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Langendorf
Geschichte

Zeitreise durch 10 000 Jahre

Der Archäologische Arbeitskreis "Mittleres Saaletal" präsentierte Funde aus vielen tausend Jahren rund um Langendorf und gab Einblicke in die Siedlungsgeschichte.
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So könnte es in der Jungsteinzeit auch an der mittleren Saale ausgesehen haben.  Fotos: Winfried Ehling
So könnte es in der Jungsteinzeit auch an der mittleren Saale ausgesehen haben. Fotos: Winfried Ehling
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Einen Einblick in die Vergangenheit Langendorfs gab der Archäologische Arbeitskreis "Mittleres Saaletal", der die überraschende Besucherzahl von rund 90 Zuhörern verzeichnen konnte. Galt es doch einen Lichtschein in eine mehr als 10 000 Jahre währende Ära zu werfen und diese mit Funden zu belegen.

Der Initiator der Veranstaltung, Kreis- und Gemeinderat Volker Partsch, sah es als einen "passenden Startschuss" historischer Prägung für das laufende Jubiläumsjahr des Marktes Elfershausen. In seiner Begrüßung im Gasthaus "Adler" dankte er dem Arbeitskreis und namentlich dem heimischen Hobby-Archäologen und Fotografen Edwin Heinlein, dem zahlreiche Funde und deren bildliche Archivierung zu verdanken sind.

"Was hier so los war in den letzten 10 000 Jahren", setzte Bernd Marquardt ins Bild. Erstmals 772 n. Chr. mit der Schenkung an das Kloster Fulda erwähnt, wurde Langendorf im Jahr 900 Ur-Pfarrei mit den Filialen Elfershausen, Trimberg, Machtilshausen, Fuchsstadt und Westheim. Mehr als ein Jahrhundert später entstand die erste Kirche. Im Dreißigjährigen Krieg brannten die Schweden das Dorf nieder. Wieder erbaut, erneuerte sich 1713 das Marktrecht . Die Eingemeindung nach Elfershausen erfolgte rund 250 Jahre später.

Drei Straßen zur Saale

Die erste bekannte Namensgebung lautete Uuintgraba oder Wintgraba, was so viel wie "von Gräben umgeben" bedeutete, berichtete Kreisheimatpfleger Roland Heinlein. Es darf angenommen werden, dass Langendorf aus mehreren Siedlungsstellen bestand, die gleichzeitig entstanden. Erstaunt hörte das Publikum, dass sich hier mehr Weinland befand wie in Hammelburg. Das Urkataster beschreibt als Mittelpunkt den Pfarrhof und ein kleines Schloss mit Wirtschaftsgebäude. Drei Straßen führten zur Saale, die "Hännerstraße" war Dorfgrenze. Der "Mühlenweg" und die "Untere Au" sind als frühmittelalterliche Siedlungen bekannt. Doch gab es wahrscheinlich mehr, wie die Funde über alle Zeitperioden hinweg belegen. Zu ihnen gehören Waffen- und Hausratrelikte. Die "Point", heute noch so geheißen, liegt zwischen der Petri-Schule und der Autobahn, zeigte sich als ergiebiger Fundort mit Feuersteinabschlägen, Schaber und Pfeilspitzen, die aus dem Jahr 9500 v. Chr. stammen.

Spinnen, weben, töpfern

In der Jungsteinzeit bildeten sich Haus- und Ackerbau, die Viehzucht, das Spinnen, Weben und Töpfern heraus und damit auch die Bandkeramik. Die Bronzezeit charakterisiert sich in Metallverarbeitung, Herstellung von Werkzeug und Schmuck und der Urnenbestattung. Besondere Merkmale der so genannten Hallstatt-Zeit, die 450 v. Chr. endete, sind die Eisenverhüttung und die Hügelgräber, die wahrscheinlich meist höher gestellten Personen zukam.

Kleine Eiszeit

Als mittelalterliche Wüstung ist "Mettal" bekannt, das in Richtung Schwedenberg lag. Zu dieser Zeit gab es auch eine Klimakrise. In der "kleinen Eiszeit" wurden viele Ansiedlungen aufgegeben und nicht mehr erbaut. Ein Bevölkerungsrückgang war die Folge. Auf dem Kreuzberg zwischen Langendorf und Machtilshausen befand sich ebenfalls eine Siedlung oder ein Kultplatz. Hier deckte eine Spezialkamera auch eine ehemalige Abschnittsbefestigung in Form von Wällen auf. Mit dem Applaus der Zuhörer verband auch Initiator Partsch seine Freude über die Präsentation und die Funde. Kreisheimatpfleger Roland Heinlein sucht Geschichtsinteressierte für den Arbeitskreis, der allerdings nur das sammelt, was er findet. Ausgrabungen gibt es nicht. AK-Mitglied Hans Dünnunger bat das Publikum außerdem ältere Bürger über Namen und Ereignisse zu befragen und dies zu notieren. Um historische, ortskundliche Aufzeichnungen ist Altbürgermeister Otmar Pfister bemüht. Sein jüngstes Projekt ist ein bebildertes Heft um das Langendorfer Brauchtum. Er nimmt in naher Zeit eine Führung im Erthal'schen Schloss, dem heutigen Rathaus, vor, um dem Geschichtskreis die Herren von Erthal nahezubringen.

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