Bad Kissingen
Gratulation

"Hotelier ist meine Berufung"

Hotelier Heinz Stempfle feiert 80. Geburtstag. Ein Rückblick auf sein Leben macht deutlich: Er würde jederzeit wieder Hotelier werden.
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BHG-Bezirksvorsitzender Heinz Stempfle vor seinem Westpark-Hotel in Bad Kissingen. Am Samstag, 6. Juli, feiert der Hotelier seinen 80. Geburtstag.Sigismund von Dobschütz
BHG-Bezirksvorsitzender Heinz Stempfle vor seinem Westpark-Hotel in Bad Kissingen. Am Samstag, 6. Juli, feiert der Hotelier seinen 80. Geburtstag.Sigismund von Dobschütz

Seit Jahrzehnten ist der Name Heinz Stempfle mit der Hotellerie Bad Kissingens und des Landkreises eng verknüpft. Am Samstag, 6. Juli, feiert der noch immer aktive Seniorchef des Westpark-Hotels im Rosenviertel seinen 80. Geburtstag. Erst kürzlich wurde der mit mehreren Branchen-Ehrenzeichen und dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnete Hotelier ein weiteres Mal als Vorsitzender des Bezirks Unterfranken im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt.

Eigentlich wäre Stempfle gern Buchhändler geworden. Aber 1939 im Staatsbad Bad Kissingen geboren, inmitten der Vielzahl von Kliniken und Sanatorien, Kurbetrieben und Hotels aufgewachsen und mit einem Würzburger Gastronom als Onkel, erlernte er dann doch den Beruf des Hotelkaufmanns. Nach über 60 Jahren in der Hotellerie, die ersten drei Jahrzehnte als Angestellter, die folgenden drei als selbstständiger Hotelier in seiner Heimatstadt, sagt er noch immer: "Hotelier ist meine Berufung."

Vom Empfangschef zum Hoteldirektor

Seine Hotelkarriere lässt sich in sechs Dekaden einteilen: Nach Realschulabschluss, Hotelfachschule in Bad Reichenhall und Lehre im einstigen Bad Kissinger Hotel "Vier Jahreszeiten" (Bismarckstraße) wurde er dort 1957 für die sommerliche Kursaison als Empfangschef übernommen, während er in den Wintermonaten im Nürnberger "Kaiserhof" oder als Steward auf dem britischen Kreuzfahrtschiff "New York" arbeitete. Nach diesen über zehn Anfängerjahren übernahm ihn das "Vier Jahreszeiten" 1968 als Hoteldirektor. Nach einer weiteren Dekade wechselte Stempfle 1978 zum benachbarten Hotel "Bristol". Wiederum zehn Jahre später erwarb der knapp Vierzigjährige das kleine Sanatorium Werlich-Barié in der Rosenstraße und verband es knapp zehn Jahre später mit dem 1996 hinzugekauften "Westpark-Hotel".

Wellness statt Resignation

Unmittelbar nach dem Kauf des Nachbarhauses und der Verdoppelung der Kapazität auf nun 44 Zimmer, blieben nach Inkrafttreten der großen Gesundheitsstrukturreform plötzlich die ambulanten Kurgäste aus, die wichtigste Gästegruppe dieses und aller anderen kleinen Kurhotels. "Wir hatten einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent", erinnert sich Stempfle nur ungern an das Folgejahr 1997. Doch statt wie mancher seiner Kollegen zu verzagen und irgendwann aufzugeben, investierte der "Hotelier aus Berufung" noch einmal in die Infrastruktur seines Hauses und wandelte mit tatkräftiger Unterstützung von Ehefrau Edda (80) und bald auch seines Sohnes Bernd (47) das klassisches Kurhotel binnen weniger Jahre in ein auf neue Gästegruppen ausgerichtetes Hotel mit Wellnessangeboten. "Gerade in schwieriger Situation muss man mit beiden Beinen fest auf dem Boden bleiben", hatte Stempfle schon als jugendlicher Schiffssteward bei Orkanfahrten gelernt.

Zahlreiche Ehrenämter

Trotz seiner 80 Lebensjahre kann Heinz Stempfle bis heute nicht von der Hotellerie lassen und genießt tagtäglich seine Rolle als Gastgeber. Zusätzlich zum anstrengenden Tagesgeschäft versieht er seit Jahrzehnten auch noch einige Ehrenämter: Seit 45 Jahren ist Stempfle Vorsitzender des Bad Kissinger Kur- und Fremdenverkehrsvereins, seit 30 Jahren Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG), vor 20 Jahren wurde er zunächst stellvertretender Vorsitzender im BHG-Bezirksverband Unterfranken, 2015 dann schließlich dessen Vorsitzender. In dieser Funktion gehört Stempfle auch dem Vorstand des Tourismusverbandes Franken an. "Diese Ämter sind für mich keine Pflicht, sondern tatsächlich Ehre und zugleich Vergnügen."

Berufswahl nie bereut

Auch nach über 60 Jahren bereut Stempfle seine Berufswahl nicht: "Ich bin heute noch froh, dass ich mich damals für die Hotellerie entschieden habe." Der Umgang mit Menschen gefalle ihm, sein Alltag sei niemals eintönig. Trotz aktueller Schwierigkeiten wie dem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, der zunehmenden Bürokratisierung oder dem stetigen Sinken der Gäste-Verweildauer sagt er: "Stünde ich heute vor der Berufswahl, würde ich wieder Hotelier werden."

Als 80-Jähriger sieht er für sich jetzt noch eine Aufgabe: "Ich will gesund bleiben und täglich weiter daran arbeiten, dass unser Hotel gut läuft und der Betrieb noch lange unserer Familie erhalten bleibt." Von seinem Jugendtraum, einmal Buchhändler zu werden, blieb ihm die Liebe zu Büchern. In seinen wenigen Freizeitstunden liest Stempfle gern Bücher über Geschichte und Geographie entfernter Länder. Oder er bereist sie gedanklich, wenn er an seiner umfangreichen Briefmarkensammlung aus aller Welt arbeitet. Wen überrascht es da noch, dass Heinz Stempfle seit 45 Jahren auch Vorsitzender des Bad Kissinger Briefmarken-Sammler-Vereins ist.

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