Laden...
Bad Kissingen
Gericht

In Handschellen zur Verhandlung am Amtsgericht Bad Kissingen geführt

Der 36-jährige Frührentner ist mehrfach vorbestraft, hatte Bewährungszeiten nicht eingehalten und war trotz Ladung vor Gericht schon einmal nicht erschienen. Jetzt wurde er wegen vorsätzlichen Handels mit Betäubungsmitteln verurteilt und muss hinter Gitter.
Artikel drucken Artikel einbetten
Weil er zur ersten  Ladung zur Hauptverhandlung vor Gericht nicht erschienen ist, wurde gegen den Angeklagten Haftbefehl erlassen. Symbolfoto: Annett Lüdeke
Weil er zur ersten Ladung zur Hauptverhandlung vor Gericht nicht erschienen ist, wurde gegen den Angeklagten Haftbefehl erlassen. Symbolfoto: Annett Lüdeke

Als völlig unschuldig gab sich der 36-jährige Frührentner, gegen den im Bad Kissinger Amtsgericht kürzlich verhandelt wurde. Doch gelang es ihm nicht, den Richter und die anderen Prozessbeteiligten davon zu überzeugen. Nach zweistündiger Verhandlung wurde er wegen vorsätzlichen Handels mit Betäubungsmitteln zu vier Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung und zur Übernahme der Prozesskosten verurteilt.

Schon einmal war der Angeklagte zu einer Hauptverhandlung vorgeladen worden, damals allerdings nicht erschienen, weshalb ein Haftbefehl gegen ihn ergangen war. Diesmal wurde er nach einwöchiger Haft in Handschellen von zwei Polizisten vorgeführt, die ihm der Amtsrichter erst auf Antrag des Verteidigers zu Prozessbeginn abnehmen ließ. Ruhig folgte der Angeklagte den Vorhaltungen der Staatsanwältin, im Mai 2019 mit 14 Gramm Amphetamin gehandelt zu haben. Zu diesem Zweck, so der im Prozessverlauf deutlich werdende Vorgang, hatte er einen früheren Freund, der selbst einst Drogen konsumiert hatte und wohl noch Kontakte in die regionale Drogenszene hatte, damals gebeten, die Betäubungsmittel am Bad Brückenauer Busbahnhof einem Abnehmer für 250 Euro zu übergeben.

Statt die 250 Euro dem Auftraggeber abzuliefern, gab der nun als Hauptbelastungszeuge vor Gericht auftretende Mittelsmann das Geld für Kleidung aus. Als der Angeklagte Tage später mit einem Begleiter vor der Tür stand, um die Schulden einzutreiben, versuchte der Hauptzeuge, der in einer betreuten Einrichtung für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen lebt und arbeitet, sich von Bekannten Geld zu leihen und vertraute sich später seinem Betreuer an, der mit ihm unverzüglich zur Polizei ging, um Selbstanzeige zu erstatten. So war es schließlich auch zur Anzeige gegen den Angeklagten gekommen.

Von Drogenhandel könne überhaupt keine Rede sein, beteuerte der Beschuldigte vor Gericht. Er habe aus reiner Gutmütigkeit seinem Freund das Geld geliehen und wollte es nur zurückhaben. "Mir kommt hier alles wie ein schlechter Film vor."

Nur stockend und akustisch kaum verständlich gab der Hauptzeuge vor Gericht das Geschehene wieder. Nach wortreichem Versuch des Angeklagtem, den Zeugen von seiner belastenden Aussage abzubringen, meinte er schließlich resignierend: "Das bringt doch nichts. Bitte, macht weiter mit der Verhandlung."

Ebenfalls als Zeugen geladene Polizisten stützten die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen. Auch sein Betreuer versicherte vor Gericht: "Ich glaube, dass er die Wahrheit sagt." Ein früherer Kollege aus gemeinsamer Arbeitstherapie meinte zudem, der Angeklagte habe "ein großes Mundwerk und nichts dahinter".

Da der Angeklagte sich nicht weiter äußerte, waren die Juristen allein auf die Zeugenaussagen angewiesen. Die Staatsanwältin stellte fest, "der Sachverhalt wurde voll umfänglich bestätigt." Der Angeklagte sei zudem mehrfach vorbestraft. Sie forderte sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, da frühere Bewährungsfristen vom Angeklagten nie eingehalten wurden.

Der Verteidiger folgte der Aussage seines Mandanten, dieser habe dem anderen nur Geld geliehen, das er nun wiederhaben wollte, und forderte Freispruch. Sollte das Gericht zu einem anderen Schluss kommen, hielte er allenfalls eine Geldstrafe für angemessen. "Der Antrag der Staatsanwaltschaft wird dem Fall nicht gerecht."

Doch auch der Amtsrichter sah den Angeklagten als schuldig an. Die vor der Polizei wiederholten Aussagen des Hauptzeugen seien glaubwürdig, zumal dieser durch seine Selbstanzeige ein persönliches Risiko eingegangen ist. Die lange Liste aus dem Strafregister des Angeklagten sowie dessen Nichteinhaltung von Bewährungszeiten legte der Richter zum Nachteil des Angeklagten aus. Lediglich die einwöchige Haftzeit vor Prozessbeginn wurde zu seinen Gunsten angerechnet. So kam der Amtsrichter schließlich auf das Strafmaß von vier Monaten ohne Bewährung und die Übernahme aller Prozesskosten. Abschließend hob er den bestehenden Haftbefehl auf: "Der Angeklagte ist aus der Justizvollzugsanstalt zu entlassen."