Rottershausen
Festival

Zum Zehnjährigen des "Lutzi"-Festivals: "Donots"-Bassist über fränkisches Bier, Lötzinn und Rockstar-Klischees

Die "Lutzi" in Rottershausen feiert dieses Jahr zehnjähriges Bestehen. Auch ein Live-Act hat Grund zum Feiern: Die "Donots" feiern 25-jähriges Bandbestehen.
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Jan-Dirk Poggemann stand dieser Redaktion Rede und Antwort zu seinem Dusch-Hörtipp, Rockstarklischees und seinen "Lutzi"-Erfahrungen. Foto: Jan-Dirk Poggemann (Selfie)
Jan-Dirk Poggemann stand dieser Redaktion Rede und Antwort zu seinem Dusch-Hörtipp, Rockstarklischees und seinen "Lutzi"-Erfahrungen. Foto: Jan-Dirk Poggemann (Selfie)
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2016 gastierten sie zuletzt auf der "Lutzi" in Rottershausen - und zum Zehnjährigen von "ab geht die Lutzi!" (13. bis 15 Juni 2019) kommen sie zurück: die "Donots". Die Punk-Rocker aus Ibbenbüren haben seitdem ein neues Album herausgebracht und feiern ihr 25-jähriges Bestehen als Band. Im Interview spricht Bassist Jan-Dirk Poggemann darüber, warum er Rottershausen mit Lötzinn verbindet und weshalb er nichts vom Rockstar-Klischee hält.

Ihr seid zuletzt 2016 auf der "Lutzi" in Rottershausen aufgetreten - erinnert ihr euch als Band noch an den Auftritt?

Jan-Dirk Poggemann: Ja klar, auf jeden Fall. Ich mache immer die Vlogs - also die Video-Blogs - für unsere Band. Was mir im Gedächtnis geblieben ist, ist das Vereinsheim mit den alten Bildern von den Fußballmannschaften aus den 80er Jahren. Es war ein sehr angenehmer Nachmittag. Damals hatten wir noch einen Keyboarder dabei. Sein Instrument ging bei der vorherigen Show kaputt. Er hat es dann im Bus repariert und musste sich dafür Lötzinn besorgen. Wir sind nach dem Auftritt von der Bühne runter und haben uns gesagt "wir kommen wieder".

Hat die Band einen längeren Aufenthalt eingeplant? Immerhin gibt es auf dem Kloster Kreuzberg gutes Bier, oder spielt ihr nur euren Aufritt?

Das klappt leider nicht, weil wir am Tag vorher schon spielen. Das ist schade, einmal wegen des Bieres (lacht) und dann noch Mal wegen der Leute auf dem Festival. Wir haben nämlich gern Kontakt mit den Fans. Wir kommen am Samstagmorgen an, sind dann zumindest den ganzen Tag auf dem Festival, spielen unseren Auftritt und müssen dann nachts wieder weiter.

Die "Lutzi" ist relativ familiär - sind euch große oder kleine Festivals lieber?

Für das "da sein" als Band sind generell Kleinere angenehmer. Man hat meistens schnell seinen Verantwortlichen gefunden und kurze Wege zu den Ansprechpartnern. Außerdem lassen sich dort relativ einfach Bands anschauen. Bei den größeren Rockfestivals wie Rock am Ring läuft man sich dagegen schon mal die Füße wund. Allerdings ist dort die Band-Auswahl größer. Das macht es schwieriger, sich in Ruhe eine Band anzuschauen. Ideal sind daher die Mittelschicht-Festivals wie die "Lutzi". Das hat eine schöne Größe, es ist familiär und total spaßig, dort zu spielen.

Was ist deine Lieblingsfestivalerinnerung?

Als wir "Rock am Ring" auf dem neuen Gelände eröffnet haben. Erst war alles leer, dann hat der Veranstalter den Platz geöffnet. Das war dann wie bei "Game of Thrones" oder "Herr der Ringe": Die Leute sind in Massen rein geströmt. Wenig später war der Platz voll mit 60 000 bis 70 000 Menschen. Das war der totale Abriss. Unseren ersten Song haben wir mit drei Schlagzeugern gespielt. Neben unserem Schlagzeuger war noch Bela B. von den "Ärzten" und Flo von "Sportfreunde Stiller" dabei.

Das klingt verrückt! Auf der "Lutzi" gab es bei eurem letzten Auftritt außerdem ein Zeltplatzkonzert - habt ihr das wieder vor?

Sowas machen wir immer spontan. Uns fällt eigentlich immer irgendein Quatsch ein (lacht). Da ist wirklich nichts in Stein gemeißelt, wir richten uns da ein bisschen danach, was eben gerade los ist.

