Wildflecken
Bundeswehr

Unterfranken: Hat Wildflecken Chancen auf das Nato-Zentrum?

Bonn gilt als Favorit, entschieden ist aber noch nichts.
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Litauen, Rukla: Eine deutsche Bundeswehr-Soldatin steht zusammen mit ihrem Kameraden beim von der Bundeswehr angeführten Nato-Bataillon auf dem Militärstützpunkt in Rukla. Im Zuge der Aufrüstung der Nato wird die Bundeswehr aller Voraussicht nach ein neues Planungs- und Führungszentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte aufbauen. Symbolbild: Bernd von Jutrczenka/dpa
Litauen, Rukla: Eine deutsche Bundeswehr-Soldatin steht zusammen mit ihrem Kameraden beim von der Bundeswehr angeführten Nato-Bataillon auf dem Militärstützpunkt in Rukla. Im Zuge der Aufrüstung der Nato wird die Bundeswehr aller Voraussicht nach ein neues Planungs- und Führungszentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte aufbauen. Symbolbild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich bereit erklärt, ein neues Nato-Unterstützungskommando aufzubauen. Es soll den Transport von Material und Personal durch Europa sowie deren Schutz koordinieren. Offen ist bislang noch der Standort. Bonn gilt zwar hinter den Kulissen als Favorit, aber: Laut einem Sprecher des Bundes-Verteidigungsministeriums ist die Entscheidung noch völlig offen. Die beiden Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU) und Sabine Dittmar (SPD) haben deshalb bereits Gespräche geführt, ob die Standorte Hammelburg und Wildflecken Chancen haben. Zu den Ergebnissen machen beide aber auf Anfrage keine Angaben.

Wildflecken war bereits rund um die Jahrtausendwende in der engeren Auswahl für ein Nato-Kommando. "Wir waren immer wieder im Gespräch", erinnert sich der damalige Bürgermeister Walter Gutmann (CSU). 1994 zogen die US-Streitkräfte ab, bis zu 9000 US-Bürger lebten zeitweise im Lager oberhalb der Marktgemeinde. "Bei Manövern waren bis zu 20 000 weitere Soldaten auf dem Übungsplatz", erzählt Gutmann. "Wild Fleck" sei gerade vielen US-Militärs in guter Erinnerung. Am Ende kam der Nato-Standort aber gar nicht nach Deutschland, damit war auch Wildflecken vom Tisch. "Das ist damals bei der Nato selbst gestorben", erinnert sich Gutmanns Nachfolger Alfred Schrenk (SPD).
 


Wildflecken würde es gut tun

 


Der aktuelle Wildfleckener Bürgermeister Gerd Kleinhenz (SPD) hat sich bereits umgehört. Nato-Kommando oder auch neues Rechenzentrum der Bundeswehr: Jeder neue Dienstposten würde der Marktgemeinde gut tun. Kleinhenz hätte sogar ein Gebäude übrig: Wenn heuer im Herbst die Schule im Ort fertig saniert ist, wird die ehemalige US-Schule in der Rhönkaserne wieder frei. Bis 2020 ist sie zwar weitervermietet, aber langfristig habe die Gemeinde keine Verwendung für den Komplex.

Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben zunächst der Nato gegenüber Bereitschaft erklärt, das neue Kommando aufzustellen. "Nun wird abgewartet, welche weiteren Staaten sich zur Beteiligung bereit erklären", heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Bei einem Gipfel im Juni soll der endgültige Standort festgelegt werden: "Es ist also weder eine Nato-Planung, noch eine Bundeswehr-Planung, sondern die Abstimmung zwischen den Teilnehmern", kommentiert der Sprecher das weitere Verfahren.
Das neue Kommando soll für Material-Transporte und den Schutz der Truppen an Land, in der Luft und auf dem Seeweg von Grönland bis nach Afrika, Europa und dessen Randmeere zuständig sein. "Das neue Kommando wird damit der Knoten eines Informations- und Beziehungsnetzwerkes sowie der Mittelpunkt nationaler und internationaler Planungen." Hauptziel sei, die Bewegungen von militärischen Kräften in Europa zu erleichtern. Sprich: Auf welchen Routen und über welche Brücken kommen Panzer von Spanien ins Baltikum oder von Skandinavien ans Mittelmeer?
"In Wildflecken läge so ein Zentrum mitten in Deutschland und strategisch wichtig am Einfallstor aus Osten", setzt sich Alt-Bürgermeister Gutmann für seine Heimatgemeinde ein. Zum einen sei hier bereits das Gefechtssimulationszentrum beheimatet, zum anderen stünden jede Menge Gebäude in der Rhönkaserne leer. Gerade in Zeiten der Digitalisierung müsse ein solches Kommando nicht in Ballungsräume gelegt werden. "Aber die hohen Herren gehen natürlich nicht so gerne in die Provinz", weiß Gutmann, dass es schwierig wird, Nato-Generäle von Wildflecken zu überzeugen.
Ein Argument für die Rhön steht im neuen Koalitionsvertrag: Mehrfach werden darin die gleichwertigen Lebensverhältnisse in Stadt und Land gefordert. "Das sind Vereinbarungen von Parteien, dazu nehmen wir keine Stellung", heißt es aus dem Verteidigungsministerium auf die Frage, ob sich Stationierungsentscheidungen verändert haben. Allerdings sei bereits im vergangenen Jahr der Verkauf weiterer Bundes-Liegenschaften gestoppt worden, um mehr Optionen zu haben, falls die Bundeswehr wieder aufgestockt werden soll.

 



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