Bad Kissingen
Verhandlungen

Hürden für neuen Reitersteg

Beim Reiterverein Bad Kissingen gibt es Bedenken den Altenburger Steg zu bauen und zu betreiben. Der Vorstand wurde mit Nachverhandlungen beauftragt.
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Historische Aufnahme: Der auch neuer Reitersteg genannte Altenburger Steg wurde von der Stadt 2015 abgebaut. Jetzt soll ein neuer gebaut werden. Siegfried Farkas
Historische Aufnahme: Der auch neuer Reitersteg genannte Altenburger Steg wurde von der Stadt 2015 abgebaut. Jetzt soll ein neuer gebaut werden. Siegfried Farkas
Reiter und Spaziergänger haben den 2015 abgebauten Altenburger Steg schmerzlich vermisst. Jetzt besteht zwar die echte Chance auf Ersatz. Doch es tun sich Hürden auf. Reiterverein, Stadt und ein Privatmann steuern dem Vernehmen nach an, den vor zweieinhalb Jahren abgerissenen Steg zwischen Oberer Saline und Altenburger Haus doch wieder zu ersetzen. Der Reiterverein soll nach dem aktuellen Stand der Absprachen Eigentümer und Bauherr des neuen Stegs werden.


Zuschuss von der Stadt

Die Stadt würde einen Zuschuss leisten, 80 000 Euro sind nach Angaben des Reitervereins Anfang des Jahres vorsichtshalber in den Haushalt eingestellt worden. Dazu käme die Spende eines Privatmanns, dessen Pläne zur Pferdehaltung in der Nähe durch den Steg interessanter werden. Die Mitglieder des Reitervereins sind aber mit dem Stand der Absprache nicht ganz zufrieden. Sie wünschen sich von ihrem Vorstand Nachverhandlungen mit der Stadt.
Florian Scheurer, Vorsitzender des Reitervereins, konnte aus beruflichen Gründen nicht an der außerordentlichen Versammlung teilnehmen, die den Wunsch auf Nachverhandlung formuliert hat (Bericht dazu an anderer Stelle), und will erst einmal abwarten, was ihm seine Vorstandsmitglieder dazu berichten. Scheurer ist aber grundsätzlich bereit, den Gesprächsfaden mit der Stadt im Sinne der Mitgliederversammlung fortzuführen. Hauptthema sind jährliche Folgekosten, die dem Verein entstünden, weil er Bauherr und Eigentümer eines Stegs auf staatlichem Grund wird, der gleichzeitig eine öffentliche Funktion im Wegenetz der Stadt erfüllt.


Öffentlicher Weg über privaten Steg

Für die Stadt bestätigte Pressesprecher Thomas Hack am Mittwoch zwar, dass es Gespräche gebe. Zu Einzelheiten mochte er sich aber nicht äußern. Sollte die Stadt tatsächlich mit einem Zuschuss fördern, dass der neue Reitersteg eine private Einrichtung wird, muss sie sicherstellen, dass öffentliche Nutzung in jedem Falle möglich bleibt. Ähnliche Interessen müsste auch der Freistaat als Eigentümer des betreffenden Areals haben.
Profitieren würden von einer Einigung alle Beteiligten. Der Reiterverein hat bereits mehrfach betont, wie wichtig ein schneller Ersatz für den Steg zur Sicherung des Fortbestands seiner Arbeit ist. Der potenzielle private Spender gewänne damit für seine geplante Pferdehaltung an Reichweite. Von ihm heißt es aber immer wieder, dass er nicht ewig auf eine Lösung warten will.
Die Stadt schließlich könnte durch eine tragfähige Vereinbarung eine selbst gerissene Lücke in der Kissinger Erholungsinfrastruktur schließen, die dem Rathaus viele Bürger übel genommen haben. Der frühere Steg wurde und ein neuer würde bestimmt auch von Fußgängern gerne genutzt.


Einstmals zwei Reiterstege

Der Altenburger Steg genannte Neue Reitersteg stand unmittelbar westlich der Reitanlage an der Oberen Saline. Er wurde im Dezember 2015 bis auf die Widerlager abgebaut. Der Alte Reitersteg war sogar bereits ein Jahr davor verschwunden. Er überspannte die Saale weiter südlich, nahe der Innenstadt. Für diesen Steg kam durch private Initiative einstmals sogar ein fünfstelliger Spendenbetrag zusammen. Das Ansinnen, ihn zu erneuern, hatte trotzdem keine Chance auf Verwirklichung.


Aus der Versammlung

Die Mitglieder des Reitervereins waren zu einer außerordentlichen Sitzung in Reiterstüble der Reitanlage an der oberen Saline geladen. "Auf der Tagesordnung standen "Bericht und Beschlussfassung über den Wiederaufbau des Altenburger Stegs, die Nachwahl des 2. Vorsitzenden und eine Satzungsänderung. Nachdem sich der 1. Vorsitzende Florian Scheurer aus beruflichen Gründen entschuldigen ließ, berichtete Schriftführer Marcus Lipsius über den Stand der Verhandlungen über das Großprojekt "Altenburger Steg".


