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Stockheim
Handwerk

Im Handumdrehen entstehen Kunstwerke

In wenigen Augenblicken entsteht in der Werkstatt aus einem Stück Holz ein Tannenbaum. Hilmar Späth zeigte Tipps und Tricks.
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Interessiert schauen die Hobbydrechsler Hilmar Späth beim Drechseln zu. Björn Hein
Interessiert schauen die Hobbydrechsler Hilmar Späth beim Drechseln zu. Björn Hein
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Hilmar Späth ist hochkonzentriert. Vor ihm dreht sich gleichmäßig das Stück Fichtenholz, das er vor wenigen Augenblicken in die Drechselbank eingespannt hat. Den Flachmeißel hat er bereits in der Hand, mit einem letzten prüfenden Blick schätzt er das Werkstück ab und setzt das Werkzeug an. Routiniert drückt er dieses in das sich drehende Holz, jetzt heißt es, keinen Fehler zu machen. Doch Späth ist routiniert: Er setzt den geschärften Stahl an, Spähne fliegen durch den Raum und mit leichtem Druck erhält das Werkstück eine elegante Form. Wenige Augenblicke später stoppt er die Maschine und entnimmt der Werkbank einen kleinen gedrechselten Weihnachtsbaum. Die Zuschauer im Werkraum in Stockheim sind begeistert. Ihnen allen gemein ist, dass sie Hobbydrechsler vom Dreiländer-Drechsel-Treff sind. Regelmäßig kommen sie in verschiedenen Werkstätten zusammen, tauschen sich aus und geben so ihr Wissen um die Holzbearbeitung weiter. Wortwörtlich im Handumdrehen entstehen hier kleine Kunstwerke. Doch Hilmar Späth, der extra aus Großheirath bei Coburg für den heutigen Abend angereist ist, hat natürlich noch mehr Formen und Ideen mitgebracht: gerade drechselt er eine Glocke, wobei dem Zuschauer die wunderbar glatten Flächen auffallen, die man nur beim Drechseln so perfekt hinbekommt.
"Heute werden verschiedene Techniken gezeigt, die aus dem Erzgebirge stammen. Dort hat die Spielzeugherstellung aus Holz eine jahrhundertealte Tradition", erklärt Andreas Scholl, der bereits bei der Gründung des Stammtischs im Dezember 2008 dabei war und bis heute in seiner Freizeit begeistert drechselt. Mit ihm stehen in der Werkstatt rund 25 Personen, die Hilmar Späth genau auf die Finger schauen und wie er und Scholl Hobbydrechsler sind. Im Vorraum hat Späth einige seiner Arbeiten aufgebaut: von Schneemännern aus Holz über Engelsfiguren bis hin zu kleinen, liebevoll gestalteten Tannenbäumen reicht hier die Palette. Und man ist als Laie erstaunt, was mit einer einfachen Drechselbank und einigen Röhren und Meißeln, wie die Werkzeuge des Drechslers genannt werden, so alles erzeugt werden kann. Bearbeiten kann man jede Art von Holz, sei es nun Weich- oder Hartholz. "Für die Spielzeugherstellung wurde und wird aber sehr gerne Fichtenholz verwendet, das sich sehr gut bearbeiten lässt", merkt Späth fachkundig an. Langfasrig ist dieses Holz, so dass man der Wuchsrichtung bei der Arbeit Rechnung tragen muss. "Man braucht schon ein Auge dafür, bevor man den Meißel ansetzt", so der Drechsler. Aber hat man den buchstäblichen Dreh einmal raus, so geht die Holzbearbeitung leicht von der Hand.
Hilmar Späth ist von der langen Tradition der Spielzeugherstellung im Erzgebirge fasziniert. In jedem Jahr macht er dort mindestens einen Drechselkurs mit und hält sich so auf dem Laufenden. Denn auch wenn er schon ein "alter Hase" ist - man lernt nie aus. Und auch die Zuschauer lernen an diesem Abend noch allerhand hinzu. Die Hobbydrechsler vom Dreiländer-Drechsel-Treff stammen aus Hessen, Bayern und Thüringen, die Altersstruktur ist sehr gemischt: zahlreiche ältere Drechsler sind hier, aber auch viele junge. Die Faszination für dieses Hobby geht ebenso durch alle sozialen Schichten: so sind Handwerker hier ebenso zu finden wie Rettungssanitäter, Arbeiter, und auch ein pensionierter Gymnasiallehrer. Hilmar Späth ist Rentner und war in seinem Berufsleben Lkw-Fahrer. "Für mich war dieses Hobby immer ein sehr schöner Ausgleich. Bis heute hat mich die Faszination für das Drechseln nicht losgelassen", sagt Späth.
Und auch preislich liegt das Hobby noch im Rahmen. "Für eine Tischdrechselbank muss man rund 370 Euro rechnen, ein Satz vernünftiger Werkzeuge kostet rund 320 Euro und wenn man noch eine gute Schleifmaschine hat, die rund 300 Euro kostet, dann kann man loslegen. Alles in allem kostete eine gute Ausrüstung an die 1000 Euro", rechnet Andreas Scholl zusammen. Er weiß aus Erfahrung, dass das Drechseln in Deutschland gerade in Mode kommt, in England ist der Hype um dieses Hobby noch größer.
Wie kommt man eigentlich darauf, mit dem Drechseln anzufangen? Carmen Scholz, die heute am DDT-Stammtisch teilnimmt, ist bei einem Adventsmarkt darauf aufmerksam geworden. "Hier führte ein älterer Herr an der Drehbank sein Können vor. Das hat mich sehr fasziniert", erinnert sich die Geroderin, die im Berufsleben als Pflegerin arbeitet. Lange Zeit ging ihr das Drechseln nicht aus dem Kopf, so dass sie sich letztendlich entschloss, einen Drechselkurs an der VHS in Bad Kissingen zu besuchen. Auch ihr Mann nahm hieran teil und nun teilen sich beide dieses schöne Hobby. "Man kommt richtiggehend in ein Drechselfieber. Die Holzbearbeitung an der Drechselmaschine macht viel Spaß und es ist immer wieder faszinierend, was man hier für Gegenstände schaffen kann", ist Dietmar Scholz begeistert. Die Kreativität, die man hier ausleben kann, macht beiden Freude. Mittlerweile hat das Ehepaar zwei Drechselmaschinen und ist mit viel Spaß bei diesem Hobby dabei. Beide finden es sehr schön, sich auf dem DDT-Stammtisch mit Gleichgesinnten über das Drechseln auszutauschen und so immer wieder neues hinzuzulernen. Und zum Austauschen ist nach der Vorführung von Hilmar Späth bei einem Besuch in der Dorfschänke in Stockheim noch reichliche Gelegenheit. Denn auch die Geselligkeit kommt beim Dreiländer-Drechsel-Treff nicht zu kurz.
Wer einmal selbst ausprobieren will, ob das Drechseln das richtige Hobby für ihn ist, der kann unverbindlich bei einem DDT-Stammisch vorbeischauen oder einen VHS-Kurs belegen. Weitere Informationen gibt es unter ddt-hobbydrechsler.npage.de

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