Hammelburg
Heimat

Vom "Michlsmoat" und dem "Gassetramperle"

Beim Wort Dialekt fällt jedem Hammelburger sofort der Mannix ein. Gerade ist er mal wieder aus Thailand auf Heimaturlaub. Mit uns sprach er über sein Leben, die Musik und den Dialekt.
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So kennt man ihn: Mannix mit Klampfe und vergnüglichen Liedern im Heimat-Slang im "Fuchsbau".Winfried Ehling
So kennt man ihn: Mannix mit Klampfe und vergnüglichen Liedern im Heimat-Slang im "Fuchsbau".Winfried Ehling
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Er ist - wieder mal - da. Horst Manninger macht Urlaub in seiner Heimatstadt. Für seine "Auszeit" am Saalestrand und einen mehrtägigen Abstecher nach Spanien, um Freunde zu besuchen, nahm er die weite Reise von Thailand in Kauf, seine Wahlheimat. Naja, ein Auswanderer. "Leaving Germany" haben andere schon praktiziert, das ist nix Neues.

Neu zwar nicht, aber Besuche des Hammelburgers verbreiten sich wie mit Schallgeschwindigkeit in der Saalestadt. Denn "Mannix" - wie man ihn nennt - besitzt hierzulande fast einen Kultstatus, den er seinen Songs verdankt. Das Besondere an seiner Musik: sie ist im heimischen Dialekt aufgelegt, auf den der Liedermacher höchsten Wert legt. "Der Dialekt, der Laut-Vorrat, ist ein Schatz der Phonetik", ist seine Überzeugung.

Für den Mann mit dem grasgrünen Motorroller begann das Dialekt-Musizieren schon in den 70er Jahren als er mit Walter Graf und Reinhard Kraft fränkische, irische und bretonische Stücke spielte. 1998 schrieb der Bezirk Unterfranken einen Lieder-Wettbewerb in Heimat- Mundart aus. Mannix intonierte im besten Hammelburger Slang den Song "Bu wolle unner Küh heut ihr Hee hie hoa" (Wo wollen unsere Kühe heute ihr Heu hin haben) und ging als Gewinner aus dem Song-Contest hervor.

Auch die Stadt Hammelburg ehrte den Mundart-Barden für seine Verdienste um die Heimat.

Das Duo Mannix und Walter mit dem Namen "Die Schoppehauer" produzierte zwei CDs, "Die Schoppehauer vo Hammelburch" und "Freidich Oäwed", fiel jedoch aus beruflichen Gründen auseinander. Manninger verschlug es nach dem Physik-Studium und seinem Studium in Guildford in der englischen Grafschaft Surrey nach Fernost. Zehn Jahre in Japan als Übersetzer für Wirtschafts-Englisch , baute er in China eine Fabrik, deren Geschäftsführer er war und reiste später weiter nach Thailand, wo heute sein Lebensmittelpunkt ist.

Es versteht sich, dass der Hammelburger die Sprachen dieser Länder erlernt hat . So beherrscht er inzwischen Japanisch, Chinesisch und Thai in Schrift und Wort. Dabei kam er auch mit Dialekten in Berührung. "Im Thai und Chinesischen liegt die Betonung im Wort, Japanisch ist eher eine Silbensprache", weiß er heute. Neben seiner Heimatsprache steht ihm auch Englisch und Spanisch zur Verfügung.

Die musikalische Karriere schien jedoch zu Ende. Nicht ganz. Denn sobald er einen Fuß auf heimischen Boden setzt, kommen Auftritts- Angebote. Besonders die Fuschter , wo Mannix Verwandte hat, scheinen ihn ins Herz geschlossen zu haben. Für ein Benefiz-Konzert mit Bands im Stockmanns-Hof, beim Frühschoppen im Sportheim und beim Heimat-(Slang) -Abend im "Fuchsbau" ließen sich der Dialekt-Poet und sein Mitstreiter Walter Graf, gern mal vor den Wagen spannen.

Was ist das Geheimnis seiner selbst geschriebenen und komponierten "Beobachtungs-Songs", denn solche sind es. Es ist die Kunst aus alltäglichen, manchmal geradezu banalen, Gegebenheiten ein Lied in regionaler Sprache zu fassen. Humorig-philosophisch und mit einem listigen Augenzwinkern. Zum Beispiel Stubenfliegen, die sich im Titel "Die Mugge" wiederfinden. "Die Mugge, die Mugge, die fange a zu gugge... Das "Wengerte-Gerenn" bezeichnet die Arbeit im Weinberg und ein Landwirt verlangt nach "Öülfäisde Schuh", öl-feste Schuhe also.

Der Liedermacher, der nach eigenem Gesang "so gern en Öhrbercher wär", charakterisiert die "Rhuägroagge", die "Rhön-Kracken", weiß wie man den "Grummbirnsnacker" (Kartoffelacker) bearbeitet, kennt den "Hermann mit sein Hako" und es "Gassetramperle". Er besingt das "Alde Bild vom Obba", das immer wieder an einem anderen Ort hängt, den "Michlsmoat" (Michaelsmarkt) und manchmal sich selbst: "Ich bin ein Physiker". Mit seinem Song: "Hopp Heinz mer foahrn emol nach Bangogg und hole mein Kuseng sein alde Schrank ob", kam er seinem künftigen Lebensmittelpunkt schon ziemlich nahe.

"Wäre ich für längere Zeit hier würde ich wieder Musik machen", versichert der 62-Jährige, der mit Auftritten seinem Freundes- und Fan-Kreis ein paar vergnügliche Stunden vermittelt. "Ich will meinen Zuhörern sagen, werft die Kraft des Dialekts nicht weg, bringt sie euren Kindern bei", betont der Mann, der die Musik für "akustische Geometrie" hält.

Wer hat noch alte Videos?

Die CDs der Schoppehauer liegen wieder auf und können im Stadtmuseum und im Bunten Buchladen einschließlich der Texthefte erworben werden. Die Musik ist übrigens GEMA-frei, jeder kann sie spielen und nutzen. Für sich selbst sucht der Franken-Troubadour Videos von früheren Veranstaltungen. Bitte melden.

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