Hammelburg
Brauchtum

Zunftbaum im Regen aufgestellt

Auf dem Marktplatz wurde der Baum aufgestellt, für die Feier wichen die Zuschauer aber in das alte Kaufhaus aus.
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Der viel bewunderte Zunftbaum hat wieder seinen Platz am Marktplatz eingenommen.  Fotos: Winfried Ehling
Der viel bewunderte Zunftbaum hat wieder seinen Platz am Marktplatz eingenommen. Fotos: Winfried Ehling
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Der Zunftbaum ziert wieder den Marktplatz der Saalestadt. Jener kahl geschälte Fichtenstamm, der - mit den Gildezeichen der heimischen Handwerksbetriebe versehen - im Mai seinen Winterschlaf beendet und bis weit in den Herbst mit den Wappen der stolzen Zünfte die Kernstadt grüßt. Stattliche 22 Metern hoch konkurriert er mit dem Treppengiebel des Rathauses.

Für die Einwohner ist seine Aufrichtung immer ein Erlebnis. Trotz Dauerregen eilten die Hammelburger in ihre "gute Stube", um das Handwerk zu ehren und den Baum zu feiern. Ist er doch den Heimischen das, was andere Orte mit dem Maibaum präsentieren - nur ein bisschen imposanter: Der Mai ist gekommen, und die Natur symbolisch zum Leben erwacht. Na ja, das Interesse ist auch der Grundschule am Mönchsturm geschuldet. Der Auftritt der Kinder trieb augenscheinlich Eltern, Oma und Opa auf die Beine.

Auf die "Freudentränen von Petrus", wie es Hannes Deinlein, Vize-Vorsitzender des ausrichtenden Vereins für Wirtschaft und Stadtmarketing (VWS), in seiner Begrüßung formulierte, hätten die Besucher aber gerne verzichtet. Doch manchmal findet sich ja doch ein Ausweg, diesmal das ehemalige Hammelburger Kaufhaus, das irgendwann ein Bürgerhaus werden soll. Sein Erdgeschoss bot Gästen und Akteuren genügend Raum im Trockenen.

Die Maifeier musste nicht ins Wasser fallen. Überhaupt, die "alte Hütte" tut auch anderen Vereinen und ihren Veranstaltungen gute Dienste. Mancher fragt sich bereits, "wäre es nicht besser, den Altbau mit weit weniger Geld zu sanieren und ihn für solche Anlässe vorzuhalten?", wie dies ein Stadtteilbewohner vorschlug.

Als Vertreterin der Stadt hieß Vize-Bürgermeisterin Rita Schaupp die Gäste jedenfalls mit den Worten willkommen: "Ein Glück, dass wir noch das alte Kaufhaus haben." In ihrem Grußwort betonte sie, dass der Zunftbaum für die Wertschätzung des Handwerks und die Verbundenheit der Bevölkerung zu den Handwerksbetrieben stehe. Zu historischen Berufen wie Bäcker, Metzger, Bierbrauer oder Färber kommen heute Berufsgruppen wie Elektriker, das Autogewerbe oder Raumausstatter hinzu, die sich ebenfalls mit Wappentafeln am Baumstamm "verewigen".

"Es ist wichtig, dass sich die Menschen auch im digitalen Zeitalter der Werte des Handwerks bewusst sind", unterstrich sie und warb für die Bereitschaft zum Erlernen eines Handwerksberufs. Ihr Dank galt dem VWS - insbesondere Vorsitzenden Sebastian Hose sowie Geschäftsführer Walter Schneider für die Organisation -, dem Stadt-Bauhof, der den Baum aufrichtete, der Feuerwehr für die Drehleiter, dem Autohaus Gerner, das seinen Autokran zur Verfügung stellte und Bäckermeister Marc Scheller für die Bewirtung. Der knapp drei Tonnen schwere Gildebaum wurde zwei Stunden vor der Veranstaltung errichtet, um möglichen Unfällen vorzubeugen.

Die Klassen aus der Grundschule am Mönchsturm und ihre Lehrerinnen leiteten den geselligen Teil, begleitet von einem Akkordeon-Duo, mit einem Lied ein, in dem einige Zunftzeichen kurz erklärt und besungen wurden. Dafür gab es für jeden Sänger eine Portion Eis und viel Beifall. Für die Stadtkapelle unter Dirigent Matthias Zippel ist es schon Tradition, den Anlass mit Musik zu begleiten. Die Kinder-Volkstanzgruppe des Rhönklubs Völkersleier gehört seit mehreren Jahren zu den Akteuren und verdiente sich auch heuer reichlich Applaus.

Einen Imbiss hielt die Bäckerei Scheller bereit. Zur Errichtung des Wahrzeichens gehört schließlich auch eine Brotzeit.

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