Euerdorf
Interview

Warum Peter Bergel für das Bürgermeisteramt in Euerdorf kandidieren will

In Euerdorf gibt es einen ersten Bewerber für die Bürgermeisterwahl 2020. Peter Bergel hat überraschend aus dem Ruhestand heraus seine Kandidatur verkündet.
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Peter Bergel in seinem Garten - für den wird er ab kommendem Jahr vielleicht künftig etwas weniger Zeit haben. Foto: Arkadius Guzy
Peter Bergel in seinem Garten - für den wird er ab kommendem Jahr vielleicht künftig etwas weniger Zeit haben. Foto: Arkadius Guzy

Vor etwas mehr als einer Woche, just am Wochenende des Bürgerentscheids, hat Peter Bergel sich per Zeitungsannonce als Bewerber für das Bürgermeisteramt ins Spiel gebracht. Das Ergebnis des Bürgerentscheids - die Rückkehr zur Ehrenamtlichkeit des Amts - ebnet ihm nun den Weg für die Kandidatur. Denn mit 68 Jahren ist Bergel aufgrund der Altersbegrenzung für einen hauptamtlichen Bürgermeister zu alt.

Wieso wollen Sie sich eine Kandidatur antun, statt den Ruhestand zu genießen?

Peter Bergel: Ich hatte jetzt zweieinhalb Jahre Zeit, mich auszuruhen. Ausschlaggebend war der Bürgerentscheid und die Kampagne: In so einer kleinen Gemeinde darf man sich nicht ohne Hemmungen die Taschen so vollstopfen.

Mit dem Vorwurf meinen Sie die Kosten für einen hauptamtlichen Bürgermeister?

Ja, richtig. Zum einen das, zum anderen hat mich die Altersdiskriminierung gestört. Mit mehr als 67 Jahren kann ich kein hauptamtlicher Bürgermeister werden. Im Bundestag gibt es zum Beispiel auch keine Altersbegrenzung.

Sie haben Ihre Absicht, kandidieren zu wollen, am Samstag vor dem Bürgerentscheid per Anzeige verkündet. Weshalb haben Sie sich für diese Aktion entschieden?

Ich habe gedacht, die Leute müssen wissen, dass einer über 67 ehrenamtlich kandidieren würde. Ich musste mich outen.

War das eine spontane Idee?

Ich hatte schon immer Interesse am Bürgermeisteramt, hätte es aber früher mit Beruf und Familie nicht vereinbaren können.

Haben Sie eine Gruppierung als Unterstützung im Rücken?

Ich war früher für den Bürgerblock im Gemeinderat. Meine Anzeige hatte aber nichts mit einer Gruppierung zu tun. Das war mit niemandem abgesprochen. An dem Wochenende, an dem die Anzeige erschien, kamen die Freie Wählergemeinschaft Wirmsthal und der Bürgerblock auf mich zu.

Für wen werden Sie sich entscheiden?

Ich bin parteilos und unabhängig. Wir werden sehen, ob mich Bürgerblock und die Freie Wählergemeinschaft Wirmsthal unterstützen wollen.

Das heißt, es wird Gespräche mit beiden geben?

Sicher. Im Moment ist alles noch am Anfang.

Wie war die Resonanz auf Ihre Anzeige?

Ganz ordentlich. Es hatte auch keiner gedacht, dass der Bürgerentscheid so deutlich ausgehen würde.

Rechnen Sie das Ergebnis auch Ihrer Aktion an?

Auf alle Fälle. Ich war 24 Jahre lang im Gemeinderat und 32 Jahre als Arzt in Euerdorf tätig. Wenn so jemand sich vorwagt, dann kennen die Leute ihn.

Wie haben Sie die damalige Zeit, von 1984 bis 2008, im Gemeinderat erlebt?

Die früheren Verkrustungen sind heute aufgelockert. Damals überwog zum Teil engstirnige Parteipolitik mit Fraktionszwang. Jetzt sitzen viele jüngere im Gemeinderat.

Ist die Annahme richtig, dass Sie nur für eine Amtszeit bereit stehen werden?

Voraussichtlich, ja. Im nächsten Jahr bin ich 69. Am Ende der Amtsperiode werde ich 75 sein. Ich fände es generell gut, wenn es danach einen hauptamtlichen Bürgermeister für die gesamte Verwaltungsgemeinschaft gäbe und für jeden Ort einen Ortssprecher.

Sie plädieren also für eine Einheitsgemeinde?

Die Frage ist, ob sich die anderen Bürgermeister dazu bewegen lassen. Die Verwaltungsgemeinschaft erstellt für vier Gemeinden einen eigenen Finanzplan. Diese Mehrbelastung würde zum Beispiel wegfallen. Es würde auch keinen Streit um die VG-Umlage für die Turnhalle oder die Kläranlage geben. Die Kirche soll schon im Dorf bleiben, aber es wäre ein Thema, dass ich als sinnvoll erachten würde.

Welche Themen sehen Sie noch für sich?

Ein Thema wäre, ein bisschen mehr Kritik am neuen Rathaus zu üben. Es gibt ständig Nachträge. Wenn man im Bestand baut, sollte man vorher gutachterlich wissen, wie der Bestand ist; und wenn man schon ein schönes altes Fachwerk teuer freilegt, sollte es dann wenigstens nach außen sichtbar bleiben. Eine Frage ist, was dann mit dem jetzigen Rathaus passiert. In Euerdorf gibt es ja so gut wie keine Veranstaltungsräume. Auch die Umwelt ist mir wichtig.

Ein ehrenamtlicher Bürgermeister hat keine Arbeitszeitvorgabe. Wie groß ist Ihr Zeitbudget?

Ich habe jede Menge Zeit. Ich habe zwar genug Hobbys - ich spiele Tennis, mache Nordic Walking, male, kümmere mich um den Garten - aber es fällt genug Zeit ab.

Und Ihre Frau hat nichts dagegen?

Sie hätte natürlich auch nichts dagegen, wenn ich es nicht tun würde. Aber da muss sie nun durch.

Zur Person: Peter Bergel Sein Beruf als Arzt prägte das Leben von Peter Bergel. Im Jahr 1980 hatte er zunächst im Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen angefangen, bevor er dann im Jahr 1984 seine Praxis in Euerdorf eröffnete. Der 68-Jährige ist seit Ende 2016 nun im Ruhestand. Von 1984 bis 2008 saß Peter Bergel für den Bürgerblock im Gemeinderat von Euerdorf. Aktuell ist seine Frau Gisela Gemeinderätin. Das Ehepaar hat drei erwachsene Kinder. Peter Bergel stammt gebürtig aus der Gegend um Oldenburg. Die Familie zog dann ins Ruhrgebiet und später, als Peter Bergel 13 Jahre alt war, nach Euerdorf.

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