Schondra
Kirche

"Hirtenhunde des lieben Gottes"

Horst Conze (45) aus Schondra wird am Samstag in Münsterschwarzach zum Ständigen Diakon geweiht. Der Familienvater setzt sich neben dem Beruf als Hausmann und Lehrer in der Gemeinde für Eltern- und Jugendarbeit ein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Bild von Jesus als dem guten Hirten und den Diakonen als "eine Art Hirtenhunde des lieben Gottes" gefällt Horst Conze. Er sieht das Achten auf die Mit-Christen als eine seiner Hauptaufgaben. Am Samstag wird er zum Ständigen Diakon geweiht. Foto: Ralf Ruppert
Das Bild von Jesus als dem guten Hirten und den Diakonen als "eine Art Hirtenhunde des lieben Gottes" gefällt Horst Conze. Er sieht das Achten auf die Mit-Christen als eine seiner Hauptaufgaben. Am Samstag wird er zum Ständigen Diakon geweiht. Foto: Ralf Ruppert
+2 Bilder
Für Horst Conze schließt sicham Samstag ein Kreis, der in der Jugend und mit dem Theologie-Studium begann: "Ich habe immer nebenher in der Kirche mitgearbeitet", blickt er auf sein Leben zurück. Auch dass er sich vor 20 Jahren gegen den Priesterberuf entschieden hat, sei keine Entscheidung gegen die Kirche gewesen. Mit der Weihe zum Ständigen Diakon am Samstag wird er offiziell in die Riege der "Viri probati", der bewährten Männer, aufgenommen.

Aufgewachsen ist Horst Conze im Touristenörtchen Bödefeld im Hochsauerlandkreis. Früh engagierte er sich in der Jugend- und Ministrantenarbeit. "Ich habe damals wunderbare Pfarrer erlebt", berichtet der 45-Jährige, einer seiner ehemaligen Pfarrer kommt auch am Samstag. Also studierte er nach dem Abitur Theologie in seinem Heimatbistum Paderborn und in Wien. "Mein Vater war Busfahrer, da war wenig Geld da und ich musste sehen, dass ich fertig werde", schloss er das Diplom-Studium zügig ab, kam dann aber ins Grübeln: "Ich habe den Bischof gebeten, mich als geistlichen Begleiter im Altenheim einzusetzen."


Kehrseite der Seelsorge


Statt von Konvikt ins Priesterseminar zu wechseln wurde er "Jesuit European Volunteer", arbeitete 1991/92 unter geistlicher Begleitung in einem Augsburger Altenheim. "In dieser Zeit habe ich nur Pfarrer erlebt, die zu wenig Zeit für die Menschen haben", lernte er die Kehrseite der Seelsorge kennen: Verwaltungsarbeit und Stress.
Und: "Ich habe viele Pfarrer auch einsam erlebt."

Weil Horst Conze aber schon immer eine Familie wollte, entschied er sich gegen den Pristerberuf - und damit auch gegen eine Anstellung bei der Kirche, denn: "Theologen gab's damals zu viele, für mich war die Entscheidung Priester oder arbeitslos." Die neue Lebensplanung entstand aus dem freiwilligen sozialen Jahr heraus: Er schulte zum Krankenpfleger um. "Ich bin von einer reinen Männer- in eine reine Frauenwelt gewechselt", schmunzelt Conze heute.

1998 lernte er seine spätere Frau Anita kennen. Die gebürtige Singenrainerin war Leitende Oberärztin in der Klinik für Palliativ-Medizin, in der auch Conze arbeitete. 2001 zog es die Rhönerin zurück in die Heimat, sie stieg in die Hausarzt-Praxis in Geroda ein und das Paar zog zunächst nach Bad Brückenau und 2004 schließlich nach Schondra.


"Rauchmelder" der christlichen Gemeinschaft


Zur Familie Conze gehören heute zwei Söhne im Alter von drei und sechs Jahren. Die Arbeitsteilung ist für das flache Land (noch) eher ungewöhnlich: Anita Conze arbeitet voll als Hausärztin, Horst Conze ist der Hausmann, daneben unterrichtet er noch zehn Stunden an einer beruflichen Schule in Fulda.

"Priorität hat die Familie, dann kommt der Beruf und erst dann das Diakonat", stellt Horst Conze die Prioritäten klar. "Deshalb werden die Frauen bei der Weihe auch gefragt, ob sie damit einverstanden sind", berichtet der 45-Jährige. Dagegen versprechen Kandidaten, die unverheiratet zum Diakon geweiht werden, damit gleichzeitig ein zölibatäres Leben.

"Diako sind eine Art Hirtenhunde des lieben Gottes", umschreibt Conze seine Tätigkeit. Wie ein "Rauchmelder" sollten sie sehen und anzeigen, wenn in einer christlichen Gemeinschaft Dinge aus dem Ruder laufen. Entsprechend breit gefächert sei auch die Ausbildung gewesen: Vom Predigen bis zum Planen liturgischer Feiern, von der Notfall-Seelsorge bis zur Caritas und vom Führen von Gruppen bis zur Arbeit mit dem Pfarrgemeinderat reichten die Themen. "Durch mein Theologie-Studium habe ich mir zum Teil leichter getan, für die anderen war das nebenberuflich ein Riesen-Brocken", erzählt Conze.

"Erwartet werden vier bis sechs Stunden in der Woche", umreißt Conze den Aufwand eines nebenberuflichen Diakons. Durch die beiden kleinen Kinder sei viel mehr auch nicht drin. Seine Schwerpunkte bleiben Kindergarten-Elternarbeit, Ministrantenarbeit und Krankenkommunion. Und: "Im Dezember habe ich meine erste Taufe", ist er jetzt schon aufgeregt.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren