Bad Kissingen
Gesundheit

Haustier unterstützt die Therapie

Die Heiligenfeld Kliniken bieten eine "Tierbegleitete Therapie" an: Daraus entstand das Heiligenfelder Zentrum für Tierbegleitete Therapie.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wenn Hundebesitzer leiden, spüren das auch die Vierbeiner.  Foto: Marina Prieb
Wenn Hundebesitzer leiden, spüren das auch die Vierbeiner. Foto: Marina Prieb

Haustiere erfreuen sich wachsender Beliebtheit - etwa 34 Millionen finden sich aktuellen Schätzungen zufolge in deutschen Haushalten, darunter vor allem Hunde und Katzen. Für ihre Besitzer haben sie häufig einen Stellenwert, der über denjenigen eines reinen "Nutztieres" (etwa der Hund zum Bewachen des Grundstücks) weit hinausgeht. Das Tier gehört in vielen Fällen zum Leben dazu, und eine intakte Beziehung zwischen Mensch und Vierbeiner hat erwiesenermaßen zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit des Tierhalters.

Psychosomatische Erkrankungen wie eine Depression oder Angststörung haben weitreichende Auswirkungen auf den Betroffenen. Das eigene Leben gerät aus den Fugen, und in der entstehenden Unsicherheit und häufig Überforderung fehlt die Kraft, sich angemessen um das Wohl seines Schützlings zu kümmern. Ebenso kann es sein, dass eine dringend benötigte stationäre Behandlung nicht angetreten wird, da die Versorgung des Tieres während der Abwesenheit des Besitzers nicht gewährleistet werden kann.

Die Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen bietet ihren Patienten bereits seit mehr als drei Jahren die Möglichkeit, dem beschriebenen Dilemma zu entgehen. Im Rahmen der "Tierbegleiteten Therapie" können Menschen, die eine stationär-psychosomatische Behandlung benötigen, zusammen mit ihrem Haustier die Klinik besuchen, und dieses auch in die Therapie miteinbeziehen. Im neuen "Heiligenfelder Zentrum für Tierbegleitete Therapie" haben jetzt noch mehr Patienten die Möglichkeit, die Therapie in Anspruch zu nehmen.

Ein Schlüsselerlebnis der Klinikmanagerin der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen, Bianca Reiß, Besitzerin von vier Hunden, brachte sie 2014 zusammen mit Dr. Joachim Galuska, Mitgründer und Vorsitzender der Geschäftsführung der Heiligenfeld Kliniken, auf die Idee eine Psychotherapie für Menschen anzubieten, in die auch das Haustier - vornehmlich der Hund - mit eingebunden wird. Wenn Hundebesitzer psychisch leiden, spüren das auch die Vierbeiner. Die Ziele der Tierbegleiteten Therapie, abgekürzt "TBT", in der Parkklinik Heiligenfeld sind deshalb klar: Neben der Verbesserung der Tier/Mensch-Beziehung spielt auch die Gesundung und Unterstützung des Menschen unter Mitwirkung des eigenen Tieres als Ressource eine tragende Rolle für den nachhaltigen Erfolg der "TBT".

Studie untersucht den Effekt

Das Universitätsklinikum Regensburg hat im Auftrag der Klinikgruppe Heiligenfeld im Rahmen einer Studie untersucht, welchen Effekt sowohl die Anwesenheit als auch die Integration des Hundes in die Therapie tatsächlich auf den Patienten bzw. den Halter hat. Befragt wurden rund 80 Patienten - und die Ergebnisse sind eindeutig: 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, durch die Integration des Hundes in die stationäre Therapie größere Fortschritte gemacht zu haben als ohne Hund. Ebenso viele Personen sind es, die sich durch die Spiegelung ihres Hundes, der während des gesamten Klinikaufenthalts an deren Seite ist, selbst besser verstehen. Mehr als drei Viertel der Patienten fühlen sich durch den gemeinsamen Aufenthalt mit ihrem Hund lebendiger. So bewegen sich diese Personen mehr und verfügen über ein verbessertes Körpergefühl. Für einen Großteil - 79 Prozent - hat sich die Beziehung zum eigenen Hund allein durch dessen bloße Anwesenheit in der Klinik grundsätzlich verbessert. Die positiven Effekte aus der Tierbegleiteten Therapie mit dem eigenen Hund gehen noch weiter. 77 Prozent der Befragten gaben an, ihre Grenzen gegenüber anderen Menschen besser vertreten zu können.

