Aura an der Saale
Engagement

Wenn Omas zusammenhalten

Großmütter helfen Großmüttern: Gerlinde Kiesel unterstützt mit dem Verkauf von handgearbeiteten Kissen die Organisation "HelpAge", einem Verein, der Großmüttern in aller Welt hilft.
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"Jede Oma zählt", lacht Gerlinde Kiesel und drückt das Kissen mit Libellen und Blumen vorsichtig an sich.  Foto: Jacqueline Vera Edgü-Mihm
"Jede Oma zählt", lacht Gerlinde Kiesel und drückt das Kissen mit Libellen und Blumen vorsichtig an sich. Foto: Jacqueline Vera Edgü-Mihm

Gerlinde Kiesel strahlt. Sie ist eine Oma. Eine Oma von vier bereits erwachsenen Enkelkindern. Aber die in Aura an der Saale lebende Gerlinde Kiesel ist nicht nur irgendeine Oma. Sie weiß, dass "jede Oma zählt". Das, was sie mit großer Leidenschaft, Kreativität und sehr großem handwerklichen Geschick mit ihren flinken Händen erschafft und verkauft, dient bereits seit zehn Jahren der Unterstützung ihrer Altersgenossinnen in anderen Ländern.

Stille Heldinnen

Vor einigen Jahren las sie in der Zeitung einen Artikel über einen Verein, der alten Menschen hilft, allen voran "alleinerziehenden Großmüttern" in vielen Ländern der Welt, wie in Südafrika. Die Kinder dieser Großmütter sind an Aids gestorben. Die Omas haben ihre Enkelkinder aufgenommen und sorgen für sie. "HelpAge", so der Name der Organisation, die alte und in Not geratene Großmütter unterstützt, hilft diesen "stillen Heldinnen" beispielsweise mit einer kleinen Rente und Geld für die Enkelkinder. Laut "HelpAge" hat nahezu die Hälfte der zwölf Millionen Aids-Waisen in Afrika bei ihren Großmüttern ein zweites Zuhause gefunden.

Mit der Aufschrift "Jede Oma zählt", leuchtet Gerlinde Kiesels Button dem Gesprächspartner entgegen. Gerlinde Kiesel trägt ihn gerne immer wieder, mal an der Jacke, mal keck an die Mütze gesteckt. So war sie beispielsweise auf dem vergangenen Weihnachtsmarkt im Garten des Euerdorfer Museums Terra Triassica mit ihren kunstvoll gestalteten Kissen vertreten. Einen Großteil des Verkaufserlöses spendet die engagierte Oma der Organisation "HelpAge", um damit etwas Gutes zu tun. "Ich habe selbst nur eine kleine Rente, dennoch helfe ich sehr gerne", so Kiesel, die Feuer und Flamme für die gute Sache ist.

Es sind wunderschöne Kissen mit mannigfaltigen Motiven, größtenteils inspiriert von eigenen Naturerlebnissen: zarte Frühlingsblumen, Libellen über sommerlicher Blumenwiese, filigranen Federn oder Eisbären in winterlicher Landschaft. Sie erstellt auch passende Kissen zur Geburt oder zur Hochzeit. Da halten dann etwa Tauben goldene Ringe in den Schnäbeln. Die selbst entworfenen, individuell zusammengestellten Motive, in gekonnten Stichen ausgearbeitet und immer individuell auf farblich gestalteten Kissen aufgebracht, sind Unikate.

Der Betrachter spürt die Liebe zur handwerklichen Kunst, zur Natur und zum kreativen Ausdruck. Die fast 77-Jährige agile Seniorin, die immer wieder große Freude beim Entstehen ihrer kunstvollen Kissen verspürt, ist vom Fach. In ihrer Jugend hat sie Grafikerin gelernt und arbeitete in einer Hammelburger Werbeagentur, die dann ihren Sitz nach Würzburg verlagerte. Gerlinde Kiesels Leben richtete sich in den darauf folgenden Jahren auf ihre junge Familie aus.

Sie eignete sich sukzessive Fähigkeiten an, um ihren Lieben etwa mit selbstgenähten Teddybären und Puppen eine Freude zu machen. Anderen Menschen Freude zu schenken scheint ein wesentliches Thema in Kiesels Leben zu sein.

In diesem Jahr wird Gerlinde Kiesel wieder beim Euerdorfer Museumsweihnachtsmarkt zu finden sein, um Schönes für den guten Zweck feilzubieten. "Jede Oma zählt", lacht sie fröhlich und drückt das Kissen mit Libellen und Blumen vorsichtig an sich. Und innerlich freut sie sich gewiss bereits darauf, dass sie mit dem Erlös aus diesem Unikat ein Lächeln in das Antlitz einer Oma in einem anderen Land zaubern kann. Einer Oma, die ihre Enkel großzieht und ihnen so auch traditionelles Wissen weitergeben kann. Eine Oma, die Wurzeln schenkt.

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