: "Der Wolf muss scheu gehalten oder verjagt werden." Bei der Rhön handele es sich um eine dicht besiedelte Kulturlandschaft, in der Konflikte zwischen Mensch und Tier programmiert seien.

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