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Ramsthal
Kultur

Was von der Liebe geblieben ist

Zu einer szenischen Lesung mit Musik lud die Katholische Öffentliche Bücherei Ramsthal ein. Im Mittelpunkt stand der Roman " Alte Liebe", den Elke Heidenreich und ihr Mann Bernd Schroeder gemeinsam geschrieben haben.
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Von links nach rechts:  Dr. Anna Neder von der Goltz, Felix Prihoda, Julian Schunter und Hans von der Goltz.  Foto: Christine Neder
Von links nach rechts:  Dr. Anna Neder von der Goltz, Felix Prihoda, Julian Schunter und Hans von der Goltz. Foto: Christine Neder

Die szenische Lesung - "Alte Liebe" von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder durchsetzt mit entspannender Musik von Vibraphon und Saxophon, lockte am Sonntag viele Interessierte nach Ramsthal.

Das Büchereiteam der KÖB Ramsthal lud zur letzten Veranstaltung in ihrem Jubiläumsjahr - 15 Jahre Katholische Öffentliche Bücherei - ein. Zu Beginn begrüßte Büchereileiterin Christine Neder die Anwesenden und stellte die Vortragenden und die Musiker vor. Dann übernahmen Anna und Hans von der Goltz die Mikrofone und lasen aus dem 2009 erschienenen Roman "Alte Liebe", den Elke Heidenreich und ihr Mann Bernd Schroeder gemeinsam geschrieben haben. Dass dieser autobiographische Züge enthält, war von Anfang an bekannt. Die abwechselnd vorgetragenen Passagen verdeutlichten schnell, dass es dabei um mehr als persönliche Bekenntnisse geht. Letztendlich um die ewige Frage "Liebst du mich noch"?, vielleicht sogar " Hast du mich jemals geliebt"?

Es hat sich einiges aufgestaut

Denn in den 40 Jahren ihrer Ehe hat sich bei den Protagonisten Lore und Harry so einiges angestaut, ist manches offenbar doch nie vergessen, gar verziehen worden. Und vor allem: Ihre persönlichen Interessen sind zu Stellvertretern ihres Lebens verkümmert - bei der Bibliothekarin sind es die Bücher, die Lesungen, die sie veranstaltet, beim pensionierten Baurat Harry der Garten und neuerdings das Golfspielen mit einem alten Freund.

Den Anlass, über die Grundzüge ihrer Beziehung und deren Verlauf nachzudenken, liefert die bevorstehende dritte Hochzeit ihrer Tochter Gloria. Und gerade der von ihnen als "Spießerhochzeit" empfundene Anlass zwingt sie, ihre eigene aktuelle Situation zu überdenken. Was ist geblieben von ihren Idealen, von ihrer alten Liebe?

Entlarvender Blick

Anna Neder von der Goltz setzt dabei die eher traurig - enttäuschte Lore sehr überzeugend in Szene, während ihr Mann Hans stimmlich den ironischen männlich - zornigen Typ verkörpert. Das dies nun nicht der Weisheit letzter Schluss ist, den Heidenreich/Schroeder mit dieser Rollenverteilung in die Welt gesetzt haben, aber diesen Dialogen, Erinnerungen, Monologen und Reflexionen folgt man als Zuhörer trotzdem gerne. Eröffnet sie doch - oft humorvoll-ironisch, manchmal auch melancholisch vorgetragen - einen entlarvenden Blick auf die hohlen Ritualen verkümmerten Reste einer Lebendigkeit, die offenbar nur noch in der Erinnerung lebt. Die als scheinbar vertraut empfundene "Alltagsverwaltung" ist bei beiden längst nur noch eher kümmerlichen Lebensersatz. Dabei fehlt es beiden offenbar nicht an fehlender Zuneigung. Schleichende Wohlstandssättigung und damit einhergehende Interessenlosigkeit am Partner scheint das eigentliche Zersetzende zu sein. Bis ein kleiner Ausbruch aus den Alltagsgewohnheiten, eine spontane Tanzeinlage, beide einander wieder näher bringt. Die Vortragenden schlüpften absolut stimmig in ihre Rollen und machten daraus ein kleines Zwei - Personen - Stück mit Hörspielcharakter, das am Ende mahnend daran erinnerte, das letztlich alles endlich ist. Dass es für diese unterschiedlichen Stimmungen eine wunderbar passende Musik gibt, zeigten Felix Prihoda, Vibraphon, und Julian Schunter, am Saxophon. Ihr oft verspielt wirkendes Miteinander schuf die nötigen gedanklichen Freiräume mit melancholisch-verträumten Klängen mit einer wohltuenden Symbiose und dezent - cooler Jazz- und rhythmisch-packenden Tangovariationen. Ihr Spektrum reichte dabei von Dave Brubeck bis Django Reinhardt. Von zart bis fordernd war auch in ihren Eigenkompositionen alles enthalten, was die Sehnsucht sich wünscht. red

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