Bad Bocklet
Bungalow-Wohnpark

In Bad Bocklet: Kompromiss bei den Stellplätzen

Erst nach einer längeren Diskussion einigten sich Bad Bocklets Gemeinderäte bei einem weiteren Bungalow mit vier Wohneinheiten auf vier Stellplätze. Die gemeindliche Ordnung stand der bayerischen Ordnung gegenüber.
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Ein solches Haus im Wohnpark 55plus soll an die benachbarte Wenoba Heimbeatmungsservice GmbH (Mitte) vermietet werden. Im Gemeinderat wurde über die notwendigen Stellplätze diskutiert. Foto: Sigismund von Dobschütz
Ein solches Haus im Wohnpark 55plus soll an die benachbarte Wenoba Heimbeatmungsservice GmbH (Mitte) vermietet werden. Im Gemeinderat wurde über die notwendigen Stellplätze diskutiert. Foto: Sigismund von Dobschütz

Bei Bauanträgen, die nur geringfügig vom gültigen Bebauungsplan abweichen, drücken Gemeinderäte meistens ein Auge zu, vor allem, wenn das Bauvorhaben für die Gemeinde von Bedeutung ist. Doch ausgerechnet beim aktuellen Antrag der Firma Wolf-Haus (Gefäll), die seit 2017 im Neubaugebiet Kleinfeldlein einen für Senioren geeigneten Bungalow-Wohnpark 55plus mit 24 Wohnungen errichtet, konnte sich der Bad Bockleter Gemeinderat erst nach längerer Diskussion bei der Stellplatzzahl auf einen Kompromiss einigen - bei einer Gegenstimme. Die vier anderen Bauanträge privater Bauherren wurden trotz kleinerer Abweichungen einstimmig genehmigt.

Widerspruch

Die Diskussion beim Antrag der Firma Wolf-Haus, die einen weiteren Bungalow mit vier Wohneinheiten an der Erlöserschwestern-Straße bauen will, ergab sich aus dem Widerspruch zwischen der gemeindlichen Stellplatzsatzung, die mindestens 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit, also insgesamt sechs Plätze für den Bungalow fordert, und dem Wunsch des Bauherren, nur zwei Stellplätze einrichten zu wollen. Das Unternehmen berief sich dabei auf die bayerische Garagen- und Stellplatzverordnung, nach der bei Seniorenwohnungen sogar nur 0,2 Stellplätze pro Einheit Voraussetzung sind.

Begründet wurde die beantragte Befreiung seitens der Firma Wolf-Haus vor allem mit der Absicht, diese vier Wohnungen nicht als Eigentum zu verkaufen, sondern ausschließlich langfristig an die benachbarte Wenoba Heimbeatmungsservice GmbH zu vermieten. Diese will die vier Wohnungen für die Unterbringung von intensiv-pflichtigen Patienten nutzen, die mit einer Tracheal-Kanüle beatmet werden.

Dies allein sei aber kein hinreichender Grund, auf die gemäß Stellplatzsatzung erforderlichen sechs Pkw-Stellplätze zu verzichten, wandte Gemeinderätin Antje Kopp (FCW Aschach) ein. Sie wisse aus eigener Berufspraxis, dass auch beatmete Patienten durchaus Auto fahren würden. Außerdem müssten ausreichend Stellplätze für mögliche Besucher vorgehalten werden.

Diese Aussage führte zu einer längeren Diskussion im Ratsgremium, bis Gemeinderat Christian Horn (CSU, Bad Bocklet) schließlich vorschlug, sich doch auf einen Kompromiss zu einigen und statt der vom Bauherrn gewünschten zwei und der nach Satzung erforderlichen sechs wenigstens vier Stellplätze zu fordern. Diesem Vorschlag entsprechend, genehmigte der Gemeinderat einstimmig den Neubau eines weiteren Bungalows trotz einer Baugrenzenüberschreitung um mehr als zwei Meter, forderte aber, vier Pkw-Stellplätze einzurichten. Nur Gemeinderätin Antje Kopp war auch mit diesem Kompromiss nicht einverstanden und stimmte dagegen.

Da die Errichtung des Wohnparks 55plus auf dem über zwei Hektar großen Grundstück gut vorangeht, wurde es erforderlich, die ursprüngliche Widmung der Erlöserschwestern-Straße dem Baufortschritt anzupassen und entsprechend zu berichtigen. Im November 2003 war nur eine Straßenlänge bis zu 190 Metern mit abschließendem Wendehammer zur Ortsstraße gewidmet worden. Später wurde aus dem Wendehammer eine Ringstraße. Inzwischen ist die Straße auf 355 Meter ausgebaut, weshalb die veraltete Widmung berichtigt werden musste.

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