Bad Kissingen
Arbeitswelt

Inklusion: Für Christine Seger mehr als ein Wort

Für Menschen mit einer Behinderung ist es nicht immer einfach, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Matthias Witt aus Bad Kissingen hat es geschafft.
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Matthias Witt und seine Chefin Christine Seger kommen gut miteinander aus. Die Unternehmerin schätzt die gewissenhafte, ruhige Art ihres Mitarbeiters.: Heike Beudert
Matthias Witt und seine Chefin Christine Seger kommen gut miteinander aus. Die Unternehmerin schätzt die gewissenhafte, ruhige Art ihres Mitarbeiters.: Heike Beudert
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Die Stärken von Matthias Witt sind sein Zahlengefühl, sein Faible für Statistiken oder Excel-Dateien und seine Genauigkeit. Damit ist er genau richtig an seinem neuen Arbeitsplatz bei der Firma Seger. In der Personal- und Bilanzbuchhaltung kümmert er sich seit Juli als fest angestellter Mitarbeiter um die Dokumentation - ein ganz junger Bereich innerhalb des Unternehmens, der sich gerade im Aufbau befindet. Doch Genauigkeit braucht Zeit und diese Zeit für seine Aufgaben wird Matthias Witt im Unternehmen gewährt. Der 34-jährige ist ein Inklusions-Mitarbeiter. Bei Matthias Witt wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine Kontakt- und Kommunikationsstörung, die dem Bereich des Autismus-Spektrums zugeordnet ist.

Für Matthias Witt war es ein langer Weg, endlich beruflich Fuß fassen zu können. Seine Beharrlichkeit hat ihm dabei geholfen; er hat sich auch nach Fehlschlägen nicht unterkriegen lassen. Der Reha-Berater der Agentur für Arbeit in Schweinfurt, Wolfgang Wirth, hat daran geglaubt, dass Matthias Witt in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden kann, und ihn auf diesem Weg begleitet.

Nach einem abgebrochenen Studium hatte Matthias Witt eine Umschulung zum Industriekaufmann absolviert, doch es war in den vergangenen drei Jahren schwierig für den jungen Mann, einen geeigneten Betrieb zu finden, trotz Fördermaßnahmen und Praktika. Endlich, nach einem dreimonatigen Praktikum bei der Firma Seger Transporte in Münnerstadt, bekam Witt im Juli den so lange ersehnten Arbeitsplatz. Diese Stelle im Unternehmen wurde eigens auf Matthias Witt zugeschnitten. Dank seiner Kompetenzen könne er hier super zuarbeiten, betont Firmenchefin Christine Seger. Mittlerweile wissen auch die anderen Mitarbeiter im Büro die Fähigkeiten des neuen Kollegen zu schätzen und holen sich bei ihm auch schon mal Rat.

Probleme bei der Integration ins Team habe es nicht gegeben, betonen sowohl Christine Seger, als auch Matthias Witt. Man habe sich halt erst kennenlernen müssen, stellt der 34-Jährige sachlich fest. Erleichtert wurde die Integration nach Meinung Segers auch deshalb, weil die Mitarbeiter in diese Entscheidung mit eingebunden waren. Christine Seger schätzt an ihrem neuen Mitarbeiter seine Bedachtheit, seine Genauigkeit und sein gutes Gedächtnis, das viel besser sei als ihres. Und Christine Seger betont, sie könne von Matthias Witt lernen: Dinge in Ruhe anzugehen beispielsweise.

Bei der Arbeitsagentur ist man froh für die Offenheit des Unternehmens. Natürlich gehöre dazu auch der Mut des Arbeitgebers, meint Wolfgang Wirth. Aber das Beispiel zeige, dass es funktioniert. Wirth verweist darauf, dass vor einer Festanstellung ein Praktikum stehen kann, um auszuloten, ob man zusammenpasst.

Die Teamleiterin für den Bereich Rehabilitanden und Schwerbehinderte bei der Agentur für Arbeit in Schweinfurt ergänzt, dass man sich noch mehr Firmen wünsche, die diesen Schritt gehen. Bundesweit plädiert die Bundesagentur in dieser ersten Dezemberwoche im Rahmen der "Woche der Menschen mit Behinderung" für Inklusion und Gleichberechtigung.

Die Agentur für Arbeit berät Firmen und fördert die Einstellung von Inklusions-Mitarbeitern im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch finanziell. Diese Hilfe macht Integration auch wirtschaftlich interessanter. "Ohne die Förderung hätten wir die Stelle vielleicht nicht geschaffen", sagt Christine Seger. Denn eine Anstellung sei auch immer eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.

Matthias Witt ist nicht der einzige Inklusionsmitarbeiter im Betrieb Seger. Ein weiterer Angestellter ist im Kundenbüro des Betriebshofes eingesetzt. Für einige andere Mitarbeiter, die mit einer körperlichen Einschränkung leben müssen, wurde versucht, ein passendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Trotz eines guten Arbeitsmarktes ist es nicht einfach, Menschen mit Handicap für den Arbeitsmarkt zu vermitteln, erklärt Wolfgang Wirth."Wenn aber alle an einem Strang ziehen, gelingt es."

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