In einem Interview erläutert ein Patient (Name anonymisiert) seine Erfahrungen und Eindrücke bei der Tierbegleitetenden Therapie im Heiligenfelder Zentrum.

Welche Rolle spielt Ihr Hund für Sie im Alltag?

Patient: Der Hund stellt für mich meine Familie dar. Da ich von zuhause aus arbeite, ist er mein ständiger Begleiter. Es kommt sehr selten vor, dass mein Hund und ich getrennt sind. Es ist mir wichtig, dass es ihm gut geht.

Wie erleben Sie das Konzept der Tierbegleitenden Therapie? Was ist für Sie besonders hilfreich und unterstützend?

Ich empfinde den Therapiealltag als sehr angenehm, da das Tier überall mit eingebunden wird und nicht nur nebenher läuft. Viele dachten, sie kommen hierher und machen eine Therapie und dürfen ihren Vierbeiner mitbringen. Dies ist hier komplett anders und ich finde es sehr sinnvoll, da die Therapie zwar in erster Linie für den Menschen ist, aber das Tier entsprechend eingebunden wird.

Hatten Sie während des Aufenthaltes ein Aha-Erlebnis in Bezug auf Ihren Hund?

A ha-Erlebnisse in dem Sinne, dass ich das Thema Achtsamkeit mit meinem Hund vorher überhaupt nicht kannte. Das Thema Achtsamkeit mit mir selbst habe ich schon früher in der Therapie in Heiligenfeld kennengelernt. Zu Beginn der Tierbegleiteten Therapie geht es darum, Achtsamkeit gegenüber dem Tier zu entwickeln. "Warum verhält der Hund sich so?", also z. B. in Momenten, in denen es mir nicht so gut geht. In der therapeutischen Behandlung habe ich beispielsweise gelernt, dass sich mein Hund vor mich setzt, um mich zu beschützen. Früher hätte ich vielleicht gesagt "Jetzt geh mal beiseite" und hätte ihn beiseitegeschoben. Nun lasse ich das zu und bin froh darüber, dass er das tut.

Sie haben bestimmt bei sich selbst in den letzten Wochen Veränderungen und Entwicklungen festgestellt. Gibt es bezogen auf Ihren Hund auch irgendwelche Veränderungen?

Er ist deutlich entspannter geworden. Jetzt könnte ich sagen, das liege daran, dass er älter wird, aber mit seinen acht Monaten ist er noch nahezu ein Welpe. Ich gehe achtsamer mit ihm spazieren und dementsprechend läuft er auch achtsamer in Bezug auf mich, was vorher nicht der Fall war.

Wie beurteilen Sie die Ausstattung im neuen TBT-Zentrum?

Ich war sehr erstaunt, als ich gesehen habe, dass es eine eigene Hundeküche gibt, da ich das nicht gewusst habe. Ich "barfe"(*) meinen Hund, dafür bekomme ich das Futter tiefgekühlt hierher geschickt. Die Hundedusche finde ich auch sehr schön. Sie ist für die Vierbeiner ganz einfach über eine Rampe zugänglich. Insgesamt finde ich es hier sehr schön. Ein großer Park gegenüber, der weite Spaziergänge mit dem Hund ermöglicht, sowie die Möglichkeit, im Sommer in der Saale schwimmen zu gehen, erfreut nicht nur das Herrchen, sondern auch den Vierbeiner .

Was können Sie von den Erkenntnissen und Erfahrungen hier mit in Ihren Alltag nehmen? Worauf möchten Sie in Zukunft mehr achten?

Mit dem Tier achtsamer umzugehen. Den Umgang mit dem Tier zu lernen oder ihm auch einfach mal eine Massage zu geben. Es begeistert mich sehr, dass ich hier nicht nur eine psychotherapeutische Therapie absolviere, sondern zusätzlich eine hochqualifizierte Hundeschulausbildung erhalte. Das Gespräch führte Kai Fraass.

(*) Die Abkürzung BARF steht für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Es handelt sich um eine Ernährungsform für Hunde, bei der der Besitzer das Futter aus rohen, frischen Zutaten selbst zusammenstellt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren