Hammelburg
Wanderserie

Wallen - besonderes Wandern

Die Zeit der Wallfahrten beginnt: Wir haben mit Rudolf Hannawacker darüber gesprochen, was Pilger erwartet.
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Rudolf Hannawacker war von 31 Wallfahrten 28 mal dabei. Auch am Donnerstag, 16. Mai wird er mit seinen 82 Jahren wieder dabei sein.Kerstin Väth
Rudolf Hannawacker war von 31 Wallfahrten 28 mal dabei. Auch am Donnerstag, 16. Mai wird er mit seinen 82 Jahren wieder dabei sein.Kerstin Väth
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Bald geht es wieder los. Die Anmeldungen laufen schon und die meisten Teilnehmer laufen sich bereits für die 110 Kilometer lange Wallfahrt ein. Der Hammelburger Rudolf Hannawacker muss das nicht. Er hat auch mit 82 Jahren noch eine solch gute Kondition, dass er keine spezielle Vorbereitung für die Wallfahrt der Pfarreiengemeinschaft "Sieben Sterne im Hammelburger Land" nach Vierzehnheiligen braucht. Mit Angabe hat das nichts zu tun, sondern mit seiner Einstellung zu Fitness. "Ich mache dreimal die Woche Sport und fahre auch ohne E-Bike den Berg (Buchberg) nach Hause hoch ohne anzuhalten", erzählt er.

Der Hammelburger war von 31 Wallfahrten 28 Mal dabei und: "Ich habe es auch heuer fest vor." Früher habe es schon eine Einlaufgruppe gegeben, die einige Wochen vor der Wallfahrt zweimal wöchentlich eine bestimmte Strecke flott gelaufen ist. "Da waren anfangs 30 bis 40 Teilnehmer dabei, man hat sich und die Heimat kennengelernt, aber auch das Tempo, mit dem bei der Wallfahrt gelaufen wird, und es war gesellig", erinnert sich Hannawacker. Nachdem die Gruppe auf acht oder neun Teilnehmer geschrumpft war, habe man sie aufgelöst. Es gebe aber noch heute Gruppen, die daraus entstanden sind und auch noch das ganze Jahr zusammen laufen.

Gemeinschaft trägt

Für die Wallfahrt muss sich heute jeder individuell einlaufen. Wenn man keinen Sport treibt, sei das unbedingt zu empfehlen, sagt Hannawacker, "sonst ist es schwierig". Auch wenn es sich in der Gemeinschaft ganz anders laufe als allein. "Die Gemeinschaft trägt dich nach oben", sagt Hannawacker. Er habe schon Wallfahrer gekannt, die nach 20 Kilometern aufgeben wollten. Aber am Ende haben die anderen sie überzeugt und sie haben durchgehalten und sind dabei geblieben. Denn: "Es ist wie ein Virus, wer einmal infiziert ist, bleibt dabei", beschreibt der 82-Jährige das Gefühl. Die meisten wollen es nur einmal probieren und werden dann zum Wiederholungstäter.

Blasen hatte Rudolf Hannawacker nur eine kleine, ganz am Anfang. Dann hat ihm Edgar Denner eine bestimmte Fußcreme empfohlen, die schon im Krieg verwendet wurde und auf die schwört er seitdem. Die wird vor dem Start dick aufgetragen, drüber ein paar gute Wandersocken - eine Nummer kleiner als sonst, damit sie fest sitzen - und gute Wanderschuhe. Das ist für ihn das ganze Geheimnis.

Und natürlich die Planung, die er bis letztes Jahr 20 Jahre lang inne hatte. "Es braucht viele Helfer für eine Wallfahrt", erzählt Hannawacker. Begleitfahrzeuge, Landratsamt, Polizei und ärztliche Betreuung müssen organisiert werden, damit die 180 bis 200 Wallfahrer wohlbehalten in Vierzehnheiligen ankommen. Die Kosten werden durch die freiwilligen Spenden der Pilger gedeckt. Zudem muss der Ablauf passen. Darum kümmert sich Roland Sell, der seit Beginn die Wallfahrt anführt, damit der Zeitplan eingehalten wird.

Unterwegs wird keineswegs nur gebetet, wie man als Nicht-Wallfahrer vielleicht denken würde. "Es wird meditiert, der Kreuzweg gebetet, geschwiegen und geredet, Wanderlieder gesunden und auch mal ein Witz erzählt", berichtet Hannawacker. Damit die Hände nicht anschwillen wird auch dreimal täglich "die Hände zum Himmel gesungen" - allerdings mit speziellem Wallfahrtstext. Besonders schön sei in der Wallfahrtszeit die Natur, die man beim Laufen erlebt. Zum Schluss stehen 111 Treppenstufen zwischen dem Wallfahrer und der Basilika und "wenn du oben ankommst, ist alles vergessen." Wenn man einläuft kommen einem die Tränen. Außer Schnee hätten sie schon alles gehabt. "Es hat drei Tage durchgeregnet und keiner hat aufgegeben und wir sind vor einer Gewitterwand auch schon mal die letzten fünf Kilometer im Laufschritt gelaufen", erinnert sich Hannawacker.

Jakob- und Marienweg

Aus der Wallfahrt heraus, die Pfarrer Josef Treutlein einst mi t Oswald Bauer ins Leben gerufen hat, ist unter anderem auch der Fränkische Marienweg entstanden, der auf vier verschiedenen Routen und insgesamt knapp 800 Kilometern zu 50 Marienwallfahrtsorten führt. Den legt Rudolf Hannawacker - in Etappen - jedem ans Herz.

Er selbst ist mit über 70 Jahren noch einen Teil des Jakobswegs, 800 Kilometer gelaufen, geradelt und mit dem Bus gefahren. Das war 2011, für ihn "ein Wahnsinnserlebnis". Und die Osterferien hat er mit der Familie im Wanderurlaub verbracht - auch eine Art, sich einzulaufen.

Hammelburger Wallfahrt nach Vierzehnheiligen

Ablauf Die Wallfahrt der Pfarreiengemeinschaft "Sieben Sterne im Hammelburger Land" findet heuer von 16. bis 19. Mai statt. Los geht es am Donnerstag um 5.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Johannes in Hammelburg. Übernachtungen sind nach 43 Kilometern in Hesselbach und nach 42 Kilometern in Ebern. Die letzte Etappe beträgt 25 Kilometer. Rückkehr ist am Sonntag gegen 12 Uhr mit dem Bus.

Kontaktadressen Anmeldungslisten für die Wallfahrt liegen noch bis Sonntag, 12. Mai in der Stadtpfarrkirche (im hinteren Bereich, Haupteingang links) aus. Zudem ist eine telefonische Anmeldung im Pfarrbüro, Tel.: 09732/20 18 möglich. Dort sollen sich auch Freiwillige melden, die als Helfer (Fahnen-, Lautsprecher-, Bass- und Wallfahrtsbildträger sowie Ordner für den Verkehr oder Sanitätshelfer) fungieren würden. Musikanten mit Blasinstrumenten bitte bei Ludwig Knüttel, Tel.: 09732/797 73 melden.

Abschluss Die Nachlese sowie ein Ausblick auf die nächste Wallfahrt findet am Freitag, 27. September, bei einem Begegnungsabend mit vorherigem Abendlob statt.

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