Reiterverein als Bauherr und Betreiber?

Die Entwurfsplanung für einen neuen Steg über die Saale, der den abgerissenen Altenburger Steg ersetzen soll, liegt jetzt vor, so Lipsius. Die seinerzeitige Mitgliederversammlung hatte das Vorhaben, unter bestimmten Voraussetzungen in einem festgelegten Kostenrahmen von 190 000 Euro abgesegnet und den 1. Vorsitzenden beauftragt, die Baumaßnahme mit der Stadt zu besprechen. "Die Finanzierung soll über ein Erbe des Vereins, einen Zuschuss der Stadt Bad Kissingen sowie eine private Spende sichergestellt werden.

Weil der Steg nicht nur vom Reiterverein genutzt werden wird, sondern als öffentliche Brücke im Wegenetz der Stadt eingetragen ist, seien bereits 80 000 Euro als Zuschuss zur Baumaßnahme in den städtischen Haushalt 2018 eingestellt. Inzwischen seien jedoch Folgekosten von jährlich mindestens 1500 Euro für vorgeschriebene Sicherheitskontrollen und für diverse Versicherungen zu berücksichtigen, die der Reiterverein - sollte er wie vorgesehen Bauherr und Eigentümer des Stegs werden -, zu tragen hätte. Auch dafür seien zwar Rückstellungen gebildet worden, aber der von der seinerzeitigen Versammlung genehmigte Kostenrahmen sei damit überschritten, was diese außerordentliche Sitzung erforderlich machte, erklärte Lipsius. Diese für die Mitglieder neue Situation führte zu grundsätzlichen Diskussionen, ob der damalige Beschluss noch zu halten sei.


Pro und Contra

Dabei wurde deutlich, dass die knapp zwei Dutzend anwesenden Mitglieder sich bewusst waren, dass es bei der Abwägung: Brücke ja oder nein, um eine Existenzfragen des Vereins geht. So verlockend das Angebot der Stadt und die gesicherte Finanzierung auch sei: Der Verein könne sich endlich weiter entwickeln, man könne wieder mal ein lukratives Turnier auf dem eigenen Gelände veranstalten, weil dann Parkflächen auf der Wiese zur Verfügung stehen, attraktive Strecken für den Ausritts seien wieder gegeben, was neue Mitglieder mit Einstellpferden anlocke, die Stadt habe auch einen längerfristigen Pachtvertrag in Aussicht gestellt, was Planungssicherheit bedeute. "Jetzt oder nie", war eine der Aussagen der Befürworter der Brücke.

Dem steht die massive Verantwortung gegenüber, die ein kleiner Verein zu tragen habe, der für Baulast und Folgekosten einer Brücke zuständig ist, die häufiger von Einwohnern und Gästen, als von Reitern benutzt werde. Wer soll die tägliche Verantwortung -auch im Winter- übernehmen, war eine andere Meinung zu hören?

Die Versammlung beauftragte nach emotionalen, aber stets fairen Diskussionen Marcus Lipsius, die Argumente zusammenzufassen und eine Vereinbarung zu formulieren, die dem Vorstand vorgelegt werden soll. Darin heißt es: "Die Mitglieder und die Vorstandschaft sind überzeugt, dass ein neuer Reitersteg für den Verein ein positives Zeichen wäre und vor allem für Freizeitreiter ein Gewinn wäre, der die Reitanlage deutlich aufwertet. Jedoch gibt es auch kritische Punkte. Unter anderem kritisch sehen der Vorstand und die Mitglieder, dass die Stadt Bad Kissingen als Voraussetzung für den Zuschuss die Bauherrschaft, sowie die Eigentümerschaft des Bauwerkes an den Verein abgeben möchte. Somit wären auch die laufenden Kosten für Sicherheitsüberprüfungen, Instandhaltungen und Verkehrssicherung Aufgabe des Vereins. Zudem hat der Pachtvertrag in seiner aktuellen Fassung nur eine Laufzeit von zwölf Monaten. Aus diesem Grund fassten die Mitglieder den Beschluss, dass der Vorstand in eine Nachverhandlung mit Vertretern der Stadt Bad Kissingen treten soll um diese Punkte auszuräumen. Sollten diese Hürden aus dem Weg geräumt werden können, geben die Mitglieder das Geld für die Investition in einen neuen Reitersteg frei".

Die restlichen Punkte der Tagesordnung waren dann schnell abgehandelt: Nachdem der bisherige 2. Vorsitzende Dieter Dietrich aus gesundheitlichen Gründen um seine Entlassung aus dem Amt gebeten hatte - wurde Timo Sitte aus Bad Brückenau einstimmig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Auch die "EU Datenschutz Grundverordnung" wurde einstimmig in die Satzung aufgenommen. Siegfried Farkas und Werner Vogel


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