Bad Kissingen

Holger Bothe kam immer gerne in den Landkreis Bad Kissingen

Nach elf Jahren an der Spitze des Staatlichen Bauamts ist Holger Bothe in Ruhestand gegangen.
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Holger Bothe ist nach elf Jahren als Leiter des Staatlichen Bauamtes in Ruhestand gegangen. Anand Anders
Holger Bothe ist nach elf Jahren als Leiter des Staatlichen Bauamtes in Ruhestand gegangen. Anand Anders

Luitpoldbad und Amtsgericht Bad Kissingen, Parkdeck Bad Brückenau, Bundeswehr-Unterkünfte in Hammelburg und Wildflecken, jede Menge Straßen: Das Staatliche Bauamt Schweinfurt betreut im Landkreis Bad Kissingen alle Bundes- und Landes-Liegenschaften. Deshalb war der bisherige Leiter Holger Bothe auch oft zu Besuch hier: "Drei von fünf bayerischen Staatsbädern und zwei Bundeswehr-Standorte sind schon was Besonderes."

700 Millionen Euro hat das Staatliche Bauamt Schweinfurt unter der Leitung Bothes in den vergangenen elf Jahren umgesetzt. Welcher Teil davon auf den Kreis Bad Kissingen entfiel, lasse sich schwer sagen. Aber gerade beim Etat des Bundesverteidigungsministeriums gab es ein großes Plus: "Beim Unterhalt der Bundeswehr-Liegenschaften lag bei meinem Amtsantritt einiges im Argen", erinnert sich Bothe an das Jahr 2007. Damals wurden jährlich 10 bis 15 Millionen Euro in den Kasernen Hammelburg und Wildflecken investiert, mittlerweile seien es 20 bis 25 Millionen Euro im Jahr. Damit würden die beiden Standorte vor allem für die Nato-Ausbildung fit gemacht.

Der scheidende Leiter Holger Bothe bezeichnet das Staatliche Bauamt als "Erfüllungsgehilfen": Behörden und Ministerien würden sich des technischen Sachverstandes bedienen. Bei der Bundeswehr oder beim THW-Neubau in Bad Kissingen etwa komme das Geld aus Berlin, die Planung müsse aber mit der Landesbaudirektion mit Sitz in Ebern abgestimmt werden. Die Bundeswehr-Liegenschaften seien der Schwerpunkt im Hochbau, Kur-Gebäude kämen als "Salz in der Suppe" dazu. Zum Bereich Kur zählt Bothe auch eines der prestigeträchtigsten Projekte seiner Amtszeit: den Umbau des Bad Kissinger Luitpoldbades zum Behördenzentrum für 39 Millionen Euro. "Das wurde mit dem bayerischen Denkmalschutzpreis gekrönt", sagt Bothe stolz. Diesen Preis erhielt das Bauamt bereits für den Umbau des Amtsgerichts Bad Kissingen, speziell für die Aufhängung der tonnenschweren Registratur. Zu Beginn seiner Amtszeit plante das Bauamt zudem das ebenfalls preisgekrönte Parkdeck hinter der Bad Brückenauer Remise.

Insgesamt 300 Mitarbeiter

Rund 300 Mitarbeiter hat das Staatliche Bauamt Schweinfurt, davon rund 130 bei den Straßenmeistereien. 40 sind laut Bothe in Schweinfurt in der allgemeinen Verwaltung tätig, die restlichen 130 teilen sich etwa gleich in Hoch- und Straßenbau auf. "Die Behörden sind gut zusammen gewachsen", kommentiert Bothe die Zusammenlegung der bayerischen Hochbau- und Straßenbauämter im Jahr 2006. Synergien gab es laut Bothe zum Beispiel bei Vergaben: "Beim Straßenbau hat früher jeder Bauleiter seine Arbeiten selbst ausgeschrieben, das wäre heute nicht mehr möglich", verweist Bothe auf immer mehr Rechtsvorschriften. Die Skepsis habe sich schnell gelegt, auch die Straßenbauer seien heute froh, dass Aufträge juristisch sauber vergeben werden.

"Es gab keinen Tag, den ich missen möchte", blickt Bothe auf seine elf Jahre als Behördenleiter zurück. "In größere Nähe zur Politik" sei das Schweinfurter Bauamt mit der Benennung von Innen-Staatssekretär Gerhard Eck gerückt. Der CSU-Abgeordnete habe sich bei etlichen Projekten eingebracht, etwa beim Radweg nach Arnshausen oder dem Teilausbau der Staatsstraße zwischen Zeitlofs und Bad Brückenau. Wichtig waren Bothe im Kreis auch die Sanierung der früheren B 27 von der Ortsdurchfahrt Motten im Norden bis zur Saale-Brücke Hammelburg, die Ortsdurchfahrten Aura und Oberthulba oder die Beseitigung von Unfall-Schwerpunkten im Lauertal zwischen Rothhausen und Maßbach.

Vieles lässt Bothe aber auch unvollendet zurück: Allen voran die B 286 neu zwischen A 71 und Bad Kissingen. Immerhin sei der erste Abschnitt, also die Ortsumgehung Eltingshausen, soweit geplant, dass die Planfeststellung beginnen könne. Die Bad Kissinger Südbrücke als "Lebensnerv der Stadt" stehe vor dem Ende ihrer Lebensdauer, damit sei auch die Neugestaltung der Schlachthofkreuzung verbunden. Für beides gebe es Vorplanungen. In Arbeit sei zudem die Ortsumgehung Nüdlingen der B 287.

Unbürokratische Lösungen

Die Besuche in Bad Kissingen hat Bothe immer "wie einen kleinen Urlaub" gesehen: "Da fühlt man sich wie in einer anderen Welt." Neujahrsempfänge, Konzerte beim Kissinger Sommer oder Bälle im Regentenbau habe er gerne dazu genutzt, "sich mal ungezwungen zu unterhalten". Dabei habe es durchaus auch unbürokratische Lösungen gegeben, etwa als im Herbst 2016 Sperrungen der Staatsstraße Wildflecken-Oberweißenbrunn so gelegt wurden, dass eine Großübung mit Nato-Truppen nicht lahm gelegt wurde. Und: "Bei solchen Ereignissen erfährt man auch viel über die Stimmungs- und Erwartungslage vor Ort."

Privat Holger Bothe ist in West-Berlin aufgewachsen und hat an der dortigen TU Bauingenieurwesen studiert. Nach dem Diplom 1978 und drei Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter folgte er seinen Eltern 1981 nach Bayern. Heute lebt der 65-Jährige mit seiner Frau in Schweinfurt. Sie haben zwei Kinder.

Werdegang Nach der Referendarausbildung beim Straßenbauamt Nürnberg leitete Bothe ab 1983 die Planungsabteilung am Straßenbauamt Schweinfurt. 1988 wechselte er zur Stadt Nürnberg, 1990 zur Autobahndirektion Nordbayern. Von 1998 bis 2004 leitete er das Straßenbauamt Aschaffenburg, dnach leitete er drei Jahre lang das Sachgebiet Straßenbau bei der Regierung von Unterfranken. 2007 folgte er Norbert Böhm als Leiter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt nach.

Nachfolger Neuer Leiter des Staatlichen Bauamts ist Michael Fuchs. Der 57-Jährige stammt aus der Oberpfalz, hat Bauingenieurwesen an der TU München studiert, 2003 promoviert und war zuletzt beim Staatlichen Bauamt Würzburg für die Planung der B26n zuständig.

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