Die Wärmestube soll ein Anlaufpunkt sein, wenn es im eigenen Leben kalt geworden ist. Die Menschen, die hierher kommen, haben alle ihr Päckchen zu tragen. "Die Gruppe ist sehr inhomogen", sagt Christian Fenn. Als Streetworker arbeitet er seit fast 20 Jahren bei der Kissinger Drogenhilfe, kurz Kidro, seit April ist er auch einer von zwei gleichberechtigten Vorsitzenden. Er kennt die Menschen gut, denen der Sozialverein unter die Arme greift. "Für alle gilt, dass sie einen kleinen Geldbeutel haben." Dafür aber viele Sorgen. Die meisten sind außerdem sehr einsam. "Sie haben zwar viele Kumpels, mit denen sie ein paar Bierchen trinken, aber zur Erfüllung führt das selten", berichtet Fenn. Und: "Ganz häufig gibt es eine Diagnose." Manche leiden an Depressionen, andere sind Suchtkrank, bei den nächsten kommen Herzprobleme hinzu.

Diese Menschen verbringen oft den ganzen Tag in der Wärmestube. Hier können sie sich für kleines Geld versorgen. Den Becher Kaffee bekommen sie für 50 Cent und ein Frühstück für gut einen Euro. Die Lebensmittel bezieht die Kidro - wenn möglich - günstig über die Tafel, überschüssiges Gebäck vom Vortag gibt es von heimischen Bäckereien. Alkohol ist nicht im Angebot, dafür können sich Obdachlose, Durchreisende, Sozialhilfe- und Hartz IV-Empfänger bei der Kidro duschen, ihre Wäsche waschen und mit gebrauchter Kleidung aus der Kleiderkammer versorgen.


"Gerade am Monatsanfang haben wir viel Bewegung", berichtet Fenn. Später, wenn die Menschen ihr Hartz IV zunehmend aufgebraucht haben, wird es in der Wärmestube leerer. Die Kleidungsstücke aus der Kleiderkammer gibt es unentgeltlich, ansonsten verlangt der Verein für seine Leistungen wenigstens einen symbolischen Betrag. "Unsere Kundschaft soll nichts geschenkt bekommen. Sie haben im Lauf ihres Lebens gelernt, immer die Hand aufzuhalten." Deshalb gebe es keine Leistung, ohne Gegenleistung.


Streetworker führt den Verein

Auf Führungsebene des Sozialvereins hatte es zuletzt einige Veränderungen gegeben. Zum einen werden die Geschäfte seit gut einem Jahr wieder rein ehrenamtlich und nicht mehr von einem hauptberuflichen Geschäftsführer geleitet. "Das hat sich für uns finanziell nicht getragen", begründet Fenn. Auf der Mitgliederversammlung im Frühjahr folgte dann der Generationswechsel im Vorstand: Eva Matthies führte die Kidro von der Gründung 1995 bis 2012 und übernahm 2014 erneut den Vorsitz. Im April wurde sie und ihr Stellvertreter Franz-Peter Jörg durch die gleichberechtigten Vorsitzenden Christian Fenn und Daniel Wolf abgelöst.

Für Fenn ergibt sich daraus eine Doppelbelastung, denn neben der Vorstandarbeit ist er nach wie vor hauptberuflich als Streetworker in der Drogenhilfe tätig. Er hat im Jahr 110 bis 120 Personen in der Suchtberatung, täglich kommen zudem im Schnitt fünf bis zehn Drogensüchtige, vor allem Heroinabhängige, zur Substitution in die Räumlichkeiten der Kidro in die Maxstraße. Dort erhalten sie von Fenn legale Ersatzmedikamente, um auf lange Sicht von ihrer Sucht loszukommen. "Wir waren die erste Beratungsstelle in Bayern, die Ersatzstoffe ausgeben durfte", erzählt Fenn.

Ein Problem ergibt sich für ihn aus seiner Doppelrolle allerdings nicht. "Ich war schon immer mein eigener Chef", sagt der Diplom-Sozialpädagoge. Außerdem haben mit dem Co-Vorsitzenden Wolf, den Beisitzern Thomas Schubert und Angela Fronia sowie den Vertretern von Stadt und Landkreis Bad Kissingen sowie den Wohlfahrtsverbänden, viele Leute Einblick in die Vorstandsarbeit. In den einzelnen Kidro-Bereichen wie der Wärmestube, dem Möbellager und dem Arbeitsintegrationsprojekt KIP werde zudem viel selbstständig gearbeitet. Fenn: "Diese Selbstständigkeit entlastet mich. Das Verwaltungstechnische liegt mir nicht." Die Kidro habe damit ein langfristig tragfähige Lösung gefunden.


Beitrag zur Sicherheitslage

Auf dem Sommerfest hat der Verein vor kurzem die Möglichkeit genutzt, den neuen Vorstand und die einzelnen Arbeitsbereiche vorzustellen. "Es ist die Aufgabe einer Gesellschaft, sich auch um die Menschen zu kümmern, die Probleme haben", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Der Verein wird mit 98 000 Euro jährlich von der Stadt unterstützt. Kidro leiste gerade mit der Drogenhilfe und der Integrationsarbeit durch Sport einen wichtigen Beitrag zur Sicherheitslage in der Stadt. Auch aus touristischer Sicht sei es wichtig, dass es keine offene Drogenszene am Marienplatz mehr gebe wie noch in den 1990er Jahren.

Der Verein sei zwar personell und finanziell gut aufgestellt, trotzdem wird immer wieder Hilfe benötigt, sei es bei Kleiderspenden, gerade jetzt in der Übergangszeit, oder auch bei einzelnen Aktionen. Der Verein habe etwa einen Lkw-Container erstanden, der als Geräteschuppen an dem Holzplatz des Vereins nahe des ehemaligen US-Flugplatzes am Wendelinus aufgestellt werden soll. Hier produzieren Teilnehmer des Arbeitsprojektes KIP Brennholz, das der Verein verkauft, aber auch gegen Bezugsscheine an Sozialhilfeempfänger abgibt. Fenn`s Problem: "Wir haben keine Möglichkeit, den Container von Schondra hierher zu transportieren."