Die Nähe zu den Fans ist euch wichtig - wie passt das zum Klischee eines unnahbaren Rockstars?

Ich glaube, dass wir dem Klischee nie entsprochen haben. Die Rolle können andere spielen. Bei uns geht es darum, auf die Bühne zu gehen und eine gute Zeit mit den Leuten zu haben. Das gilt Gott sei Dank für uns alle. Wir würden nie auf die Idee kommen, bis kurz vor dem Auftritt im Hotel zu bleiben, schnell zu spielen und wieder abzuhauen. Wir wollen wissen wie der Veranstalter tickt, welche Leute da sind, welche Bands dort sind. Natürlich wird man dabei ab und an zugetextet. Aber eigentlich macht das Bock. Ich finde es gut, weil wir dadurch ungefilterte Meinungen zu hören bekommen. Die aktuellen Auftritte stehen ja unter dem Motto des 25-jährigen Band-Bestehens. Wir wollen es bei den Auftritten den alten, wie auch den jungen Fans recht machen. Unsere Setlist wird eine Zeitreise durch die Bandgeschichte.

Du hast eben euer 25-jähriges Bestehen angesprochen. In dieser Zeit waren mehrere eurer Alben in den Charts. Das zeigt: "Punk's not dead". Was kommt noch alles von euch?

Ja (lacht), das ist eine gute Frage. Wir haben jetzt die Hallenkonzerte zum 25-jährigen Bestehen hinter uns. Für eine Band wie uns war es ein Traum, in der ausverkauften Columbiahalle in Berlin zu spielen. Danach haben wir gemeinsam einen Bandurlaub gemacht. Jetzt bereiten wir uns auf den Sommer vor. Nach der Festivalsaison ruhen wir uns erstmal aus. Dann schauen wir mal, ob wir den Ball flach halten und die Wunden lecken. Es war zwar super bisher, aber echt anstrengend.

Das klingt nach schweißtreibender Arbeit. Was ist dein Hörtipp für die kalte Dusche?

Boah, warte mal einen Moment. Ich schaue kurz, was ich zuletzt gehört habe. Ich bin bei sowas echt schlecht (lacht). Was ich unter der Dusche hören würde, wäre das Album "Four" von der Band "Bronx". Die sind aber auch live echt gut (lacht). Die Band reißt sich den Hintern auf bei ihren Auftritten. Und ihre Energie macht wach, prügelt einen sozusagen aus der Hitze-Lethargie. Ansonsten empfehle ich die "Leoniden", das sind gute Freunde von uns, die sehr coole Musik machen.

Ihr macht Punk-Rock. Braucht es denn in der heutigen Zeit noch das rebellische der Punks in der Musik und Gesellschaft?

Ja, mehr denn je. Wobei dabei gilt, dass es nicht das Ziel ist, einfach "anti" zu sein. Wichtig ist es kritisch zu sein und nachzudenken. Als wir mit Punk sozialisiert wurden, gab es auch schon dieses "gegen alles sein". Wir sind mit dem US-Punk aus Kalifornien großgeworden. Wir haben damals bei den Bands angefragt, ob wir vor ihnen spielen dürfen, die Reaktion war meistens ein "Ja, klar!". Das Gemeinschaftliche stand eben im Vordergrund. Wir sind zwar keine Politband, aber hier und da stoßen wir ein paar Themen zwischen den Songs an. Die Leute sollen eine geile Zeit haben und auf dem Nachhauseweg mal über das Gesagte nachdenken.

Du hast gerade das Bühnenerlebnis angesprochen. In eurer Karriere wart ihr schon mit einigen großen Nummern des Punk-Rocks unterwegs. Darunter C.J. Ramone von den Ramones, Flogging Molly, Anti-Flag und Co. Mit wem würdet ihr gerne mal auf Tour gehen?

Wir haben uns echt schon eine Menge unserer Träume erfüllt. Irgendwann haben wir uns gesagt, wenn wir mit Bad Religion auftreten, dann können wir uns auflösen (lacht). Das kam dann doch relativ schnell. Mittlerweile sind wir mit unseren Idolen sogar befreundet. Ich weiß es wirklich nicht, mit wem ich gerne mal auftreten würde. Ich könnte die "Foo Fighters" nennen, aber eigentlich ist alles gut so, wie es ist. Was passiert, passiert - was nicht passiert, passiert eben nicht. Ich bin happy darüber, wie es aktuell ist.

Das Gespräch führte: Johannes Schlereth

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