Bad Kissingen
Landtagswahl

Im Gespräch mit dem Bad Kissinger FDP-Kandidaten Hans-Joachim Hofstetter

Seit 2009 engagiert sich Augenarzt Dr. Hans-Joachim Hofstetter in der FDP, heuer tritt er bereits zum zweiten Mal bei der Landtagswahl an.
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Hans-Joachim Hofstetter ist spät und auf Umwegen zu den Liberalen gekommen: "Früher habe ich SPD gewählt, dann CSU, jetzt bin ich bei der FDP", erzählt der 60-Jährige. Erst 2009 begann er, sich selbst politisch zu engagieren, 2010 wurde er Kreis-Vorsitzender, 2013 kandidierte er zum ersten Mal für den Landtag, 2014 zog er in den Bad Kissinger Stadtrat ein. "Man darf nicht nur meckern und jammern, sondern muss bereit sein, etwas zu tun", lautet seine Devise.

Als Kind von Heufurt nach Hausen

Hans-Joachim Hofstetter ist gebürtiger Rhöner, aber viel herum gekommen: Im Januar 1958 wurde er in Heufurt geboren, das heute zu Fladungen gehört. Aufgewachsen ist er in Hausen/Rhön. Der Vater war als Getränkehändler selbstständig. "Ich ging als Jugendlicher auch mit von Haus zu Haus", erinnert sich Hofstetter. Eigen-Verantwortung und Initiative seien in der Familie immer groß geschrieben worden. Der Vater war CSU-Mitglied, der Sohn von Helmut Schmidt begeistert. "Seinetwegen habe ich SPD gewählt", erzählt er. Schmidt und der spätere FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher sind bis heute seine großen Vorbilder. "Die Politik heutzutage besteht hauptsächlich aus Tagespolitik", kritisiert er den aktuellen Politik-Betrieb, und: "Man diskutiert Klein-Klein, statt große Perspektiven zu entwickeln."

Nach der Zeit im Münnerstädter Kloster-Seminar ging Hofstetter 1976 zur Bundeswehr, erst in Mellrichstadt, danach in der Lüneburger Heide. Eigentlich wollte er Informatik studieren, allerdings wurde daraus ein Medizinstudium und eine Verwendung als Sanitätsoffizier. Nach 20 Jahren bei der Truppe schied Hofstetter 1996 mit dem Facharzt für Augenheilkunde in der Tasche aus. Durch Zufall übernahm er eine Augenarzt-Praxis in Bad Kissingen. 2012 gab er dann allerdings seine Kassen-Zulassung zurück. Seitdem arbeitet er mit einer halben Stelle im Medizinischen Versorgungszentrum und kümmert sich ansonsten in einer eigenen Praxis um Privat-Patienten.

Zur Politik kam Hofstetter dann auch über die Standesvertretung: Über eine eigene Liste wurde er in den Vorstand der Bayerischen Ärztekammer gewählt. Mit der CSU habe er in der Zeit von Horst Seehofer als Gesundheitsminister gebrochen: "Vieles, über das wir heute klagen, ist auf ihn zurück zu führen", sagt Hofstetter. Gesundheitspolitik bleibt ihm wichtig: "Ich will dafür sorgen, dass die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum gesichert bleibt." (Siehe Info-Kasten). Zur FDP kam er auch wegen des gesundheitspolitischen Programms der FDP bei der Bundestagswahl 2009, aber: "Was die FDP dann aus ihrer Regierungsbeteiligung gemacht hat, hat mich enttäuscht."

Ungewöhnlich an Hofstetters Kandidatur ist eine Aussage zu den Bezügen: "Wenn ich in den Landtag gewählt werde, verspreche ich, dass ich von der Abgeordnetenentschädigung jeden Monat 50 Prozent plus einen Euro für gemeinnützige Zwecke spenden werde." Hofstetter lebt seit langem getrennt von seiner Frau, mittlerweile in einer Beziehung mit Tamara Schumm, die für die FPD für den Bezirkstag kandidiert. Er hat keine Kinder.

Neben Politik begeistert sich Hofstetter für Tischtennis, Kochen, Sprachen und Schach. Bereits am Münnerstädter Gymnasium habe er Schach gespielt, 1973 trat er in den Schach-Club Bad Neustadt ein. Bei der Bundeswehr wurde er Deutscher Meister, mit dem Team holte er sich den Weltmeister-Titel im Fernschach. In Bad Kissingen organisierte Hofstetter im vergangen Jahr ein Schach-Turnier mit mehreren Großmeistern.

Mit der Schule nach Frankreich

Wichtig ist Hans-Joachim Hofstetter auch die Völkerverständigung: "Es war eine bereichernde Erfahrung, mit 15 zum ersten Mal in Frankreich zu sein", erinnert er sich an den Schüleraustausch. Bis heute habe sich die Freundschaft gehalten.

Politische Positionen von Hans-Joachim Hofstetter Gesundheit Als Arzt ist Hofstetter die Gesundheitspolitik besonders wichtig. Über die Kassenärztliche Vereinigung könne auch die Landespolitik Einfluss nehmen. "Mit Fachärzten sind wir gut versorgt, das Problem ist die hausärztliche Versorgung", fasst er die Situation im Landkreis Bad Kissingen zusammen. Vor allem die Altersstruktur mache ihm Sorgen. Gerade in Universitätsstädten gebe es eine Überversorgung, weil viele Ärzte nach dem Studium dort bleiben wollen. Deshalb müsse es Anreize für Ärzte im ländlichen Raum geben. Als falschen Weg erachtet Hofstetter die zentrale Notfall-Praxis im Elisabeth-Krankenhaus. Hofstetter fordert stattdessen mehr Eigenständigkeit für Mediziner: "Wir sollten Zusammenarbeit fördern, aber nichts zentralisieren." Bei den Krankenhäusern dagegen seien größere Häuser sinnvoller, lediglich im geriatrischen Bereich brauche es eine flächendeckende Grundversorgung. Für die Rückkehr einer Geburtsstation nach Bad Kissingen plädiere er jedenfalls nicht.

Glücksspiel Im Widerspruch zum FDP-Parteiprogramm will Hofstetter unbedingt am Glücksspiel-Staatsvertrag festhalten. Es handle sich um ein ordnungspolitisches Instrument: Die Kommunen mit staatlichem Casino und der Freistaat würden durch Abgaben und Arbeitsplätze insgesamt mehr profitieren als drauf gezahlt werde.

Bildung Bildungspolitik sei eines der Kernthemen: Hofstetter fordert schlichtweg die "weltbeste Bildung" für Bayern. Kindergärten, die komplette Schullaufbahn und die Ausbildung sollten kostenlos sein, insbesondere solle das Schulgeld für Physiotherapeuten abgeschafft werden.

Soziales "In Deutschland geht es uns gut wie nie", sagt Hans-Joachim Hofstetter. Trotzdem sieht auch er eine "soziale Schere", es gebe Gewinner und Verlierer. Hofstetter kann sich durchaus höhere Sozialleistungen vorstellen: "Ich fände es besser, wenn man den Menschen mehr geben würde, aber auf der anderen Seite auch mehr fordert."

Migration Im Jahr 2015 engagierte sich Hofstetter von Beginn an in Helferkreisen für Flüchtlinge in Bad Kissingen, wurde dafür sogar von der Staatsregierung ausgezeichnet. "Die Flüchtlings- und Migrationspolitik sollte auch in Bayern ein menschliches Antlitz haben", fordert er mehr Offenheit, und: "Wir brauchen ein vernünftiges Einwanderungsrecht." Auch wegen des Fachkräftemangels in Deutschland hält er die Möglichkeit eines "Spurwechsels" vom Asyl- ins Einwanderungsgesetz für wichtig. "Weshalb sollen wir Menschen abschieben, die hier Fuß gefasst haben?" Angst vor Überfremdung hält er für nicht gerechtfertigt, es dürften nur die Fehler aus dem Umgang mit einigen Gastarbeiter-Gruppen nicht wiederholt werden.

Digitalisierung Gerade für die regionale Wirtschaft sei der weitere Ausbau des Glasfaser-Netzes wichtig. Auch Funklöcher auf dem Land müssten dringend geschlossen werden. rr

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