Bad Bocklet
Pflege

Hospiz-Apartment Bad Bocklet: Würdevoll bis zum Tod

Das Azurit Pflegezentrum betreibt die einzige stationäre Hospizeinrichtung im Landkreis. Für das Heim ist das ein Minusgeschäft. Trotzdem hoffen die Verantwortlichen, dass sich in der Region Nachahmer finden.
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Das Azurit empfängt die Patienten im Hospiz-Apartment mit einem Schokoladenherz.  Fotos: Benedikt Borst
Das Azurit empfängt die Patienten im Hospiz-Apartment mit einem Schokoladenherz. Fotos: Benedikt Borst
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Worte verändern etwas. Silvio Wiltschek hat ein Zeitungsinterview gelesen und daraufhin ein 25 Quadratmeter großes Doppelzimmer in einem Pflegeheim zu einem Ort umbauen lassen, an dem sterbenskranke Menschen ihre letzte Lebenszeit verbringen können. In dem Interview beklagte der Palliativmediziner und Vorsitzende des Bad Kissinger Hospizvereins, Dr. Reinhard Höhn, dass es zu wenige Hospize in ländlichen Regionen gibt (zur Situation siehe hier). Wiltschek wiederum ist Einrichtungsleiter des Azurit Pflegezentrums in Bad Bocklet.

Seit kurzem betreibt das Azurit mit Hilfe des Hospizvereins die erste stationäre Hospiz-Einrichtung im Landkreis. Landrat Thomas Bold (CSU) begrüßt das Angebot, das in Bad Bocklet geschaffen wurde. "Es ist mir ein persönliches und wichtiges Anliegen, dass es im Landkreis eine Hospizversorgung gibt", sagt er. Es handle sich um einen ersten Schritt. Man müsse beobachten, welche weiteren Möglichkeiten sich ergeben. Auch beim Hospizverein ist man froh über die Entwicklung. "Das ist ein Anfang", sagt Reinhard Höhn. Das Hospiz-Angebot auf dem Land müsse dringend ausgebaut werden.

Das ist aber nicht so einfach: Einen pflegebedürftigen, todkranken Patienten bis zu dessen Tod pflegerisch, seelsorgerisch und psychologisch zu betreuen, ist aufwendig und teuer. Damit ein Heimbetreiber einen solchen Patienten bei der Krankenkasse abrechnen kann, sind gewisse Auflagen zu erfüllen. "Ein Hospiz muss mindestens acht Betten haben und in einem abgetrennten Gebäude untergebracht sein", erklärt Höhn. In ländlichen Gebieten wie im Landkreis Bad Kissingen würde sich der Aufwand für einen Betreiber schwer lohnen.

Betreuung über Ehrenamt

Das Azurit betreibt kein vollständiges Hospiz, sondern ein Hospiz-Apartment. Das wird wie ein 80 Euro günstigeres Pflegezimmer in Rechnung gestellt, der Patient erhält aber die volle Betreuung. "Natürlich sind wir wirtschaftlichen Zwängen unterlegen, aber das Menschliche muss immer eine Rolle spielen", erklärt Einrichtungsleiter Wiltschek. "Die Würde des Menschen wird hier hoch geschätzt."

Die 80 Euro, die weniger abgerechnet werden, fängt der Hospizverein mit Spenden und ehrenamtlichem Einsatz auf. Zwei ausgebildete Hospizhelfer des Vereins übernehmen die Sterbebegleitung und besuchen den Patienten je nach Wunsch. Der Verein entscheidet auch, welcher Patient das Zimmer belegt. "Wir nehmen Leute, die zuhause nicht mehr versorgt werden können, die eine begrenzte Lebenserwartung haben und die unheilbar krank sind", sagt Höhn. Der Hospizverein steht in Kontakt mit Pflege- und Sozialdiensten sowie der Palliativ-Station in Bad Neustadt.

Das Azurit gewährleistet die grundlegende Versorgung des Patienten und der Angehörigen. "Natürlich müssen wir bei dem Konzept schauen, dass es solide finanziert ist", sagt Wiltschek. Will heißen: Die Geschäftsführung der Azurit-Gruppe (Sitz in Eisenberg in der Pfalz) akzeptiert das Minusgeschäft, solange es im Rahmen bleibt.
"Es ist von Vorteil, dass es ein großer Träger ist", meint Wiltschek. Ein kleines Pflegeheim verfüge nicht über die finanziellen Spielräume, um ein Konzept wie das Hospiz-Apartment umzusetzen. Wiltschek hofft dennoch, dass das Modell in der Region Schule macht. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung müsse die Versorgung verbessert werden. "Alles andere ist Augenwischerei."
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