Bad Kissingen

Herzensblecher in Nüdlingen: Flotte Sprüche bei flottem Tempo

Witzige Sprüche, handgemachte Musik und ganz viel "Kloß mit Soß'": Die "Herzensblecher" haben in der Lebenshilfe-Werkstatt in Nüdlingen gerockt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die "Herzensblecher" haben ihr Publikum zum Lachen und Mitklatschen gebracht. Fotos: Werner Vogel
Die "Herzensblecher" haben ihr Publikum zum Lachen und Mitklatschen gebracht. Fotos: Werner Vogel
+1 Bild
Die "Herzensblecher" beweisen mit brillant gespielter Musik und witziger Moderation: Es gibt ihn, den fränkischen Humor. Die Nüdlinger Werkstatt erlebte eine Hommage an fränkische Lebensart, und dabei bleibt kein Auge trocken.
Sie sind so etwas wie das Flaggschiff des fränkischen Musikkabaretts und kommen mit ihrem Tourneeprogramm "Franken - dodal global" tatsächlich in die Nüdlinger Werkstatt der Lebenshilfe. Aber genau das ist ihr Ding: Nicht die großen Hallen mit überdimensionierten Lautsprecherboxen sind ihr Zuhause. Sie wollen nah am Publikum agieren. Ihr subtiler Humor braucht unmittelbare Reaktion. Dass ihre Musik handgemacht ist und dass die sechs Blech- und zwei Holzbläser studierte Musiker und echte Könner sind, hört das Publikum schon beim ersten Stück. Kein Wunder, die Bühne in Nüdlingen ist niedrig, die Musiker können dem Publikum noch in der zehnten Reihe in die Augen schauen, sitzen fast auf dem Schoß der jungen Dame in der ersten Reihe, wie Posaunist Daniel Schnappauf es später andeutet.


Geschichten mit Charme

Die "Herzensblecher" sind ausnahmslos auch Komödianten und haben zudem mit Trompeter Thomas Nees und Posaunist Karlheinz Brand echte Schlitzohren dabei. Letzterer schreibt auch die Texte, die Gründervater Werner Aumüller musikalisch überaus pfiffig arrangiert. Nicht nur Pep und das gewisse Etwas bringt die Bad Neustädter Klarinettistin Tanja Domes auf die Bühne. Sie beweist auch leicht beschwipst mit wippendem Petticoat "Mir ist auf einmal ganz eigen zumute" echtes Schauspiel- und Gesangstalent.
Na gut, es sind auch "Ausländer" dabei. Daniel Schnappauf kommt samt seiner Posaune aus Schwaben, ist inzwischen in Franken integriert, kokettiert aber gelegentlich mit seiner Herkunft, schwäbelt schon mal und bringt so exotische Würze ins fränkische Menü, was durchaus mehr sein darf als "Kloß mit Soß'". Auch der jüngste der Truppe, Marcel, bläst Oberpfälzer Luft in seine Tuba.


Fränggisch is goar nedd so schwer

Bei breitem fränkisch, trockenem Humor, lustigen Geschichten und witzigen Wortspielen bleiben die Mundwinkel beim Publikum stets oben. Dazu Musik voller Tempo. Stil, Rhythmus, Takt in schnellem Wechsel. Marsch zum Mitklatschen, Takte aus Mozarts "Rondo alla Turca", Zigeunermusik aus dem Balkan und zu Spanish Eyes der Text "Kloß mit Soß'". Witzlich, Gschichtlich und Sprüchlich sind Trumpf. Nett und ohne Peinlichkeit. Bekannte Texte, leicht verfremdet und schon wird's fränkisch und dann "bassd's scho". Sie nehmen sich selbst nicht so ernst, sind aber in zwei Lager gespalten, wenn's um das Leben an sich und um den Urlaub im Besonderen geht. "Nei´n Urlaub foahr, is wunderboar", meinen die einen, wollen am liebsten mit dem Space Taxi in ferne Galaxien, zumindest aber bis nach Griechenland. Getreu dem Motto "Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben."


Rhön kriegt ihr Fett weg

Den eher geerdeten Heimattreuen, denen Franken über alles geht, entgegnen: "Da gibbds Gerichde, die konnste ned emal aussprech. Wie soll den des schmegg?" "E Schnidzel, Wurschd aus der Dose und Kloß mit Soß", das ist die fränkisch geliebte Alternative. Dann kriegt auch die Rhön ordentlich ihr Fett ab: "Ist das jetzt noch Nebel oder schon Sprühregen?" Darauf "Kreuzberglied" und "Zieh an die Wanderschuh" - so fetzig-jazzig hat man das noch nie gehört -, doch schon kommt der mitleidige Konter: "Sie ziehen auf den Berg der Franken, um das Klosterbier zu tanken."
Frieden schafft erst Reiseleiter Werner Aumüller, wenn er Fontane zitiert: "Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben." Da sind dann alle wieder dabei und singen vereint, versöhnt, wo auch immer der Urlaub hinführt: "Ich wöllet hemm, wo ich mei Schöpple hob und jeden kenn."


Geste der Herzenskinder

Einrichtungsleiter der Nüdlinger Werkstatt Martin Denninger dankte den Musikern, die ein Geschenk aus der Nüdlinger Werkstatt bekamen. Es war das erste Benefizkonzert der Herzensblecher, und die Nüdlinger Werkstatt kann den Erlös der ausverkauften Veranstaltung gut gebrauchen.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren