Hammelburg
Glauben

Wandern, singen und beten

Eine ökumenische Wallfahrt führte die Teilnehmer durch Wald und Weinberge. Dazu gab es verschiedene Impulse, an insgesamt neun Stationen machte die Gruppe halt.
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Die erste Station der Wallfahrt führte zum Bildstock mit der Aufschrift "Er ist der Weinstock, wir sind die Rebzweige". Es war das Motto der ökumenischen Wallfahrt 2019.  Fotos: Barbara Oschmann
Die erste Station der Wallfahrt führte zum Bildstock mit der Aufschrift "Er ist der Weinstock, wir sind die Rebzweige". Es war das Motto der ökumenischen Wallfahrt 2019. Fotos: Barbara Oschmann
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Fantastische Ausblicke, geschichtliche Rückblicke, interessante Einblicke gab es bei der ökumenischen Wallfahrt am vergangenen Samstag, dazu Impulse, Lieder, Gebete. 20 Personen machten sich auf den Weg von der evangelischen St. Michaelskirche zur katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes - allerdings in einem weiten Bogen: über Weinberge und Waldwege, vorbei an Bildstöcken, Weinbergshütte, geheimnisvollen Figuren, Wegkreuzungen.

Alle zwei Jahre

Seit vielen Jahren, im zweijährigen Rhythmus, gibt es eine solche ökumenische Wallfahrt in Hammelburg. Ein Vorbereitungsteam aus beiden Konfessionen sucht eine Wegstrecke und ein Thema aus. "Er ist der Weinstock, wir sind die Rebzweige" lautete es in diesem Jahr. Dieser Satz nach dem Johannesevangelium (Kapitel 15, Vers 5) steht auf dem Gedenkstein an der Straße Zur Kanzel. Er wurde 1982 zum Abschluss der Weinbergsbereinigung dort aufgestellt.

An insgesamt neun Stationen machte die Gruppe halt. Zwischen herbstlich gefärbten Rebzeilen bot sich die Sicht auf die Stadt und ihre beiden Kirchtürme. Dazu bekamen die Teilnehmer Einblicke in die Situation der Winzer und die Bedeutung des Weinbaus für Hammelburg. Sowohl der evangelische Pfarrer Georg Horn (†1603) als auch 300 Jahre später der katholische Pfarrer Johannes Martin (†1943) haben den Weinbau in ihre Seelsorgstätigkeit mit einbezogen. Horn hielt Weinbaupredigten für seine Gemeinde. Martin kümmerte sich auch ganz praktisch um die verarmten Winzer und gründete vor 115 Jahren die Winzergenossenschaft. Dokumente davon finden sich an einer alten Weinbergshütte. Martin war überzeugt: "Wo das tägliche Brot fehlt, mangelt es auch an Glaubensfreudigkeit". Bei der Figur der Amalberga tat sich den Wallfahrern der weite Blick ins Saaletal auf. Dabei lauschten sie der Lebensgeschichte der Amalberga von Gent, einer Mystikerin, die 772 starb.

Lob auf die Schöpfung

An einer Wegkreuzung, wo es schließlich ins Seeshofer Tal hinunter geht, beteten alle gemeinsam Psalm 104 - ein Lob auf die Schöpfung. Weitere Station war die große Linde mit einem Impuls aus dem Lukasevangelium. An der Pieta am Heroldsberg ging es nochmals um den Weinstock und die Rebzweige. Hier stand die Verbindung mit Gott und untereinander im Mittelpunkt. Zum Abschluss wartete in der katholischen Kirche die Figur des Laurentius auf die Wallfahrer. Er ist - vermutlich nur in Hammelburg - ein "Weinheiliger".

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